
Angreifer beim Berliner CSD stand unter Polizeiüberwachung; Polin tot, 31 Verletzte
Am Samstagabend raste ein Lieferwagen in die Berliner CSD-Parade, tötete eine 65-jährige Polin und verletzte 31 Menschen. Der Verdächtige, ein bekannter Islamist unter Polizeiüberwachung, griff mit einer Machete an und wurde am nächsten Tag von der Polizei erschossen.
Angriff im Tiergarten
Am Samstag, den 25. Juli, kurz nach 22:00 Uhr, raste ein weißer Lieferwagen eine Gasse im Berliner Tiergarten hinunter, nahe dem Ende der Christopher-Street-Day-Parade. Das Fahrzeug fuhr in die Menschenmenge und erfasste mehrere Personen. Nachdem es gegen einen Baum geprallt war, sprang der Fahrer heraus und griff Umstehende mit einer Machete an, wie Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt mitteilten. Eine Person, eine 65-jährige Polin, die mit ihrer Tochter an der Parade teilnahm, wurde getötet. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner berichtete am Dienstag, dass die Zahl der Verletzten von zunächst 29 auf 31 gestiegen sei, einige in kritischem Zustand. Der Angreifer floh und löste eine großangelegte Fahndung mit Spezialeinheiten und Hubschraubern aus.
Verdächtiger: bekannter Islamist unter Überwachung
Der Verdächtige, identifiziert als der 21-jährige Abdul Ballout, ein deutscher Staatsbürger libanesischer Herkunft, stand seit Jahren im Fokus der Sicherheitsbehörden. Laut Die Welt war er eine bekannte Größe in der Berliner Salafistenszene und fungierte als Mentor für Anhänger, unter anderem auf einem Telegram-Kanal mit über 600 Abonnenten. Er konvertierte 2021 vom schiitischen zum sunnitischen Islam und bewegte sich zunehmend in terroristischen Kreisen, wobei er Kontakt zu drei islamistischen „Scheichs“ unter Terrorismusbeobachtung hielt. Im Juli 2025 wurde er im Libanon festgenommen, als er versuchte, dem Islamischen Staat beizutreten; nach drei Monaten kehrte er nach Deutschland zurück und wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verhaftet. Während der Untersuchungshaft im Jugendstrafvollzug versuchte er, andere Insassen zu radikalisieren. Trotzdem verurteilte ihn ein Berliner Jugendgericht im Mai 2026 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten und entließ ihn auf Bewährung mit der Auflage, an 26 Deradikalisierungssitzungen teilzunehmen. Bei den ersten beiden Treffen im Juni und Juli zeigte er keine Kooperationsbereitschaft.
Der Spiegel enthüllte, dass die Polizei Ballout mehrere Wochen vor dem Angriff überwachte, sein Telefon abhörte und eine versteckte Kamera vor seinem Gebäude installierte. Die Kamera zeichnete auf, wie er am Tag des Angriffs das Haus verließ, aber das Material zeigte keine Anzeichen von Vorbereitung. Es gab keine Erkenntnisse, die das Massaker hätten verhindern können.
Der Verdächtige des Autoangriffs während der CSD-Parade am Samstag wurde als Mitglied der Berliner Islamistenszene identifiziert.
Fahndung und Tod
Am Sonntagnachmittag, kurz vor 18:00 Uhr, orteten Beamte Ballout in einer Kleingartenanlage im Bezirk Spandau im Westen Berlins. Als die Polizei sich näherte, griff er sie mit einer Machete an und wurde erschossen. Ein im Lieferwagen gefundenes Mobiltelefon enthielt ein am Tag des Angriffs aufgenommenes Video, das eine maskierte Person zeigt, die dem Islamischen Staat (IS) die Treue schwört. Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass es sich vermutlich um Ballout handelt. Im Fahrzeug wurde zudem eine Machetenscheide gefunden; die Klinge wurde nicht sichergestellt.
- Abdul Ballout erhält eine 22-monatige Bewährungsstrafe nach Jugendstrafrecht und wird verpflichtet, an 26 Deradikalisierungssitzungen teilzunehmen.
- Ein Lieferwagen fährt in die CSD-Parade-Menge im Tiergarten; der Fahrer greift Umstehende mit einer Machete an, tötet eine 65-jährige Polin und verletzt 31.
- Die Polizei ortet Ballout in einer Kleingartenanlage in Spandau; er greift Beamte an und wird erschossen. Ein Handy-Video mit Treueschwur auf den IS wird später sichergestellt.
Politische Reaktion und Forderungen nach Gesetzesreformen
Der Anschlag hat eine Debatte über öffentliche Sicherheit und den Umgang mit radikalisierten Personen verschärft. Innenminister Dobrindt forderte drei sofortige Gesetzesänderungen: den Ausschluss von Gefährdern aus dem Jugendstrafrecht, den verstärkten Einsatz elektronischer Fußfesseln und die Einführung einer bundesweiten Präventivhaft. Gespräche mit dem Koalitionspartner SPD laufen, und Kanzler Merz kündigte ebenfalls Konsequenzen an.
Ich habe diese drei Elemente ausgewählt, weil ich glaube, dass wir darüber sehr schnell politische Entscheidungen treffen können.
Weiterer Kontext
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung argumentierte in einem Leitartikel, der Anschlag treffe „die liberalen Grundfesten des deutschen Staates“ und sei einer einer langen Reihe von Gewalttaten durch Migranten, die die öffentliche Sicherheit untergrüben. Die Zeitung wies darauf hin, dass nach Angaben des deutschen Inlandsgeheimdienstes potenziell über 9.000 Personen als gewaltbereite Islamisten gelten, was einen dringenden Bedarf an verbesserten nachrichtendienstlichen Fähigkeiten unterstreiche. Kommentator Nikolas Busse warnte davor, die Schuld allein bei Richtern zu suchen, und forderte die Gesetzgeber auf, die Gesetze zu verschärfen, wenn sie andere Urteile wünschten. Die Geschichte des Angreifers verkompliziert auch die Migrationspolitik: In Deutschland geboren, wäre er von den jüngsten Grenzkontrollen oder dem neuen EU-Asylsystem nicht betroffen gewesen.
Der Anschlag während der CSD-Parade in Berlin trifft Deutschland aus zwei Gründen tief. Erstens ist es ein Angriff auf die liberalen Grundfesten des deutschen Staates, und zweitens, weil der Angriff am Samstagabend ein weiterer in einer langen Reihe von Gewalttaten durch Migranten ist.


