
65-jährige Polin bei Berliner Pride-Angriff getötet; Verdächtiger, ein IS-Sympathisant, von Polizei erschossen
Eine 65-jährige Polin wurde getötet und ihre Tochter war unter den 29 Verletzten, als am Samstagabend ein Lieferwagen in Menschenmengen bei der Christopher-Street-Day-Parade in Berlin fuhr. Der Verdächtige, ein 21-jähriger IS-Sympathisant, wurde am Sonntag von der Polizei erschossen.
Der Angriff
Am Samstagabend, dem 25. Juli, gegen 22:00 Uhr, fuhr ein weißer Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschenmenge in einer Gasse des Berliner Tiergartens, in der Nähe des Brandenburger Tors und des Potsdamer Platzes. Das Gebiet war voller Teilnehmer der Christopher-Street-Day (CSD) Pride-Parade. Nachdem er das Fahrzeug verlassen hatte, griff der Fahrer Passanten mit einer Machete an, so Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt. Die Parade wurde sofort gestoppt, die Organisatoren zeigten Evakuierungsnachrichten auf Bildschirmen an und baten die Teilnehmer, ruhig zu gehen.
Das Opfer
Berlins Bürgermeister Kai Wegner bestätigte am Montag, dass die getötete Frau eine 65-jährige polnische Staatsbürgerin war, die mit ihrer Tochter die Stadt besuchte. Die Tochter war unter den 29 Verletzten. Der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Maciej Wewiór, sagte, das Konsulat in Berlin stehe in Kontakt mit den deutschen Behörden und werde der Familie die notwendige Unterstützung zukommen lassen.
Wir sind schockiert und zutiefst traurig zu erfahren, dass das Opfer des tragischen Anschlags in Berlin eine polnische Staatsbürgerin war. Wir sprechen der Familie und den Angehörigen der Verstorbenen unser tiefstes Beileid aus.
Wegner sprach dem polnischen Geschäftsträger Jan Tombiński sein Beileid aus und sagte, der Anschlag habe ihn zutiefst bewegt und seine Gedanken seien bei der Tochter und der Familie der ermordeten Frau.
Der Angreifer und seine Radikalisierung
Der Verdächtige, identifiziert als der 21-jährige Abdul B., war ein in Deutschland geborener Mann libanesischer Herkunft und ein bekannter Sympathisant des Islamischen Staates. Er wurde am Sonntag bei einem Polizeieinsatz in Kleingärten im Berliner Bezirk Spandau erschossen. Seit Samstagnacht war eine großangelegte Fahndung mit Spezialeinheiten, Hubschraubern und Streifen im Gange.
Abdul B. hatte eine Vorgeschichte der Radikalisierung. 2024 veröffentlichte er verbotene IS-Propaganda auf Instagram. Im Mai 2025 reiste er in den Libanon mit der Absicht, nach Syrien zu gelangen und sich dem IS anzuschließen, wurde jedoch festgenommen und verbrachte drei Monate in Haft dort. Zurück in Berlin wurde er im Mai 2026 nach Jugendrecht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Auflagen der Bewährungsstrafe wurden nicht vollständig offengelegt. Sein Vater Tawfik B. sagte dem Spiegel, sein Sohn sei „gehirngewaschen“ worden und beschrieb ihn als großzügig und liebevoll, sagte aber, sie hätten sich wegen seines Bartes und seiner Haare gestritten, die der Vater als Zeichen des Extremismus ansah. Der Vater, ein Schiit aus dem Südlibanon, bestand darauf, dass die Familie den IS nicht unterstütze, obwohl er einräumte, dass sein Sohn „Sunniten liebte“.
Politische Folgen
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, die Wahl der Pride-Parade als Ziel sei kein Zufall gewesen. Er nannte es einen Angriff auf Freiheit und liberale Werte, nicht nur auf die queere Gemeinschaft. In einer Rede in Berlin sagte Merz, es sei zu früh, um politische Konsequenzen zu nennen, aber die Regierung werde mit Besonnenheit und Entschlossenheit reagieren müssen. Der Anschlag wurde bei einer Sitzung der CDU-Parteispitze besprochen.
Es war nicht nur ein Angriff auf die queere Gemeinschaft; es war ein Angriff auf unsere Freiheit, ein Angriff auf unsere freie Gesellschaft.
Berlins Bürgermeister Wegner sagte, der terroristische Anschlag sei aus Hass motiviert gewesen und rief zu mehr Zusammenarbeit und Solidarität auf.
Gedenkfeier
Eine Gedenkfeier für das Opfer ist für Dienstag um 15:00 Uhr vor dem Brandenburger Tor geplant.
- Abdul B. veröffentlicht IS-Propaganda auf Instagram
- Reist in den Libanon, wird festgenommen beim Versuch, Syrien zu erreichen und dem IS beizutreten
- Nach Jugendrecht zu 1 Jahr 10 Monaten auf Bewährung verurteilt wegen Vorbereitung einer schweren Gewalttat
- Lieferwagen rammt Menschenmenge bei Berliner CSD-Parade; 1 Tote, 29 Verletzte
- Verdächtiger von Polizei in Spandauer Kleingärten erschossen
- Opfer als 65-jährige Polin bestätigt
- Gedenkfeier für das Opfer am Brandenburger Tor

