
PNL-Rebellen in Rumänien ziehen gegen Parteitagsbeschlüsse vor Gericht – Führung wirft ihnen 'Sabotage' vor
Vier neue Klagen beim Bukarester Tribunal zielen darauf ab, die Beschlüsse des außerordentlichen Parteitags vom 21. Juni auszusetzen und für nichtig zu erklären – eine Eskalation im Flügelkampf, der die wichtigste Mitte-rechts-Kraft schwächen könnte.
Was der Parteitag beschloss
Am 21. Juni bekräftigte der außerordentliche PNL-Parteitag die Weigerung der Partei, eine Regierung mit der PSD zu bilden, und führte eine Klausel ein, die jedes Mitglied ausschließt, das eine solche Koalition unterstützt oder dafür gestimmt hat. Derselbe Parteitag wählte ein neues Führungsteam unter Präsident Ilie Bolojan, erster Vizepräsident, Generalsekretär Dan Motreanu und acht Vizepräsidenten auf der Grundlage des Antrags „Modernizare cu rădăcini“. Zwei Tage zuvor hatte ein außerordentlicher Nationalrat die verfahrensrechtlichen Grundlagen geschaffen.
Die juristische Offensive
Dissidenten unter Führung der früheren Minister Adrian Veștea, Rareș Bogdan, Lucian Bode, Hubert Thuma und der Senatorin Alina Gorghiu haben am 26. Juni nach Angaben des Gerichtsportals vier Klagen beim Bukarester Tribunal eingereicht. Zwei der Klagen sind Eilanträge („ordonanță președințială“), mit denen die Richter die Wirkungen des Parteitags vorläufig aussetzen sollen. Die anderen beiden zielen auf die vollständige Nichtigerklärung der Parteitagsbeschlüsse ab, einschließlich der Ausschlussklausel, der Führungswahl und der Verabschiedung des neuen Parteistatuts.
- Das PNL-Politische Büro weist die parlamentarischen Gruppen an, eine PSD-Regierung nicht zu unterstützen.
- Das Tribunal Ilfov setzt den Beschluss des Politischen Büros vom 15. Juni auf Antrag von Dissidenten schnell aus.
- Der außerordentliche Nationalrat tritt zusammen und schafft die verfahrensrechtliche Grundlage für den Parteitag.
- Der außerordentliche Parteitag verabschiedet die Anti-PSD-Klausel und wählt eine neue Führung unter Ilie Bolojan.
- Dissidenten reichen vier neue Klagen beim Bukarester Tribunal ein, um die Aussetzung und Nichtigerklärung der Parteitagsbeschlüsse zu erreichen.
Das zentrale rechtliche Argument ist, dass der Parteitag auf der Grundlage eines Statutsentwurfs handelte, der noch nicht in Kraft getreten war. Nach dem Gesetz 14/2003 müssen Satzungsänderungen vom Gericht genehmigt und im Amtsblatt veröffentlicht werden, bevor sie Rechtswirkungen entfalten. Die Dissidenten behaupten, dass der Entwurf dem Tribunal am 21. Juni noch nicht einmal mitgeteilt worden sei, sodass das Statut von 2025 das einzig gültige sei. Sie bestreiten auch die Einberufung selbst und argumentieren, dass keine echte Dringlichkeit einen außerordentlichen Parteitag gerechtfertigt habe.
Die Antwort der Partei
In einer am Samstag veröffentlichten Pressemitteilung äußerte die PNL „tiefe Besorgnis“ über die Behandlung eines früheren Falles beim Tribunal Ilfov, wo Dissidenten bereits eine schnelle Aussetzung eines Beschlusses des Politischen Büros vom 15. Juni erwirkt hatten. Die Partei sagt, ihre Anwälte hätten zehn Tage nach der Entscheidung immer noch keinen Zugang zu den Akten des Falles.
In einem Fall mit großer politischer Tragweite hat das Gericht eine Entscheidung in extrem kurzer Zeit getroffen. Zehn Tage später haben die Anwälte der PNL immer noch keinen Zugang zu den Akten erhalten und konnten die Dokumente, auf denen die Entscheidung beruhte, nicht einsehen. Das effektive Recht auf Verteidigung ist schwerwiegend beeinträchtigt, und der Mangel an Transparenz wirft ernste Fragen hinsichtlich der Achtung der grundlegenden Prinzipien eines fairen Verfahrens auf.
Dieselbe Erklärung bezeichnet die Dissidenten als „Putschisten“, die, nachdem sie bei der internen Abstimmung klar verloren hätten, nun vor Gericht zu bekommen versuchten, was sie im demokratischen Wettbewerb der Partei nicht erreicht hätten. Sie warnt davor, dass jede neue Klage darauf abziele, die PNL zu diskreditieren und den politischen Gegnern der Partei zu dienen.
Größere Zusammenhänge
Die internen Machtkämpfe riskieren, die wichtigste Mitte-rechts-Partei Rumäniens in einem Moment zu destabilisieren, in dem die Koalitionspolitik im Fluss ist. Die auf dem Parteitag verabschiedete und nun juristisch angefochtene Anti-PSD-Linie könnte die parlamentarischen Kräfteverhältnisse neu ordnen, wenn sie gekippt wird. Für die Bukarester Fälle wurde noch kein Verhandlungstermin angesetzt, während die parallelen Verfahren in Ilfov weiterhin Kritik wegen Schnelligkeit und Intransparenz auf sich ziehen.

