
Ungarns Ex-Außenminister Szijjártó verlässt Parlament für BYD-Rolle, die er subventionierte – Premier Magyar greift an
Der frühere ungarische Außenminister Péter Szijjártó gab am Mittwoch seinen Rücktritt aus dem Parlament bekannt, um eine Führungsposition beim chinesischen E-Auto-Hersteller BYD zu übernehmen – demselben Unternehmen, das er als Minister mit Hunderten Millionen Euro an Staatshilfen umworben hatte. Der neue pro-europäische Ministerpräsident Péter Magyar warf ihm vor, lange Zeit ausländische Interessen auf Kosten der ungarischen Steuerzahler bedient zu haben.
Ein plötzlicher Abgang
Péter Szijjártó, der von 2014 bis zum Regierungswechsel im Mai 2026 ungarischer Außenminister war, gab am Mittwoch seinen Rücktritt von seinem Parlamentssitz bekannt. Der 47-Jährige postete auf Facebook, er habe von BYD, dem weltgrößten Hersteller von Elektrofahrzeugen, „ein äußerst prestigeträchtiges Angebot“ für eine leitende internationale Position erhalten. Er wird für die Außenbeziehungen des Konzerns und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder verantwortlich sein. Szijjártó vertrat Fidesz seit 2002 im Parlament und war während seiner gesamten politischen Karriere ein enger Verbündeter von Viktor Orbán.
Die Subventionsspur
Der Schritt hat sofort Kritik ausgelöst, da Szijjártó als Außen- und Handelsminister BYD persönlich umworben und große Summen öffentlicher Gelder an das Unternehmen gelenkt hatte. Im Dezember 2023 kündigte er an, dass BYD sein erstes europäisches Autowerk in Szeged bauen werde, und erklärte später gegenüber Reportern, die Entscheidung sei nach 224 Verhandlungsrunden zwischen der Regierung und der chinesischen Firma gefallen. Der ungarische Staat gewährte Subventionen; die investigative Website Atlatszo schätzt, dass allein das Werk zwischen 120 und 130 Milliarden Forint (334–362 Millionen Euro) erhalten habe. Ein separates Darlehen in Höhe von 20 Milliarden Forint (55 Millionen Euro) wurde im Mai 2025 für ein Forschungs-, Entwicklungs- und Unternehmenszentrum in Budapest bewilligt, in einem von Szijjártó und BYD-Vizepräsidentin Stella Li unterzeichneten Vertrag. Insgesamt beläuft sich die direkte Hilfe auf rund 390 Millionen Euro.
- Werk Szeged
- 334 Millionen Euro
- Forschungszentrum Budapest
- 55 Millionen Euro
Magyars scharfe Rüge
Ministerpräsident Péter Magyar, dessen Partei TISZA Fidesz bei der Parlamentswahl im April 2026 abgelöst hatte, nutzte Szijjártós Karrierewechsel, um seine Anti-Korruptionsbotschaft zu untermauern. Auf Facebook schrieb er, der ehemalige Minister „habe lange ausländische Interessen vertreten“ und sich für „massive staatliche Subventionen“ für BYD eingesetzt. Der Ministerpräsident sagte, der einzige Unterschied sei nun, dass Szijjártó „für dieselbe ‚Arbeit‘ nicht mehr vom ungarischen Volk bezahlt wird, sondern von seinem wahren Arbeitgeber“. Magyar verknüpfte den Rücktritt auch mit dem, was er als beschleunigte Auflösung der alten Garde von Fidesz bezeichnete.
Der einzige Unterschied ist, dass Péter Szijjártó von nun an für dieselbe 'Arbeit' nicht mehr vom ungarischen Volk bezahlt wird, sondern von seinem wahren Arbeitgeber.
Orbáns Segen und Szijjártós Bilanz
Viktor Orbán, derzeit in den Vereinigten Staaten, gratulierte seinem ehemaligen Schützling auf Facebook – eine Geste, die die anhaltenden persönlichen Bindungen innerhalb der gestürzten Partei unterstrich. Seit der Niederlage von Fidesz hatte Szijjártó ein niedriges Profil bewahrt, die meisten Parlamentsabstimmungen verpasst und sich selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Sein ministerielles Vermächtnis reicht jedoch über die BYD-Deals hinaus. Im März 2026 enthüllte ein internationales Konsortium investigativer Journalisten, dass Szijjártó während der EU-Sanktionsdebatten wiederholt den russischen Außenminister Sergej Lawrow kontaktiert und ihm Informationen aus vertraulichen Sitzungen weitergegeben hatte. Er erhielt zudem eine staatliche Auszeichnung von Wladimir Putin.
Der BYD-Fußabdruck in Ungarn
Das BYD-Werk in Szeged, dessen Bau 2024 begann, soll voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres mit der Fahrzeugmontage beginnen. Das Unternehmen positioniert Ungarn als sein wichtigstes europäisches Fertigungszentrum; es verlegte seine regionale Zentrale und sein Forschungszentrum im Rahmen des Pakets, das Szijjártó mitverhandelt hatte, von den Niederlanden nach Budapest. Während seiner Amtszeit argumentierte er konsequent gegen EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge und sagte, sie würden europäische Verbraucher bestrafen. Der Wechsel vom Minister zum Manager ist ein besonders krasses Beispiel für den Drehtür-Effekt zwischen Regierung und den von ihr subventionierten Unternehmen.
- BYD kündigt Werk in Szeged nach 224 Verhandlungsrunden mit Szijjártó an
- Baubeginn des Werks in Szeged
- Szijjártó und BYD-Vizepräsidentin Stella Li unterzeichnen Vertrag für Forschungs- und Unternehmenszentrum in Budapest
- Orbáns Fidesz verliert die Wahl; Péter Magyar wird Ministerpräsident
- Szijjártó tritt aus dem Parlament zurück und wechselt zu BYD als Führungskraft


