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Diplomatie·vor 1 Std.

Armeniens pro-westlicher Ministerpräsident gewinnt Wiederwahl mit 49,8 %, kündigt Fortsetzung der Abkehr von Moskau trotz russischer Desinformationskampagne an

Die Partei „Zivilvertrag“ von Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat mit 49,81 Prozent der Stimmen eine parlamentarische Mehrheit errungen und drei prorussische Oppositionsblöcke besiegt. Die Wahl war von Desinformation und Festnahmen überschattet.

Deutlicher Sieg für die Regierungspartei

Die armenische Zentrale Wahlkommission bestätigte am Montag, dass die Partei „Zivilvertrag“ von Ministerpräsident Nikol Paschinjan die Parlamentswahl vom 7. Juni mit 49,81 Prozent der Stimmen gewonnen hat und 61 der 105 Sitze in der Nationalversammlung erhält. Das Bündnis „Starkes Armenien“ unter Führung des russisch-armenischen Milliardärs Samwel Karapetjan belegte mit 23,29 Prozent den zweiten Platz, während der Block „Armenien“ des ehemaligen Präsidenten Robert Kotscharjan 9,94 Prozent erzielte. Auch die Partei „Blühendes Armenien“ zog mit 4 Prozent ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,97 Prozent; fast 1,5 Millionen der 2,5 Millionen Wahlberechtigten des Landes gaben ihre Stimme ab.

Dies ist ein historischer Sieg. Das bedeutet, dass die Bürger Armeniens auf der Seite des Staates, der Unabhängigkeit, der Zukunft und des Friedens stehen.

Paschinjan erklärte bereits am Wahlabend seinen Sieg, als erst Teilergebnisse vorlagen, was Kritik von seinen Gegnern hervorrief, die ihm vorwarfen, die Zentrale Wahlkommission unter Druck setzen zu wollen. Das Ergebnis verschafft dem „Zivilvertrag“ eine komfortable Einparteien-Mehrheit, bleibt aber hinter der für Verfassungsänderungen erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit zurück – eine zentrale Forderung Aserbaidschans für den Abschluss des Friedensprozesses.

Eine geopolitische Abkehr von Moskau

Die Wahl wurde weithin als Referendum über Paschinjans pro-westliche Außenpolitik und seine Bemühungen gewertet, Armeniens Abhängigkeit von Russland, seinem traditionellen Sicherheitsgaranten, zu verringern. Das Verhältnis zerrüttete sich nach der militärischen Übernahme Bergkarabachs durch Aserbaidschan im Jahr 2023, als die in der Region stationierten russischen Friedenstruppen nicht eingriffen, um eine armenische Niederlage zu verhindern. Eriwan hat seitdem seine Teilnahme an der von Russland geführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) ausgesetzt, den Abzug einiger russischer Streitkräfte erzwungen und das Römische Statut ratifiziert, das es verpflichtet, Wladimir Putin im Falle eines Besuchs festzunehmen.

Es scheint, dass die Menschen trotz starken Drucks aus Russland immer noch eine europäische Zukunft wählen, was eine gute Sache ist.

Alle drei Oppositionsparteien, die ins Parlament eingezogen sind, befürworten engere Beziehungen zu Moskau und kritisieren Paschinjan für Zugeständnisse an Aserbaidschan. Paschinjan bezeichnete sie im Wahlkampf als „dreiköpfige Kriegspartei“ und „kriminell-oligarchische Gruppe“ und drohte, ihre Führer würden vor Gericht gestellt und inhaftiert.

Russische Einmischung und Wahlspannungen

Der Wahlkampf fand in einem hochgradig polarisierten Klima statt. Westliche Geheimdienstkreise, auf die sich Reuters berief, berichteten, dass Moskau über soziale Medien und prorussische Kanäle eine massive Desinformationskampagne gegen Paschinjan durchführte. Die armenischen Behörden nahmen Dutzende von Menschen fest, darunter Personen mit Verbindungen zu Oppositionsparteien, wegen des Verdachts auf Stimmenkauf und andere Wahlvergehen. Das Ermittlungskomitee leitete 59 Strafverfahren ein und nahm bis zum Ende der Wahllokale neun Personen fest, während das Innenministerium Dutzende von Verstößen und 18 Festnahmen meldete. Oppositionsvertreter bezeichneten die Festnahmen als politische Repression.

Ergebnisse der armenischen Parlamentswahl, Juni 2026 · %
Zivilvertrag
49.81 %
Starkes Armenien
23.29 %
Block Armenien
9.94 %
Blühendes Armenien
4 %

Internationale Reaktionen und nächste Schritte

Frankreich und die Europäische Union gratulierten Paschinjan, der auch im Vorfeld der Wahl Unterstützung von den Vereinigten Staaten erhalten hatte. Der Ministerpräsident erklärte, er werde Armeniens Kurs der Annäherung an den Westen fortsetzen, während die Mitgliedschaft in der von Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion bestehen bleibe. Er äußerte die Hoffnung, dass die Ergebnisse von der Türkei und Aserbaidschan positiv aufgenommen würden, und verwies auf die Notwendigkeit, den Frieden nach dem Konflikt um Bergkarabach zu festigen. Paschinjan, der seit 2018 im Amt ist, wird damit voraussichtlich der am längsten amtierende Ministerpräsident in der Geschichte Armeniens.

Eriwan

8 Quellen

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