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Diplomatie·vor 2 Std.

Papst Leo XIV. eröffnet Spanienbesuch mit Aufruf, ‚sterile Vereinfachungen‘ abzulehnen und das Völkerrecht zu wahren

Papst Leo XIV. begann am Samstag einen einwöchigen Besuch in Spanien mit einer pointierten Verteidigung des Multilateralismus und einer Warnung vor den ‚sterilen Vereinfachungen‘ des Populismus – ein impliziter Kontrast zur Politik von US-Präsident Donald Trump.

Königlicher Empfang und Aufruf zur Komplexität

Papst Leo XIV. wurde am Flughafen Madrid-Barajas von König Felipe VI. und Königin Letizia empfangen, bevor er durch die von Schaulustigen gesäumten Straßen zum Königspalast gefahren wurde. Dort dankte er bei einem Empfang für Politiker, Diplomaten und Vertreter der Zivilgesellschaft Spanien für seine ‚treue Einhaltung des Völkerrechts und des Multilateralismus‘, die sich in einem ‚aktiven Engagement für Frieden und Solidarität‘ widerspiegele. Der 70-jährige Pontifex, der seit Mai letzten Jahres die 1,4 Milliarden Katholiken der Welt führt, beklagte, dass ‚die Friedensbotschaft in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt‘.

Wir müssen von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität gelangen.

Er bezeichnete dies als besondere Berufung Europas und argumentierte, dass Gesellschaften ‚jenen identitären Ansätzen entkommen müssen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern‘. Der Papst berief sich auch auf Spaniens Geschichte des Zusammenlebens von Christen, Muslimen und Juden auf der Iberischen Halbinsel und erklärte, dass ‚nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft‘.

Ein versteckter Seitenhieb auf Trump

Ohne ihn direkt zu nennen, wurden die Äußerungen des Papstes weithin als Kritik an Donald Trump interpretiert. Der US-Präsident ist wiederholt mit Leo XIV. über die Außenpolitik aneinandergeraten, insbesondere über den Iran-Konflikt. In seiner Osterbotschaft sagte der Papst, Christen könnten nicht auf der Seite derer stehen, die ‚heute Bomben abwerfen‘. Trump antwortete, der Pontifex sei ‚schwach und schrecklich in der Außenpolitik‘, und veröffentlichte ein Bild, das ihn selbst als Jesus darstellt.

Der Papst ist schwach und schrecklich in der Außenpolitik.

Auch die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez hat Trumps Zorn auf sich gezogen. Sánchez untersagte dem US-Militär die Nutzung spanischer Stützpunkte für Angriffe auf den Iran und bezeichnete Israels Vorgehen in Gaza wiederholt als ‚Völkermord‘. Die Übereinstimmung zwischen dem Vatikan und Madrid in diesen Fragen machte den Besuch zu einem symbolischen Treffen zweier der prominentesten Kritiker Trumps.

Der Ukraine-Krieg und die Wunden des Missbrauchs

Auf dem Flug nach Madrid erneuerte der Papst seinen Aufruf zur Beendigung des Krieges in der Ukraine, der nun im vierten Jahr tobt. ‚Wir müssen wirklich darauf drängen, dass die Gewalt endet‘, sagte er Reportern an Bord der päpstlichen Maschine, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. ‚Die Situation wird immer schlimmer. Viereinhalb Jahre sind vergangen. Eine Lösung muss gefunden werden.‘

Die Situation wird immer schlimmer. Viereinhalb Jahre sind vergangen. Eine Lösung muss gefunden werden.

Der Besuch befasst sich auch mit der anhaltenden Krise des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. König Felipe VI. lobte die ‚Klarheit und Entschlossenheit‘ des Papstes in dieser Frage und bezeichnete sie als wesentlich ‚für den Prozess der Heilung und Wiedergutmachung‘. Der Vatikan bestätigte, dass Leo XIV. während der Reise mit Missbrauchsopfern zusammentreffen wird – eine langjährige Forderung von Opfergruppen. Der Papst selbst bezeichnete die Skandale als eine ‚noch offene Wunde‘ der Kirche. Im März einigten sich die spanische Regierung und die Kirche auf eine Entschädigung der Opfer, nachdem ein Kommissionsbericht von mehr als 200.000 Opfern seit 1940 ausgegangen war.

Eine Pilgerreise durch Spanien

Unter dem Motto ‚Erhebe deinen Blick‘ erstreckt sich das Programm des Papstes über Madrid hinaus bis nach Barcelona und auf die Kanarischen Inseln. Am Mittwoch, dem 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí, wird er den Jesus-Turm der Basilika Sagrada Família segnen. Außerdem ist ein Treffen mit afrikanischen Migranten auf den Kanarischen Inseln geplant – eine Geste, die als Statement zur Flüchtlingsfrage verstanden wird. In Madrid wird am Samstagabend ein Gebetswache mit Jugendlichen auf der Plaza de Lima erwartet, an der mehr als 100.000 Menschen teilnehmen sollen. Die Behörden haben über 14.000 Polizisten für die Sicherheit eingesetzt.

Reiseplan von Papst Leo XIV. in Spanien
  1. Papst landet am Flughafen Madrid-Barajas, begrüßt von König Felipe VI. und Königin Letizia.
  2. Empfang im Königspalast; Rede vor Politikern, Diplomaten und der Zivilgesellschaft.
  3. Gebetswache mit Jugendlichen auf der Plaza de Lima, Madrid (über 100.000 erwartet).
  4. Segnung des Jesus-Turms der Sagrada Família in Barcelona zum 100. Todestag von Gaudí.
  5. Besuch der Kanarischen Inseln; Treffen mit afrikanischen Migranten.

Für den in Amerika geborenen Papst ist dies der erste Besuch in einem größeren europäischen Land außerhalb Italiens, nach nur einem halbtägigen Zwischenstopp in Monaco. Sein fließendes Spanisch, das er während seiner Jahre als Missionar und Bischof in Peru verfeinerte, hat ihm in dem überwiegend katholischen Land beträchtliche Sympathien eingebracht.

Madrid · Barcelona

8 Quellen

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