
Papst Leo XIV. fordert in erster Enzyklika die „Entwaffnung“ Künstlicher Intelligenz – Lob von US-Vizepräsident JD Vance
Papst Leo XIV. hat in seiner ersten päpstlichen Enzyklika einen umfassenden Aufruf zur „Entwaffnung“ Künstlicher Intelligenz veröffentlicht, vor ihrer Machtkonzentration und ihrem Einsatz in der Kriegsführung gewarnt, während US-Vizepräsident JD Vance das Dokument als „tiefgründig“ lobte.
Papst Leo XIV. hat mit der Veröffentlichung seiner ersten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ (Erhabene Menschlichkeit) am 25. Mai die Künstliche Intelligenz ins Zentrum seines Pontifikats gerückt. Das wegweisende Dokument fordert die „Entwaffnung“ der KI durch neue Regulierungen und argumentiert, dass die Aufsicht nicht einer Handvoll privater Technologieunternehmen überlassen werden dürfe. In einer Abkehr von der Tradition stellte der in Chicago geborene Papst die 83-seitige Enzyklika persönlich im Vatikan gemeinsam mit KI-Experten vor, darunter Anthropic-Mitbegründer Chris Olah.
Ein moralischer Appell zur Entwaffnung der Technologie
Die Enzyklika beschreibt KI nicht bloß als technisches Werkzeug, sondern als unsichtbare Infrastruktur, die das tägliche Leben, die Arbeit und kollektive Entscheidungen prägt. Papst Leo XIV. beruft sich auf die Enzyklika „Rerum Novarum“ von 1891 über Arbeit und Industriekapitalismus und überträgt deren Soziallehre ins digitale Zeitalter. Das zentrale Konzept ist die „Entwaffnung der Technologie“ – zu verhindern, dass KI zu einer Form von Macht wird, die die menschliche Existenz beherrscht. Der Papst warnt: „Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse bestimmen und wirtschaftliche Dynamiken beeinflussen.“
Nie zuvor hatte die Menschheit so viel Macht über sich selbst.
Kriegsführung und autonome Waffen
Ein bedeutender Teil der Enzyklika befasst sich mit der Militarisierung der KI. Der Papst kritisiert „ein Wettrennen um den leistungsstärksten Algorithmus und die größte Datenbank“ zur Erlangung eines „geopolitischen oder kommerziellen Vorteils“. Er stellt fest, dass KI-gestützte autonome Waffensysteme Kriege „durchführbarer“ gemacht hätten. Das Dokument betont, dass Technologie nicht als moralisch neutral betrachtet werden könne, selbst wenn sie weder „eine menschenfeindliche Kraft“ noch „das Böse“ sei.
Lob aus Washington
US-Vizepräsident JD Vance begrüßte die Enzyklika in einem Interview mit NBC News, nannte sie „sehr tiefgründig“ und „genau die Art von Stellungnahme, die man von einem Kirchenführer erwartet und erhofft“. Vance, der 2019 zum Katholizismus konvertierte und zuvor als Risikokapitalgeber mit engen Verbindungen zur Technologiebranche tätig war, sagte, der in Amerika geborene Papst zeige „moralische Führungsstärke“ in einer zukunftsweisenden Frage. Das Lob steht im Gegensatz zu Präsident Donald Trumps jüngster scharfer Kritik am Papst wegen dessen Friedensappellen während des Iran-Krieges.
Was ich davon gelesen habe, klingt sehr tiefgründig.
Resonanz und Debatte
Die Enzyklika hat sofort eine Debatte ausgelöst. Der deutsche Digitalminister Wildberger forderte als Reaktion „ethische KI“, während die Theologin und Philosophin Claudia Paganini eine gemischte Bewertung abgab. Sie lobte des Papstes „großartiges Gespür für soziale Gerechtigkeit“, insbesondere seine Aufmerksamkeit für Klickarbeiter in ärmeren Ländern, die als billige Arbeitskräfte KI-Systeme füttern. Sie merkte jedoch an, dass die Verankerung der Argumente in der christlichen Sozialethik die Anschlussfähigkeit des Dokuments an Debatten außerhalb der katholischen Kirche einschränke und dass Fragen der konkreten Verantwortung und Umsetzung offen blieben.
Jeder drückt sich irgendwie vor der Verantwortung. KI ist ein Thema, bei dem wir endlich konkret festlegen müssen: Wer ist wofür verantwortlich und wer soll was tun?
Das Markenzeichen eines neuen Pontifikats
Die Enzyklika, die über 100 Seiten umfasst, gilt als das programmatische Statement des Pontifikats von Leo XIV. So wie sein Vorgänger Papst Franziskus 2015 in „Laudato Si'“ den Klimawandel thematisierte, hat Leo XIV. die Künstliche Intelligenz als die prägende Herausforderung seiner Ära gewählt. Das Dokument fordert, dass KI der Menschheit dienen solle und nicht der Macht der Wenigen, und verlangt eine breitere gesellschaftliche Kontrolle über die Technologie.
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