
Papst Leo XIV fordert in Rimini-Rede Vorrang für Menschen vor Grenzen und Institutionen
Vor 5.000 Teilnehmern des Treffens für die Freundschaft unter den Völkern in Italien forderte Papst Leo XIV die Abschaffung ungerechter Machtdynamiken und lehnte die Logik der militärischen Aufrüstung ab.
Rede in Rimini
Papst Leo XIV wandte sich am Samstag, den 22. August 2026, an ein Publikum von rund 5.000 Teilnehmern beim Treffen für die Freundschaft unter den Völkern in Rimini, Mittelitalien. In seiner Rede vor der internationalen Versammlung forderte der Pontifex die Teilnehmer auf, sich auf die grundlegenden Bande zu konzentrieren, die Menschen über kulturelle Trennungen und politische Spaltungen hinweg vereinen. Er erklärte, dass echter Dialog und persönliche Begegnung Vorrang vor formalen politischen Strukturen haben müssten. In seinen Ausführungen stellte der Papst fest, dass Frieden von Menschen bewahrt und verbreitet werde, die aktiv Zusammenkunft suchten und keine Angst vor direkten Gesprächen mit anderen hätten. Er betonte, dass menschliche Verbindung Empathie und gegenseitiges Verständnis über nationale Grenzen hinweg ermögliche.
Wir können uns miteinander identifizieren, einander zuhören und Freunde werden, zwischen Menschen und folglich auch zwischen Völkern. Vor Grenzen, Definitionen und Institutionen stehen immer die Menschen.
Der Realismus der Barmherzigkeit
Der Papst wandte sich gegen die zunehmende globale Feindseligkeit, indem er vor der Logik der Konfrontation und Vergeltung warnte. Er stellte fest, dass die Nachfolge Jesu Christi nach den Tragödien des 20. Jahrhunderts eine klare Erkenntnis erfordere: Das Böse kann nicht mit dem Bösen bekämpft werden. Papst Leo XIV stellte einen von ihm als falsch bezeichneten Realismus in Frage, der derzeit weltweit Geister, Worte und Nationen wieder aufrüstet. Als Antwort auf diese Haltung argumentierte er, dass die katholische Kultur einen alternativen Rahmen vorantreiben müsse, der auf Versöhnung statt Feindseligkeit beruhe. Nach diesem Ansatz dürften Gegner nicht als dauerhafte Feinde behandelt werden, sondern als Brüder und Schwestern, mit denen die Wahrheit gesucht werden müsse.
Die Nachfolge Jesu Christi nach den Tragödien und den Neuanfängen des 20. Jahrhunderts bedeutet in der Tat eine klare Erkenntnis: Das Böse wird nicht mit dem Bösen bekämpft.
Reform von Machtstrukturen und Technologie
Papst Leo XIV rief zu einer umfassenden Prüfung und Reinigung der täglichen Gewohnheiten, wirtschaftlichen Interessen und sozialen Institutionen auf, die von dem, was er als Machtkultur bezeichnete, beeinflusst sind. Er forderte die Teilnehmer auf, ungerechte Machtdynamiken in ihren eigenen Arbeitsplätzen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in Frage zu stellen, und brachte diese Ungleichgewichte direkt mit Armut, Ungleichheit, Krieg und Umweltzerstörung in Verbindung. Die Rede skizzierte eine Reihe von institutionellen Reformen, die im öffentlichen Leben notwendig seien, und plädierte für ein Zusammenleben frei von Misstrauen, eine Kultur frei von Arroganz und eine Bildung frei von ideologischen Zwängen. Darüber hinaus forderte der Papst, dass wirtschaftliche und finanzielle Aktivitäten von der Götzenanbetung des Profits und des Todesgeschäfts befreit werden. Er sprach sich auch gezielt gegen die unkontrollierte Ausbreitung zerstörerischer technologischer Werkzeuge aus und forderte, technologische Entwicklungen zu entwaffnen, wenn sie allgegenwärtig und schädlich werden.
Eine Wahl zwischen zwei Wegen
Im abschließenden Teil seiner Rede rief der Papst das Publikum dazu auf, weit verbreitete Gefühle von Müdigkeit und Pessimismus gegenüber globalen Entwicklungen zurückzuweisen. Er forderte die Gemeinschaften auf, aktive Hoffnung zu pflegen, anstatt zuzulassen, dass Resignation den Weg künftiger Generationen bestimmt. Laut Papst Leo XIV steht die Gesellschaft vor einer grundlegenden Wahl zwischen zwei sich gegenseitig ausschließenden Entwicklungslinien im öffentlichen und geistlichen Leben. Der eine Weg nutzt Spaltung, Entfremdung und Verzweiflung für enge Interessen, während der andere sich dem Dienst am Reich Gottes und der Gerechtigkeit widmet. Er appellierte an die Zuhörer, aktiv konstruktive Träume und gemeinsame Visionen für internationale Zusammenarbeit wiederzubeleben, anstatt die gesellschaftliche Verzweiflung anzuheizen.
Es soll nicht nur die geben, die das Feuer der Müdigkeit und Verzweiflung schüren; es soll auch die geben, die Träume und Visionen wiederbeleben!


