
Linken-Co-Chef Pantisano verteidigt im ZDF-Sommerinterview Berliner Wohnungsenteignung und Autofabrik-Vergesellschaftung
Der Linken-Co-Vorsitzende Luigi Pantisano nutzte sein erstes ZDF-Sommerinterview, um die Enteignung Berliner Wohnungskonzerne und die Vergesellschaftung bedrohter Autofabriken zu verteidigen, während er seinen früheren Vergleich der CDU mit Faschisten zurücknahm.
Gesprächssetting und Auftakt
Luigi Pantisano, der gemeinsam mit Ines Schwerdtner die Linke führt, gab am Sonntagabend sein erstes ZDF-Sommerinterview als Parteichef, aufgezeichnet im Freien in Stuttgart, der Stadt, in der er im Wahlkreis Stuttgart I für den Bundestag kandidierte. Der 37-Jährige, geboren im nahegelegenen Waiblingen als Sohn italienischer Einwanderer aus Kalabrien, wurde von ZDF-Hauptstadtstudioleiterin Diana Zimmermann befragt. Das Gespräch drehte sich um Wohnungsbau, Industriepolitik, Verteidigungsausgaben, die Ukraine und eine frühere Kontroverse um Äußerungen, in denen er die CDU mit Faschisten verglich.
Wohnungsbau und Enteignung
Pantisano machte die Enteignung großer Berliner Wohnungskonzerne zu einem zentralen Thema und kam immer wieder darauf zurück, selbst als Zimmermann nach anderen Themen fragte. Er berief sich auf das Berliner Referendum von 2021, bei dem 57,6 % der Wähler für die Enteignung großer privater Vermieter stimmten, und nannte es einen Auftrag, den die Partei in Koalitionsverhandlungen einbringe. Zimmermann entgegnete, er habe dafür wohl keine Mehrheit. Pantisano sagte, die Partei werde zunächst für ein starkes Wahlergebnis kämpfen und strebe an, den regierenden Bürgermeister von Berlin zu stellen, und fügte hinzu, Berliner sollten nicht einen halben Monat für die Aktionäre von Vonovia arbeiten müssen.
Er nannte Wien als sein urbanes Vorbild, wo etwa zwei Drittel der Wohnungen der Stadt gehören, verglichen mit rund 10 % in Stuttgart.
- Wien
- 66.7 %
- Stuttgart
- 10 %
- Einnahmen
- 1290 Mio. €
- Verlust
- -78 Mio. €
Industriepolitik und Verteidigung
Um Arbeitsplätze zu sichern, schlug Pantisano vor, bedrohte Autofabriken in öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum zu überführen, und argumentierte, dass Arbeitnehmer stärker in Unternehmensentscheidungen eingebunden werden sollten und die Krise der Branche teilweise auf Managementfehler zurückgehe. Als Zimmermann fragte, ob staatliche Autofabriken erfolgreicher wären, sagte Pantisano, das Wissen und die Erfahrung der Arbeiter sollten mehr Gewicht haben. Zu den Verteidigungsausgaben behauptete er, dass etwa jeder dritte Euro des Bundeshaushalts in Rüstung fließe, und forderte geringere Militärausgaben.
Ukraine und die CDU-Kontroverse
Auf die Frage, ob Die Linke der Ukraine Luftabwehrsysteme liefern würde, sagte Pantisano, die Diplomatie müsse den Krieg zuerst beenden. Auf die Frage, ob Deutschland nach einem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle eine bessere Drohnenabwehr brauche, verwies er auf Experten. Zimmermann hakte auch nach zu seiner früheren Aussage, es gebe keinen Unterschied zwischen einer CDU, die faschistische Politik betreibe, der AfD und Faschisten selbst. Pantisano nannte die Bemerkung falsch und sagte, er habe seine Besorgnis darüber ausdrücken wollen, dass kein Politiker das Land von seinem Volk entfernen dürfe. SPD- und Grünen-Abgeordnete hatten den Vergleich zuvor als gefährliche Relativierung kritisiert, die typischerweise von Rechtsextremen verwendet werde.
Arbeiterappell und Wahlstrategie
Zimmermann wies darauf hin, dass bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg nur 4 % der Arbeiter Die Linke gewählt hätten. Pantisano räumte Fehler der Partei ein und sagte, sie habe in den letzten Jahren viel über Arbeiter, aber zu wenig mit ihnen gesprochen. Er äußerte sich auch zur Möglichkeit, die CDU zu unterstützen, um eine AfD-Übernahme in Sachsen-Anhalt zu verhindern, und sagte, Die Linke habe immer wieder Verantwortung übernommen, um die AfD zu blockieren. Auf die Frage, wer in Berlin mit der Linken regieren werde, da der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach die Enteignung ablehne, antwortete Pantisano, der entscheidende Koalitionspartner sei das Volk von Berlin.


