
Britische Firma beginnt Bergung eines sanktionierten russischen Tankers, während Ölteppich die Küste Omans erreicht
Ein britisches Schifffahrtsunternehmen hat mit der Bergung des sanktionierten russischen Schattentankers Caroline Bezengi vor Oman begonnen, wo ein sich über 1.400 Quadratkilometer ausbreitender Ölteppich die Küste des Landes nahe einem Meeresschutzgebiet erreicht hat.
Schiff und Reise
Die Caroline Bezengi, ein 247 Meter langer Tanker der russischen „Schattenflotte“, befand sich mit rund 800.000 Barrel russischem Rohöl (130.000 Tonnen laut IMO) an Bord, als sie am 30. Juni nahe der Insel Qabiliyah in der omanischen Region Dhofar auf Grund lief. Das Schiff steht unter Sanktionen der EU und der britischen Regierung wegen des Transports von russischem Öl. Es war im Mai (Courrier International nennt den 13. Mai, The Independent den April) aus dem Schwarzmeerhafen Noworossijsk ausgelaufen, passierte Ende Mai den Suezkanal und war auf dem Weg zu einer Raffinerie nahe Jamnagar in Indien. Am 8. Juni meldete der Tanker erstmals Schwierigkeiten vor dem Jemen, nachdem es nach Angaben von Schifffahrtskreisen zu einer offenbar Explosion gekommen war. Keine Partei hat einen Angriff für sich reklamiert, obwohl das Schiff in der Nähe zweier aktiver Konfliktgebiete navigierte: des Russland-Ukraine-Krieges und des Jemen-Konflikts mit Huthi-Milizionären.
Ölteppich erreicht Küste
Die omanische Umweltbehörde bestätigte am 12. August, dass Öl des havarierten Tankers die Küste von Ras Madrakah erreicht hatte, mehr als 200 Kilometer nördlich der Insel Qabiliyah. Die Behörden schätzen, dass sich der Ölteppich weitere 100 Kilometer nördlich bis zur Insel Masirah ausdehnen könnte. Nach Angaben der IMO tritt das Öl bereits „seit einiger Zeit“ aus. Greenpeace berichtete unter Berufung auf Satellitenbilder, dass die kontaminierte Fläche auf 1.400 Quadratkilometer angewachsen sei. Die IMO erklärte, der Ölteppich könne bis zu 40 Kilometer Küste um Ras Madrakah und bis zu 20 Kilometer auf der Südseite der Insel Masirah verschmutzen. Satellitenbilder zeigen, dass der Tanker zunehmend tiefer im Wasser liegt, und Experten haben vor einer Umweltkatastrophe gewarnt, falls das Schiff sinkt oder auseinanderbricht und seine gesamte Ladung freisetzt. Greenpeace wies darauf hin, dass der Tanker fast die dreifache Menge des Öls transportiert, das 1989 von der Exxon Valdez vor Alaska ausgelaufen war.
- Caroline Bezengi verlässt Noworossijsk mit ~800.000 Barrel russischem Rohöl
- Tanker passiert den Suezkanal
- Schiff meldet Schwierigkeiten vor dem Jemen nach einer offenbar Explosion
- Tanker läuft nahe der Insel Qabiliyah, Oman, auf Grund
- Oman bestätigt, dass Öl die Küste bei Ras Madrakah erreicht hat
- Ambrey kündigt Bergungs- und Eindämmungsoperation an
Bergungsoperation
Ambrey, ein britisches Unternehmen für maritime Risiken und Notfallmaßnahmen, gab am 13. August bekannt, dass es mit der Bergung der Caroline Bezengi beauftragt worden sei. Seine Mitarbeiter bestiegen das Schiff mit Unterstützung der omanischen Luftwaffe, um seinen Zustand zu begutachten, bevor es stabilisiert wird. Ambrey hat ein führendes internationales Unternehmen für die Bekämpfung von Ölunfällen beauftragt und Bergungsschiffe, Flugzeuge sowie ein Team von Spezialisten mit mehr als 100 Tonnen Ausrüstung eingesetzt. Das Unternehmen machte keine Angaben zur voraussichtlichen Dauer oder den Kosten der Operation.
Dies ist eine äußerst herausfordernde Situation, die durch widrige Wetterbedingungen im Zusammenhang mit dem Khareef-Monsun noch verschärft wird.
Die Khareef-Monsunzeit, die im Juli und August ihren Höhepunkt erreicht, bringt anhaltenden Nebel, kühle Nieselregen und zeitweiligen Regen in die omanische Region Dhofar, was den Zugang zum Schiff erschwert und zu Verzögerungen führt.
Umweltbedrohung
Das Meeresschutzgebiet um die Insel Qabiliyah umfasst Korallenriffe, Seegraswiesen, gefährdete Meeresschildkröten und Brutgebiete für Zugvögel. Die Gewässer sind auch die Heimat des seltenen Arabischen Buckelwals und der Sokotra-Kormorane. Die Greenpeace-Aktivistin Hanen Keskes sagte, es sei „äußerst besorgniserregend“, dass sich Öl von einer Offshore-Verschmutzung bis zur Küste ausgebreitet habe, wo es die Küstensedimente verunreinigen könne.
Dies kann die Reinigung erheblich komplexer machen als die Eindämmung auf See. Selbst nachdem der Ölteppich eingedämmt und beseitigt wurde, können die Umweltauswirkungen jahrelang anhalten.
Die abgelegene Region verfüge über keine Infrastruktur, was Bergung und Eindämmung erschwere und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erfordere, so Keskes.


