Burkhard Jung zur tödlichen Amokfahrt in Leipzig: ‚Es hat mich kalt erwischt, man kann nicht vorbereitet sein‘
Leipzigs scheidender Oberbürgermeister Burkhard Jung sagt, der Angriff vom 4. Mai, bei dem zwei Menschen starben und sechs verletzt wurden, sei ein Schock, auf den sich keine Stadt vollständig vorbereiten könne.
Der Angriff
Am 4. Mai steuerte ein 33-jähriger Mann ein Auto in eine zentrale Einkaufsstraße in Leipzig und erfasste am helllichten Tag mehrere Fußgänger. Bei der Amokfahrt wurden eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet. Sechs weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer.
Opfer und Auswirkungen auf die Gemeinschaft
Unmittelbar nach der Tat erhielten mehr als 80 Menschen – darunter Augenzeugen, Angehörige und Umstehende – psychologische Betreuung, teilte die Polizei mit. Der Angriff legte das Stadtzentrum lahm und löste bei Bewohnern und Amtsträgern in ganz Deutschland große Anteilnahme aus.
Täter und Ermittlungen
Der Fahrer wurde am Tatort festgenommen und in Gewahrsam genommen. Ein Gericht ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, bis ein vollständiges Gutachten vorliegt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordes und versuchten Mordes. Ein Motiv wurde nicht öffentlich genannt.
Oberbürgermeister Jung: „Es hat mich kalt erwischt“
Burkhard Jung, der langjährige Oberbürgermeister Leipzigs, sprach Wochen später über das Geschehene.
Er betonte, dass die Notfallprotokolle eingehalten worden seien, aber die menschlichen Folgen für Einsatzkräfte und Stadtführung seien schwerer zu bewältigen.Es hat mich kalt erwischt. Auf so etwas kann man nicht vorbereitet sein.
Jung wehrte sich zudem gegen Forderungen, Innenstädte in Festungen zu verwandeln.Man kann dafür sorgen, dass der Krisenstab funktioniert und die Feuerwehr gut aufgestellt ist. Aber man ist nicht darauf vorbereitet, was die Situation mit einem macht.
Als Vorsitzender des Deutschen Städtetages hat sich Jung immer wieder zu Fragen der städtischen Sicherheit und Resilienz geäußert.Wenn man die Stadtmitte gegen Amokfahrer befestigt, dann kann so etwas an einer Bushaltestelle, einem Straßencafé oder einer belebten Straße passieren.
Ende einer Ära
Der 68-jährige SPD-Politiker hat angekündigt, im nächsten Jahr nicht erneut zu kandidieren und beendet damit eine 21-jährige Amtszeit, die 2005 begann. Er sagte, die Amokfahrt sei eines der dunkelsten Kapitel seiner Amtszeit gewesen. Jungs Abschied kommt zu einer Zeit, in der Leipzig sich weiterhin von dem Schock erholt.


