
Norwegischer Fußballverband fordert sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino
Der norwegische Fußballverband ist der erste nationale Verband, der öffentlich den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino fordert – mit Verweis auf verlorenes institutionelles Vertrauen nach dem aufgegebenen FIFA-Forward-Enterprise-Projekt und einer Reihe von Governance-Streitigkeiten.
Norwegens Forderung
Der norwegische Fußballverband (NFF) gab am Freitag, den 7. August, bekannt, dass er formell den Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino fordern wird. Die Entscheidung wurde von den Leitungsgremien des Verbands bei einer Sitzung am Donnerstag, den 6. August, getroffen und von NFF-Präsidentin Lise Klaveness auf einer Pressekonferenz öffentlich gemacht. Norwegen ist damit der erste nationale Verband, der öffentlich und unmissverständlich Infantinos sofortigen Abgang fordert. Der NFF plant, in den kommenden Tagen ein formelles Schreiben an die FIFA zu senden und hofft, dass andere UEFA-Mitgliedsländer sich dem Aufruf anschließen.
Vertrauensverlust
Klaveness, eine 45-jährige Anwältin, die den NFF seit März 2022 leitet, argumentierte, dass Infantino nicht mehr das nötige Vertrauen genieße, um den Weltfußballverband zu führen. Sie nannte eine lange Liste von Bedenken, die der norwegische Verband während seiner Amtszeit vorgebracht hat, darunter Fragen zu Turniervergaben, den erstmals vergebenen FIFA-Friedenspreis an US-Präsident Donald Trump im Dezember sowie die Aufhebung einer Sperre gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun während der WM 2026 nach einer Intervention Trumps.
Er hat nicht das institutionelle Vertrauen, das nötig ist, um die FIFA in der Zeit, die wir durchleben, stabil zu führen. Für Gianni Infantino gibt es kein Zurück.
Das FFE-Projekt
Der unmittelbare Auslöser der Krise war der Vorschlag „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), der etwa eine Woche vor der Ankündigung bekannt gegeben wurde. Der Plan sah vor, eine Tochtergesellschaft zu gründen, die die kommerziellen Vermögenswerte und Veranstaltungen der FIFA, einschließlich der Weltmeisterschaft, verwalten sollte, mit dem Verkauf von 20 % ihres Kapitals an private Investoren. Das Projekt zielte darauf ab, bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro) auf der Grundlage einer anfänglichen Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar einzubringen. Die FIFA erklärte, sie werde die Kontrolle behalten und die Einnahmen in die Fußballentwicklung reinvestieren.
- Anfängliche Bewertung
- 20 Mrd. $
- Angestrebtes Kapital
- 4.2 Mrd. $
Der Vorschlag stieß auf heftigen Widerstand. CONMEBOL, CONCACAF und der Asiatische Fußballverband (AFC) äußerten alle Widerstand. Die UEFA ging noch weiter und kündigte gemeinsam mit ihren 55 Mitgliedsverbänden an, nicht an FIFA-Wettbewerben teilzunehmen, falls der Plan umgesetzt würde. Infantino sagte das Projekt daraufhin ab. Die Quellen unterscheiden sich im genauen Zeitpunkt: Ein Artikel berichtet über die Aufgabe am vorherigen Freitag, ein anderer am vorherigen Samstag.
Ethikbeschwerden
Über die Forderung nach Infantinos Rücktritt hinaus hat der NFF beschlossen, drei Angelegenheiten an das Ethikkomitee der FIFA zu verweisen: das abgebrochene FFE-Projekt, die Aufhebung von Baloguns Sperre nach Trumps Intervention und die Verleihung des selbsternannten „Friedenspreises“ an den US-Präsidenten. Der Verband wird außerdem eine vollständige Überprüfung der Reformen beantragen, zu denen sich Infantino verpflichtet hatte. Klaveness betonte, dass es um Governance gehe, nicht um Persönlichkeiten.
- Gianni Infantino wird FIFA-Präsident
- Lise Klaveness wird NFF-Präsidentin
- FIFA-Friedenspreis an Donald Trump verliehen
- FIFA-Forward-Enterprise-Projekt angekündigt
- FFE-Projekt nach Widerstand von UEFA und anderen Konföderationen aufgegeben (Quellen uneinig über genauen Tag)
- NFF-Gremien beschließen, Infantinos Rücktritt zu fordern
- Klaveness kündigt Rücktrittsforderung öffentlich auf Pressekonferenz an
- FIFA-Präsidentschaftswahl angesetzt
Nachfolgespekulationen
Infantino, seit 2016 Präsident, ist derzeit der einzige erklärte Kandidat für die für März 2027 angesetzte FIFA-Präsidentschaftswahl. Er benötigt eine Mehrheit der 211 Stimmen der Mitgliedsverbände, um eine neue Amtszeit zu sichern. Der frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter schlug Klaveness auf der Social-Media-Plattform X als mögliche Nachfolgerin vor, nannte sie die einzige Person, die konsequent klare Positionen bezogen habe, und argumentierte, dass es an der Zeit sei, dass eine Frau die FIFA führe.
Sie war die Einzige, die immer eine klare Position bezogen hat und nicht dem vorherrschenden Strom gefolgt ist. Und bei der FIFA ist die Zeit gekommen, dass eine Frau das Ruder übernimmt.
Klaveness wies die Spekulationen zurück und sagte gegenüber AFP: „Wir sind noch nicht so weit.“ Sie sagte, der Fokus solle auf den angesprochenen Themen bleiben, nicht auf einzelnen Kandidaten, und es wäre seltsam, wenn sie anfinge, Fragen über sich selbst zu beantworten.


