Niedersachsen verspricht 5.600 neue Lehrerstellen und Jobgarantie für Haupt- und Realschullehrer
Bildungsministerin Julia Willie Hamburg sagte, das Land werde in dieser Legislaturperiode 5.600 zusätzliche Lehrerstellen schaffen, mit einer Jobgarantie für Absolventen, die auf die am stärksten unterbesetzten Schularten abzielt. Die Unterrichtsversorgung sei bereits von 96,3 % auf 97,2 % gestiegen, sagte sie DIE WELT und N-tv.
Anhaltender Mangel in Schlüsselfächern und Schularten
Die Schulen in Niedersachsen haben weiterhin mit einem Lehrermangel zu kämpfen, wobei die größten Lücken in Mathematik, Naturwissenschaften, Sport und Kunst bestehen, so Bildungsministerin Julia Willie Hamburg. Der akuteste Bedarf besteht an Haupt-, Real- und Oberschulen, den nicht-gymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I. Hamburg sagte DIE WELT und N-tv, dass jeder, der ein Lehramtsstudium für diese Schularten in Erwägung zieht, „eine Jobgarantie hat, und zwar überall dort, wo er hinwill.” Die Ministerin bezeichnete den Mangel als strukturelles Problem in ganz Deutschland, betonte aber, dass Niedersachsen Maßnahmen ergriffen habe, um ihm entgegenzuwirken.
Gehaltserhöhung stoppt Lehrer-Abwanderung
Zu Beginn der laufenden Legislaturperiode hob die rot-grüne Landesregierung die Gehälter für Lehrer an Haupt-, Real- und Oberschulen sowie an Grundschulen auf die Besoldungsstufe A13 an. Diese Maßnahme beginne erste Früchte zu tragen, so Hamburg.
Früher hatten wir die Situation, dass die Leute von Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen oder Hessen abgewandert sind, weil sie dort mehr verdienen konnten. Jetzt verlassen die Lehrkräfte das Land nicht mehr, und es kommen sogar mehr zu uns als zu unseren Nachbarn.
Die Ministerin nannte keine genauen Abwanderungszahlen, bezeichnete die Entwicklung aber als eine entscheidende Wende in einem wettbewerbsintensiven Markt für qualifizierte Pädagogen.
Anreize zur Besetzung unterversorgter Regionen
Der eigentliche Druck liege in der Verteilung, nicht nur in den Gesamtzahlen. Hamburg sagte, vielen Lehrkräften sei nicht bewusst, wie groß das regionale Gefälle inzwischen geworden sei.
Ich glaube, vielen Lehrkräften ist nicht bewusst, dass wir Regionen haben, in denen wir so dringend Lehrkräfte brauchen, dass wir in den beliebteren Gegenden gar nicht mehr inserieren.
Lehrkräfte warteten manchmal Jahre auf eine Stelle an ihrer Wunschschule und nähmen stattdessen kurzfristige Vertretungsverträge an. Um Kandidaten in unterbesetzte Bezirke zu lenken, knüpft das Ministerium Stellen in attraktiven Gemeinden nun an eine drei- bis fünfjährige Dienstverpflichtung in Mangellagen. „Viele Lehrkräfte stellen dann fest, dass eine kleine Schule eigentlich wunderbar ist, oder das Kollegium super nett ist, oder sie verlieben sich und bleiben”, fügte Hamburg hinzu. Seit letztem Jahr bietet das Land auch einen flexiblen Weg an: Neue Lehrkräfte können als Angestellte statt als Beamte beginnen und behalten so die Option, später zu wechseln, was zuverlässiger ist als ein befristeter Vertrag. „Wir bewerben das sehr aggressiv. Nach und nach spricht es sich herum.”
Fortschritte und verbleibende Herausforderungen
Die Ministerin wies auf messbare Verbesserungen der Unterrichtsversorgung hin. Die Versorgungsquote, die erfasst, ob genügend Personal für die vorgeschriebenen Unterrichtsstunden vorhanden ist, ist während ihrer Amtszeit von 96,3 % auf 97,2 % gestiegen. Für das kommende Schuljahr nach den Sommerferien wurden mehr als 2.000 Stellen ausgeschrieben, mit einer Besetzungsquote von etwa 75 %, ähnlich wie in den Vorjahren. Hamburg sagte weiter, das Land werde in dieser Legislaturperiode über 5.600 zusätzliche Lehrerstellen schaffen und diese größtenteils mit bestens ausgebildeten Lehrkräften besetzen. Sie betonte, dass der Anstieg nicht automatisch erfolge.
Wir müssen wirklich hart arbeiten, um das Niveau zu halten. Aber wir tun alles, um die Unterrichtsversorgung zumindest zu stabilisieren, wenn nicht zu verbessern.
Der neue Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung und zusätzliche Stunden für Basiskompetenzen sowie steigende Schülerzahlen werden die Nachfrage weiter erhöhen. Zum ersten Mal, so die Ministerin, stelle das Land mehr Lehrer ein, als aus dem Beruf ausscheiden – ein Meilenstein, den zu Beginn der Legislaturperiode niemand für möglich gehalten hätte.
- Rot-Grüne Koalition erhöht Lehrergehälter auf A13 für Grund- und nicht-gymnasiale Sekundarschulen
- Flexible Angestelltenverträge eingeführt, um Lehrkräfte für unterversorgte Regionen zu gewinnen
- Mehr als 2.000 Stellen für Schuljahr 2026/27 ausgeschrieben, Besetzungsquote bei 75 %, Versorgungsquote erreicht 97,2 %
- 5.600 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, Einstellungen übersteigen Abgänge


