
Niederländisches Bahnnetz nach gezielter Gleissabotage an über 30 Standorten mit weitreichenden Störungen
Täter befestigten Rohre und Überbrückungskabel an über 30 Bahnabschnitten in den Niederlanden und lösten am Dienstag Sicherheitsstopps auf zentralen und nördlichen Strecken aus.
Morgenstörungen im gesamten Netz
Der niederländische Schieneninfrastrukturbetreiber ProRail meldete am Dienstagmorgen gezielte Sabotage an über 30 Standorten, die den Zugverkehr in großen Teilen der zentralen und nördlichen Niederlande zum Erliegen brachte. Die Störungen begannen um 05:30 Uhr, als automatische Zugbeeinflussungssysteme auf zahlreichen Abschnitten falsche Belegungen registrierten. Die Täter befestigten Metallrohre direkt an den Schienen und legten Überbrückungskabel über die Gleise, um elektrische Kurzschlüsse zu verursachen. Da das Sicherheitssystem geschlossene Stromkreise als aktive Zugpräsenz interpretiert, schalteten die Signale im gesamten Netz auf Rot und schlossen automatisch Bahnübergänge für den Straßenverkehr. ProRail-Techniker gingen kilometerweit entlang der Gleise, um die Strecken zu inspizieren, und stießen dabei auf einige Stellen, an denen Gegenstände nach der ersten Entfernung ein zweites Mal platziert worden waren.
Geografische Verteilung über vier Provinzen
Die Beeinträchtigungen betrafen Strecken in Utrecht, Gelderland, Overijssel und Drenthe. Die Polizei in Gelderland fand Metallrohre und hinderliches Material in Barneveld, Twello, Brummen, Putten und Lunteren. In Utrecht und den umliegenden Bezirken dokumentierten die Behörden Vorrichtungen in Veenendaal, Overberg und Oudewater. Overijssel verzeichnete Vorfälle in vier Städten: Holten, Deventer, Olst und Steenwijk. In Steenwijk kollidierte ein frühmorgendlicher Personenzug mit einem Rohr auf den Gleisen, doch die Bahnbehörden bestätigten, dass niemand verletzt wurde. In Olst sammelte die Polizei Rohre in Beweistüten, während Bauunternehmer in Deventer einen Kran einsetzten, um schwere Materialbeutel von den Gleisen zu heben. In Meppel in Drenthe beschlagnahmten Ermittler Überbrückungskabel, die über die Schienen gespannt waren.
- Sicherheitsüberwachungssysteme erkennen Gleisabschnittsfehler im gesamten Bahnnetz
- Personenzug prallt bei Steenwijk gegen Rohr auf Gleis, keine Verletzten
- ProRail bestätigt über 30 Sabotagestellen, NS beginnt schrittweise Betriebswiederaufnahme
- Ermittlungen laufen weiter, Personenzüge haben Verspätungen um Amersfoort und Deventer
Betriebliche Auswirkungen und Systemreaktion
Die koordinierte Störung legte den Verkehr auf mehreren Hauptkorridoren lahm, darunter die Strecken von Zwolle nach Amersfoort, Utrecht nach Gouda, Amersfoort nach Apeldoorn und Deventer nach Almelo. Die von Arriva in Groningen betriebenen Regionalzüge fuhren weiter, aber der nationale Betreiber NS stoppte Züge aus Groningen in Meppel. Die hohe Anzahl gleichzeitiger Gleisstörungen verhinderte den Einsatz von Ersatzbusflotten durch die NS, und die starke Nutzernachfrage verlangsamte die nationale Reiseplaner-Anwendung während des gesamten Morgens. ProRail und NS leiteten am späten Dienstagmorgen eine schrittweise Wiederaufnahme des Personenverkehrs ein, doch Verspätungen und Ausfälle hielten rund um Amersfoort und Deventer an. Reparaturteams und private Auftragnehmer arbeiteten neben Bahnsicherheitskräften und trugen Schutzhandschuhe, um forensische Spuren an allen geborgenen Geräten zu bewahren.
Ich vertraue darauf, dass wir schnell Klarheit über die Umstände bekommen.
Sicherheitsermittlungen und politischer Hintergrund
Die nationale Polizeiabteilung Landelijke Expertise en Operaties und der Allgemeine Geheim- und Sicherheitsdienst (AIVD) leiteten eine Untersuchung ein, um Verantwortlichkeit und Motive zu klären. ProRail betreibt mehrere tausend Sicherheitskameras in seinem 7.000 Kilometer langen Netz, darunter seit Anfang 2026 eingesetzte Systeme künstlicher Intelligenz zur Erkennung verdächtigen Verhaltens an den Gleisen. Die Sabotage fiel mit dem Prinsjesdag zusammen, der Eröffnung des Parlamentsjahres in Den Haag. Der Straßenbetreiber Rijkswaterstaat meldete später am Tag Brände an Straßenrändern, nachdem zuvor die Agrargruppe Farmers Defence Force gewarnt hatte. Ein FDF-Sprecher teilte dem Regionalrundfunk RTV Drenthe mit, die Organisation habe die Bahnstörungen nicht organisiert, schloss jedoch Aktionen einzelner Landwirte aus Protest gegen die Stickstoffpolitik der Regierung nicht aus.

