
Menschenrechtsorganisationen beschuldigen Israel der Kriegsverbrechen bei Tötung der libanesischen Journalistin Amal Khalil
Human Rights Watch, Amnesty International und The Legal Agenda veröffentlichten am 6. August separate Untersuchungen, die zu dem Schluss kamen, dass ein israelischer Angriff auf das libanesische Dorf al-Tiri am 22. April, bei dem die Journalistin Amal Khalil getötet und die Fotografin Zeinab Faraj verletzt wurde, ein Kriegsverbrechen darstellt.
Der Angriff auf al-Tiri
Am 22. April griff die israelische Armee das Dorf al-Tiri im Südlibanon an, Tage nachdem ein Waffenstillstand zwischen Israel und der islamistischen Hisbollah-Miliz verkündet worden war. Ein Fahrzeug, das vor dem Auto der Journalisten fuhr, wurde zuerst getroffen, wobei zwei Menschen getötet wurden. Anschließend wurde das Auto der Journalisten angegriffen, was die 42-jährige Reporterin der Tageszeitung Al-Akhbar, Amal Khalil, und die freiberufliche Fotografin Zeinab Faraj dazu veranlasste, in einem nahegelegenen Gebäude Schutz zu suchen. Dieses Gebäude wurde daraufhin ebenfalls angegriffen. Faraj wurde mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert; Khalil wurde unter Trümmern begraben. Ihre Leiche wurde später geborgen. Der Tod von Khalil, die im März und April regelmäßig über den Konflikt zwischen der pro-iranischen Hisbollah und Israel aus dem Südlibanon berichtet hatte, erschütterte das Land.
Feststellungen zu Kriegsverbrechen
Am Donnerstag, den 6. August, veröffentlichten Human Rights Watch, Amnesty International und die libanesische Organisation The Legal Agenda separate Berichte, die zu dem Schluss kamen, dass der Angriff ein Kriegsverbrechen darstellt. HRW sprach von „offenbar vorsätzlichen Angriffen auf Zivilisten und zivile Objekte, was ein Kriegsverbrechen darstellt.“ Amnesty verurteilte einen „direkten Angriff auf Zivilisten“ und forderte die Einleitung einer Untersuchung wegen Kriegsverbrechen. Die eigene Untersuchung von The Legal Agenda ergab, dass es „Kriegsverbrechen und schwerwiegende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“ gegeben habe. Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros gelten vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten als Kriegsverbrechen.
Sowohl HRW als auch Amnesty kamen zu dem Schluss, dass die israelische Armee „wusste oder hätte wissen müssen“, dass die beiden Frauen Zivilistinnen waren, und verwiesen auf israelische Drohnen, die in geringer Höhe über dem Gebiet flogen. Die Untersuchungen ergaben, dass die Anwesenheit dieser Drohnen bedeutete, dass das Militär visuell wusste, wer sich am Boden befand. Der Libanon-Experte von HRW äußerte sich zum allgemeinen Muster der Angriffe auf Journalisten.
Das israelische Militär sagt, es ziele nicht auf Journalisten, aber Fakten und Beweise zeigen, dass dies wiederholt geschehen ist.
Behinderung der Rettungsbemühungen
Die libanesischen Behörden beschuldigten die israelische Armee, die Rettungsarbeiten behindert zu haben, während Khalil noch am Leben und unter Trümmern eingeschlossen war. HRW berichtete unter Berufung auf Augenzeugenberichte, dass eine Drohne eine Blendgranate abgeworfen habe, was die Sanitäter des Libanesischen Roten Halbmonds zum Rückzug zwang. Khalils Leiche wurde erst später geborgen, nachdem der Beschuss nachgelassen hatte.
Israels Reaktion
Die israelische Armee erklärte, sie habe ein Fahrzeug angegriffen, das „eine von der Hisbollah genutzte Militäreinrichtung verlassen hatte“, und anschließend die Einrichtung selbst angegriffen. Sie bestritt, Rettungsteams am Zugang zum Gebiet gehindert zu haben. In einer Antwort auf den Amnesty-Bericht erklärte Israel, der Vorfall sei einer vorläufigen Prüfung unterzogen worden und man habe Lehren daraus gezogen; man bedauere jeglichen Schaden, der Journalisten zugefügt wurde. Die Armee betonte, dass sie nicht auf Journalisten ziele.
Gesamtzahl der getöteten Journalisten
Nach Angaben der Organisationen wurden seit 2023 15 Journalisten von Israel getötet. Khalil war langjährige Reporterin für Al-Akhbar, und Faraj arbeitete häufig als freiberufliche Fotografin mit ihr zusammen. Amnesty hat eine formelle Untersuchung wegen Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit dem Angriff auf al-Tiri gefordert.


