
Deutschland und Niederlande eröffnen neues NATO-Hauptquartier für Baltikum-Verteidigung, eine Woche vor dem Gipfel in Ankara
Eine Woche vor dem NATO-Gipfel in Ankara haben Deutschland und die Niederlande in Valga an der estnisch-lettischen Grenze ein taktisches Hauptquartier aktiviert, um die Landstreitkräfte der Allianz in den beiden baltischen Staaten zu befehligen.
Übergabe in Valga
Am Dienstag haben Deutschland und die Niederlande formal ein taktisches Hauptquartier für NATO-Landstreitkräfte in Estland und Lettland aktiviert. Die Kommandoübergabe fand in Valga statt, einer Stadt an der estnisch-lettischen Grenze, mit Verteidigungsministern beider Führungsnationen und der Gastgeberstaaten.
Wir sind bereit, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen.
Das Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) mit Sitz in Münster befehligt nun die alliierten Bodentruppen in den beiden baltischen Staaten und übernimmt damit vom NATO-Hauptquartier in Polen, das zuvor die gesamte Region abdeckte. Das Korps kann in Frieden und Konflikt bis zu 50.000 Soldaten führen und zieht Personal aus 14 anderen NATO-Mitgliedern neben Deutschland und den Niederlanden.
Europäische Lastenteilung
Dieser Schritt erfolgt, während US-Verteidigungsminister Pete Hegseth einen härteren Kurs gegenüber europäischen Verbündeten signalisierte und forderte, dass sie mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung übernehmen. Er beschrieb die Bemühung als Teil eines Übergangs zur „NATO 3.0".
Wir verstärken unsere Bemühungen, die NATO zu dem zu machen, was sie immer hätte sein sollen: ein ausgewogenes Bündnis, in dem Europa die Führung für seine eigene Verteidigung übernimmt: NATO 3.0.
Die Ankündigung setzt den Ton für den NATO-Gipfel in Ankara in der nächsten Woche, bei dem die Lastenteilung voraussichtlich ein zentrales Thema sein wird. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte, dass das neue Hauptquartier die Entschlossenheit Europas demonstriere.
Das Korps ist ein Modell für die europäische Verteidigungszusammenarbeit und beweist, dass multinationale Integration uns stärker, leistungsfähiger und effektiver macht.
Die niederländische Verteidigungsministerin Yesilgöz bezeichnete die Übergabe als Beweis dafür, dass die NATO sich anpassen und auf alle Szenarien vorbereiten will.
Vertiefung des baltischen Engagements
Deutschland hat sein militärisches Engagement im Baltikum seit der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine deutlich ausgeweitet. Berlin plant, bis 2027 eine kampfbereite Brigade von bis zu 5.000 Soldaten in Litauen zu stationieren, während die Luftwaffe regelmäßig Kampfflugzeuge zur baltischen Luftraumüberwachung entsendet. Estland und Lettland haben zudem gemeinsam das deutsche Luftverteidigungssystem Iris-T gekauft.
Die neue Kommandostruktur, die seit dem NATO-Gipfel 2023 diskutiert wird, soll die Abschreckung entlang der Ostflanke des Bündnisses verstärken. Das 1995 gegründete Deutsch-Niederländische Korps mit Hauptquartier in Münster wechselt das Kommando zwischen den beiden Nationen. Es hat zuvor multinationale Operationen geführt und dient als Eckpfeiler der europäischen militärischen Integration.
Russische Bedrohung bleibt akut
Estland und Lettland grenzen beide an Russland, und Lettland teilt zudem eine Grenze mit Belarus, Russlands engem Verbündeten. Ein aktueller Bericht des lettischen Geheimdienstes warnt, dass Russland hybride Angriffe und Provokationen gegen die baltischen Staaten vorbereitet, um die NATO unter Druck zu setzen. Das neue Hauptquartier soll daher eine sichtbare und einsatzfähige Abschreckung bieten. Die formelle Aktivierung in Valga, nur 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, verstärkt die Botschaft des Bündnisses von kollektiver Verteidigung und europäischer Bereitschaft vor dem Gipfel in Ankara.


