
Neue schwarze Stummelaffenart mit oranger Gesichtsmaske im Kongobecken entdeckt, sofort als gefährdet vorgeschlagen
Genetische, anatomische und akustische Analysen haben Colobus congoensis nach einer ersten, nicht eindeutigen Sichtung im Jahr 2008 als eigenständige Art bestätigt. Der lokal als „Likweli“ bekannte Primat ist unmittelbar durch Jagd und Lebensraumverlust bedroht.
Eine neue Stummelaffenart wurde im Kongobecken wissenschaftlich beschrieben, 18 Jahre nachdem Forscher sie erstmals in einer abgelegenen Regenwaldregion fotografiert hatten. Die Bestätigung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PLOS One am 15. Juli 2026, krönt eine langwierige Untersuchung, die nach einer zweiten Sichtung im Jahr 2018 beschleunigt wurde.
Eine maskierte Schnauze und ein unverwechselbarer Ruf
Der Affe hat glänzend schwarzes Fell, einen langen gebogenen Schwanz und einen leuchtend orange-cremefarbenen Fleck um Mund und Nase. Die Einheimischen des Kongobeckens nennen ihn „Likweli“. Sein wissenschaftlicher Name ist Colobus congoensis.
Die Entdeckung von Colobus congoensis ist sowohl ein wissenschaftlicher Triumph als auch eine ernüchternde Erinnerung daran, dass einige der seltensten Lebensformen der Erde verschwinden könnten, bevor die Welt überhaupt von ihrer Existenz erfährt.
Mit einem Gewicht von etwa sieben Kilogramm ist die neue Art kleiner als verwandte Stummelaffen. Sie stößt zudem tiefe, resonante Rufe mit einer charakteristischen akustischen Struktur aus, die sie von anderen afrikanischen Stummelaffenarten unterscheidet. Die auffällige maskenartige Gesichtszeichnung unterscheidet sie von allen bisher bekannten Stummelaffen.
Achtzehn Jahre vom Foto zum Beweis
Ein 2008 aufgenommenes Foto war nicht aussagekräftig genug, um eine eigene Art zu deklarieren. Ein Jahrzehnt später löste eine erneute Sichtung genetische, anatomische und akustische Studien aus, die den Primaten nun als eigenständig bestätigt haben. Sein nächster Verwandter ist der Schwarze Stummelaffe (Colobus satanas), obwohl die beiden durch mehr als 1.200 Kilometer Regenwald voneinander getrennt sind.
Das internationale Forschungsteam umfasste Wissenschaftler der Florida Atlantic University, der Lukuru Wildlife Research Foundation, der Yale University, der City University of New York, des Lomami-Nationalparks und der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft.
114 Sichtungen in einem winzigen Verbreitungsgebiet
Zwischen 2018 und 2022 verzeichnete das Team 114 Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von nur 1.700 Quadratkilometern – einer ungewöhnlich kleinen Fläche für Stummelaffen. Die Art scheint natürlicherweise durch Flüsse und Waldränder isoliert zu sein. Die Forscher sprachen auch mit Dorfbewohnern und Jägern in Regenwaldsiedlungen, um mehr über die Verbreitung und das Verhalten des Affen zu erfahren; die Einheimischen beschrieben ihn als scheu und selten gesehen.
- Erstes Foto in einer abgelegenen Regenwaldregion des Kongobeckens aufgenommen, aber nicht ausreichend, um eine eigene Art zu beweisen.
- Erneute Sichtung löst genetische, anatomische und akustische Untersuchungen durch ein internationales Forschungsteam aus.
- 114 Sichtungen in einem geschätzten Verbreitungsgebiet von 1.700 km² verzeichnet; Forscher befragen Einheimische und Jäger.
- Colobus congoensis wird in PLOS One formell als neue Art beschrieben; Team schlägt sofortige IUCN-Einstufung als gefährdet vor.
Sofortiger Vorstoß für den Status „gefährdet“
Die Art lebt in einem begrenzten Gebiet der Demokratischen Republik Kongo und ist Jagddruck und Lebensraumverlust ausgesetzt. Das Forschungsteam hat vorgeschlagen, Colobus congoensis umgehend als „vom Aussterben bedroht“ auf die Rote Liste der IUCN zu setzen.
Eine Erinnerung an unerforschte Biodiversität
Koautor John Hart von der Lukuru Wildlife Research Station merkte an, dass selbst in bereits wissenschaftlich erforschten Regionen weiterhin völlig neue Arten gefunden werden. Er sagte, die Entdeckung zeige, wie viel Biodiversität im zentralen Kongobecken noch unerforscht sei und wie die Region weiterhin das Verständnis der Primatenevolution und des Artenschutzes präge.
In den letzten 75 Jahren wurden nur eine Handvoll neuer afrikanischer Affenarten entdeckt. Der Fund lenkt neue Aufmerksamkeit auf das artenreiche Kongobecken in einem Moment, in dem der neu beschriebene Primat bereits einer ungewissen Zukunft entgegensieht.


