
Forscher beschreiben neue Riesenseerose Victoria colombiana aus dem kolumbianischen Dschungel
Victoria colombiana, von der schätzungsweise nur noch 30 bis 50 Pflanzen in freier Wildbahn existieren, wurde identifiziert, nachdem ein Gartenbaufachmann ein in der kolumbianischen Region Inírida aufgenommenes Instagram-Foto bemerkt hatte. Eine fünftägige Expedition spürte die Pflanzen anschließend auf.
Ein Foto auf Instagram
Jeremiah Harris, der in den Vereinigten Staaten eine Gärtnerei für fleischfressende Pflanzen betreibt, veröffentlichte Fotos von Riesenseerosen, die er in der Region Inírida in Guainía, Kolumbien, aufgenommen hatte. Harris identifizierte die Pflanze als die häufiger vorkommende Victoria amazonica. Carlos Magdalena, ein Gartenbaufachmann an den Royal Botanic Gardens in Kew, bemerkte, dass das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art nicht bis zum Río Inírida reicht. Die Angaben darüber, wann das Foto aufgenommen wurde, gehen auseinander und reichen von drei bis fünf Jahren; eine Quelle datiert den Beitrag auf Dezember 2021. Magdalena untersuchte daraufhin Satellitenbilder des Flusses und seiner Seen und entdeckte mehrere Schwimmblätter einer einzigen Riesenseerose. Harris bestätigte, dass diese mit den von ihm fotografierten Pflanzen übereinstimmten.
Planung und eine fünftägige Suche
Magdalena arbeitete mit Mauricio Bernal vom Jardín Botánico de Bogotá José Celestino Mutis sowie mit Mitgliedern lokaler indigener Reservate, Nilo Rodriguez, Jaime Hernandez und Gustavo Melo, zusammen, um eine Exkursion zum Fundort zu planen. Eine Darstellung besagt, die Planung habe mehr als zwei Jahre gedauert, eine andere spricht von fast zwei Jahren. Die fünftägige Expedition in den Regenwald von Inírida brachte nur zwei Pflanzen zutage, und keine davon blühte. Ein blühendes Exemplar ist wichtig, weil Botaniker für die Unterscheidung von Arten ein gepresstes und getrocknetes Herbariumexemplar benötigen, wofür eine Blüte erforderlich ist. Die Pflanzen schienen zudem unter starken Überschwemmungen und einer späten, aber intensiven Regenzeit zu leiden.
Die Nacht vor dem Rückflug
Rund zehn Stunden vor dem Abflug suchte das Team weiter entlang des Río Inírida und des Río Guaviare, ohne weitere Pflanzen zu finden. In der Nacht vor der Rückkehr nach Bogotá erzählte Magdalena dem Bootsführer der Expedition, Gustavo Melo, von seinen Schwierigkeiten. Melo gehört zur indigenen Gemeinschaft der Tucano, die für ihre Navigationsfähigkeiten bekannt ist. Melo sagte, er wisse genau, wo weitere Pflanzen zu finden seien. Das Team brach um 1 Uhr nachts in völliger Dunkelheit auf und entfernte sich vom Flughafen in den überschwemmten Wald. Kurz vor der Morgendämmerung erreichten sie einen kleinen See, wo sie eine zweite Population mit fünf weiteren Pflanzen fanden, eine davon blühend.
Es war so bewegend, dass ich eine Träne vergoss; es war einer dieser Momente, die mir für immer in Erinnerung bleiben werden.
Das Team dokumentierte sieben Pflanzen in zwei Seen und kehrte rechtzeitig zum Flughafen zurück, um den 9-Uhr-Flug nach Bogotá zu erreichen.
- Das Team findet zwei Pflanzen, keine davon blühend
- Magdalena erzählt dem Bootsführer Gustavo Melo von der Suche, und Melo sagt, er wisse, wo weitere Pflanzen sind
- Das Team bricht in völliger Dunkelheit auf und entfernt sich vom Flughafen
- Das Team erreicht einen kleinen See mit fünf weiteren Pflanzen, eine davon blühend
- Sieben Pflanzen in zwei Seen dokumentiert
Eine neue Art und ihre Aussichten
Das gesammelte Material reichte aus, um die formelle wissenschaftliche Beschreibung zu beginnen, die in der Fachzeitschrift Phytotaxa veröffentlicht wurde. Das Team benannte die Art Victoria colombiana, weil sie offenbar nur in Kolumbien vorkommt. Schätzungsweise 30 bis 50 Pflanzen leben noch in freier Wildbahn, und die Art gilt als vom Aussterben bedroht. Ihre Blätter erreichen einen Durchmesser von bis zu zwei Metern, während Riesenseerosen im Allgemeinen bis zu drei Meter messen können. Zu den Schutzplänen gehören eine mögliche naturalisierte Population in einem besser zugänglichen See innerhalb des indigenen Territoriums, Unterstützung für den lokalen Ökotourismus und eine zusätzliche gesicherte Pflanzengruppe abseits ihres abgelegenen natürlichen Lebensraums.
Riesenseerosen geben ihre Geheimnisse nur langsam preis.
Magdalena sagte, die Suche nach unbekannten Populationen mithilfe von Satellitenbildern sei unerlässlich, und fügte hinzu, dass viele Arten zerstört würden, bevor Wissenschaftler sie überhaupt kennenlernen könnten.

