Israelischer Gaza-Dokumentarfilm 'NAZA' gewinnt Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig
Die Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor erhielten den Preis nach einer 25-minütigen Premieren-Ovation für ihren Film, der auf 24 israelischen Geheimdienst-Whistleblowern basiert.
Festival-Empfang und Juryentscheidung
Der 80-minütige Dokumentarfilm NAZA, inszeniert von den israelischen Investigativjournalisten Yuval Abraham und Rachel Szor, erhielt am Samstagabend den Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig 2026. Die Auszeichnung der Jury unter dem Vorsitz von Maggie Gyllenhaal folgte auf eine 25-minütige Standing Ovation bei der Premiere des Films am Donnerstag auf dem Lido von Venedig. Während die dänische Regisseurin May el-Toukhy den Goldenen Löwen für Woman Unknown gewann, ging NAZA als kritischer Favorit in die Abschlusszeremonie. Das Projekt folgt auf Abrahams und Szors frühere Zusammenarbeit No Other Land, die 2025 gemeinsam mit den palästinensischen Co-Regisseuren Basel Adra und Hamdan Ballal einen Oscar gewann.
- NAZA feiert Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig und erhält eine 25-minütige Standing Ovation
- Das israelische Militär gibt eine Stellungnahme heraus, in der es die Whistleblower-Aussagen des Films zurückweist
- Die Festivaljury verleiht den Spezialpreis der Jury an die Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor
Whistleblower-Berichte über automatisierte Kriegsführung
Der Film stützt sich auf Aussagen von 24 anonymen Mitgliedern der israelischen Militärgeheimdienste, deren Gesichter unkenntlich gemacht und Stimmen verzerrt werden. Die Interviewten beschreiben den Einsatz von KI-gestützten Zielsystemen während der Bombardierung des Gazastreifens, wobei mehrere Befragte ihre militärischen Aufgaben mit dem Betrieb einer Fabrik oder dem Spielen eines Videospiels vergleichen. Abraham und Szor, die in Jerusalem leben, drehten nächtliche Aufnahmen in Tel Aviv nahe dem Militärhauptquartier. Der Dokumentarfilm wurde mit dem britischen Filmemacher Jonathan Glazer, Produzent Jim Wilson und der britischen Zeitung The Guardian produziert, deren Investigativeinheit die Beweise überprüfte und die Vertraulichkeit der Quellen schützte.
Abrahams Rede auf der Lido-Bühne
Abraham nutzte seine Dankesrede zusammen mit Szor, um militärische Operationen im Gazastreifen und die diplomatische Unterstützung aus dem Ausland anzuprangern. Er erklärte, dass während der zehn Tage des Festivals israelische Angriffe mindestens sechs palästinensische Kinder getötet hätten, darunter ein dreijähriges Mädchen in einer Schulunterkunft, einen siebenjährigen Jungen, der mit seinem Vater in einem Auto unterwegs war, und zwei Schwestern in ihrem Zuhause. Abraham erwähnte auch den Tod von mehr als 200 palästinensischen Journalisten im Gazastreifen seit der Ausweitung des Konflikts im Oktober 2023.
Abraham wandte sich direkt von der Bühne an die Verantwortung des einheimischen und ausländischen Publikums.
Die israelischen Geheimdienstoffiziere, mit denen wir sprachen, erzählten uns, dass dieses Massentöten systemisch ist: nicht zufällig, sondern absichtlich, Mordhandlungen und Politiken, die auf der völligen Entmenschlichung der Palästinenser beruhen.
Abraham forderte die Bürger in Israel, den Vereinigten Staaten, Italien und Deutschland auf, die Produktion anzusehen. Er argumentierte, dass Washington die Militärkampagne finanziere, während Rom und Berlin weiterhin diplomatischen Druck auf Israel blockierten.
Es ist unser Land, das diese Verbrechen begeht.
Offizielle Reaktion und Kontext
Das israelische Militär gab am Freitag eine formelle Stellungnahme ab, in der es die Vorwürfe des Dokumentarfilms zurückwies. Militärvertreter erklärten, die anonymen Berichte seien nicht überprüfbar, bestritten den Einsatz von KI-Zielprogrammen wie dargestellt und erklärten, die Streitkräfte bemühten sich, zivile Opfer zu minimieren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza haben israelische Operationen seit Oktober 2023 rund 73.500 Todesfälle und 174.500 Verletzungen im Gazastreifen verursacht, nach dem von der Hamas geführten Angriff am 7. Oktober 2023, bei dem 1.219 Menschen in Israel getötet wurden.


