Kurz gefasst
Ein Treffen in Warschau
Die Präsidenten Karol Nawrocki und Gitanas Nausėda trafen am Dienstag, 20. Oktober 2026, im Präsidentenpalast in Warschau zusammen, bevor sie gemeinsam vor die Presse traten. Nawrocki sagte, die beiden Länder verbinde mehr als eine lange gemeinsame Geschichte und eine enge Nachbarschaft: gemeinsame Interessen, eine strategische Partnerschaft und eine geteilte Verantwortung für die Sicherheit ihres Teils Europas und der gesamten Ostflanke der NATO. Nausėda stellte den Tag in den Zusammenhang des 235. Jahrestags der gegenseitigen Verpflichtung der beiden Nationen, die seiner Darstellung nach zeigte, dass das Bündnis auf mehr als gemeinsamer Geschichte beruhe. Es hänge auch von der Fähigkeit ab, gemeinsame Ziele zu vereinbaren und dabei die Gleichheit und Unabhängigkeit beider Staaten zu achten. Angesichts der anhaltenden russischen Aggression in der Ukraine gewönnen diese historischen Lehren neue Bedeutung, sagte Nausėda.
Russland als größte Bedrohung benannt
Beide Präsidenten bezeichneten die aggressive Politik Russlands als größte Bedrohung für die Sicherheit in der Region. Nawrocki sagte es auf der Pressekonferenz direkt:
„Polen und Litauen verstehen vollkommen, dass die größte Bedrohung für die Sicherheit unserer Region die aggressive Politik der Russischen Föderation bleibt.“
Die gemeinsame Priorität müsse deshalb die Stärkung der Ostflanke der NATO sein, sagte er. Nawrocki erklärte zudem, Russland führe hybride Operationen gegen Staaten der Region durch, mit Cyberangriffen, Desinformation, Sabotage und Druck an den Grenzen, und Polen teile diese Erfahrungen mit Litauen. Er forderte eine enge Zusammenarbeit der Verbündeten und eine stetige Stärkung der Widerstandsfähigkeit beider Staaten. Nausėda sagte, die beiden Länder sähen sich ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt, darunter Sabotage, Desinformation und Verletzungen des Luftraums, und er befürwortete weiteren Druck auf Russland, auch durch Sanktionen.
Energie und die Frage des US-russischen Diesels
Nawrocki sprach auch die Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Russland über Lieferungen russischen Diesels auf die Weltmärkte an und sagte, sie erfordere gemeinsames Nachdenken. Eine Stabilisierung der Energielage dürfe den Druck auf Russland nicht schwächen, argumentierte er:
„Eine Stabilisierung der Energielage darf nicht zu schwächerem Druck auf Russland führen oder die Sicherheit der Staaten in unserer Region untergraben.“
Die Äußerungen waren als Aufforderung an beide Länder gerahmt, das Energieabkommen gegen ihre Sicherheitsbedenken abzuwägen, nicht als förmliche Position zu dessen Bedingungen.
Gemeinsame Übungen und eine enge Partnerschaft
Nausėda sagte, Litauen habe gemeinsame Militärübungen im Frühjahr 2027 mit Polen und den drei baltischen Staaten auf dem Übungsplatz Selonia in Lettland beantragt. Die Beziehung beschrieb er persönlich:
„Wir sind nicht nur strategische Partner und Nachbarn, sondern auch echte, enge Freunde.“
Nausėda sagte außerdem, Litauen und Polen arbeiteten nun gemeinsam für ein sicheres, freies und geeintes Europa, und verknüpfte diese Zusammenarbeit mit dem Jahrestag der Verpflichtung von 1791, die den Beginn des Bündnisses markierte.