Hessische Gemeinden verbieten nächtliche Mähroboter zum Schutz von Igeln, da Verletzungen zunehmen
Mehrere Gemeinden in Hessen, darunter Marburg, Hanau sowie die Landkreise Gießen und Kassel, haben den Einsatz von Mährobotern zwischen Dämmerung und Morgengrauen verboten, um Igel und andere Kleintiere vor schweren Verletzungen und Tod zu schützen.
Wachsende Bedrohung für Igel
Igel in Hessen stehen seit 2023 auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Säugetiere, ihre Bestände nehmen stetig ab. Die Tiere sind häufig in Privatgärten zu finden, wo sie in der Dämmerung und nachts nach Nahrung suchen. Nachts betriebene Mähroboter stellen eine tödliche Gefahr dar, da die Geräte oft keine Sensoren besitzen, die Kleintiere erkennen können. Bei Gefahr rollen sich Igel zu einer Kugel zusammen und bleiben regungslos, was sie besonders anfällig dafür macht, überfahren und von den Messern zerschnitten zu werden.
Kommunale Verbote und Durchsetzung
Mehrere hessische Gemeinden haben mit nächtlichen Verboten reagiert. Marburg führte sein Verbot Ende 2025 ein, der Landkreis Gießen erließ am 1. Mai 2026 eine Allgemeinverfügung. Auch die Städte Hanau und der Landkreis Kassel haben Verbote erlassen. Die Einschränkungen gelten ab einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang. Die Durchsetzung erfolgt hauptsächlich auf Beschwerdebasis; die Behörden können nicht alle Gärten kontinuierlich überwachen. Marburg berichtet, dass seit Inkrafttreten des Verbots weniger Meldungen über verletzte oder getötete Igel eingegangen sind, auch wenn keine offiziellen Statistiken geführt werden. Carmen Schmidt vom Landkreis Gießen stellte fest, dass viele Nutzer sich der Gefahr nicht bewusst sind und den Herstellerangaben zu Hindernissensoren vertrauen, die ihrer Aussage nach wirkungslos sind.
Leider vertrauen viel zu viele den Behauptungen der Hersteller, dass ein Sensor im Gerät das Schlimmste verhindern könne. Das ist nicht der Fall.
Verletzungen und Auswirkungen auf die Tierwelt
Tanja Schäfer von der Wildtierhilfe Schäfer in Mücke (Vogelsbergkreis) sagte, ihre Station kümmere sich jährlich um etwa 500 Igel, und mindestens 70 kämen mit Schnittverletzungen von Mährobotern an. Die Wunden seien oft schwerwiegend: gespaltene Köpfe, fehlende Nasen oder Oberkiefer, abgetrennte Vorderbeine und tiefe Bauchschnitte. Selbst kleinere Verletzungen seien meist tödlich, weil Fliegen Eier in die Wunden legten und die Maden das Tier bei lebendigem Leib auffräßen. Schäfer betonte, dass die Zahl der verletzten Tiere steige, je mehr Geräte auf den Markt kämen, und die tatsächliche Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher sei, da verletzte Wildtiere still litten und oft unbemerkt in Büschen stürben. Auch Singvögel und Amphibien wie Frösche und Molche seien gefährdet.
Die meisten Tiere überleben das nicht, das ist eine Tatsache.
Die Fliegen legen sofort Eier in die Wunde. Dann wird das Tier von den Maden bei lebendigem Leib aufgefressen.
Forderungen nach umfassenderen Maßnahmen
Die Umweltorganisation BUND Hessen drängt auf ein flächendeckendes Nachtverbot im gesamten Bundesland. Naturschutzreferentin Josephin Bruhn argumentierte, dass die Geräte nachts und in der Dämmerung überhaupt nicht betrieben werden dürften. Sie wies darauf hin, dass Igel zu diesen Zeiten besonders aktiv seien und das Fehlen wirksamer Sensoren die Mähroboter zu wahllosen Killern mache. Die Organisation verweist auf die bestehenden kommunalen Verbote als Vorbild, wünscht sich aber eine einheitliche Regelung.
Wir wollen, dass diese Geräte nachts und in der Dämmerung einfach nicht eingeschaltet werden dürfen.
Wie es weitergeht
Die Verbote in Marburg, Gießen, Hanau und Kassel bleiben in Kraft, und die Behörden setzen auf öffentliches Bewusstsein und Bürgerhinweise, um die Einhaltung sicherzustellen. Die Erfahrungen in Marburg deuten darauf hin, dass die Maßnahme die Igelverletzungen reduzieren könnte, aber es fehlen umfassendere Daten. Der BUND setzt sich weiterhin für ein landesweites Verbot ein, während Wildtierhilfestationen sich auf eine weitere Saison verletzter Tiere vorbereiten.
- Marburg führt nächtliches Verbot für Mähroboter ein
- Landkreis Gießen erlässt Allgemeinverfügung zum Verbot nächtlicher Mähroboternutzung
- Auch Hanau und Landkreis Kassel setzen nächtliche Verbote durch


