
NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2026: Hälfte der großen Kreuzfahrtschiffe fährt noch mit Schweröl – Branche bleibt auf fossilen Kurs
Das NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2026, vorgestellt am 6. August in Hamburg, ergab, dass die Hälfte aller großen Kreuzfahrtschiffe immer noch mit Schweröl fährt. Die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten führten das Ranking an, erreichten aber nur 7,5 von 17 möglichen Punkten.
NABU-Ranking zeigt wenig Veränderung
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) stellte am 6. August 2026 in Hamburg sein jährliches Umweltranking der Kreuzfahrtreedereien vor, bei dem 15 Reedereien auf der Grundlage freiwilliger Antworten auf einen Fragebogen bewertet wurden. Zwölf Reedereien antworteten; Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises nicht. Das Ranking, das der NABU seit 16 Jahren veröffentlicht, bewertet Faktoren wie Vermeidung von Schweröl, Nutzung von Landstrom, Stickoxid-Katalysatoren, Klimaziele, Luftqualitätsmaßnahmen sowie neue oder nachgerüstete Schiffe. Die maximal erreichbare Punktzahl beträgt 17 Punkte.
Die norwegischen Reedereien Havila und Hurtigruten führten das Ranking erneut an, allerdings mit nur 7,5 von 17 Punkten. Die französische Reederei Ponant und die deutschen Betreiber TUI Cruises (Mein Schiff) und Aida Cruises belegten gemeinsam den dritten Platz. Hapag-Lloyd Cruises erreichte 4,75 Punkte und Aida Cruises 6 Punkte, beide im Mittelfeld. Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und der britische Betreiber Marella landeten auf den hinteren Plätzen, wobei Marella den letzten Platz belegte.
- Havila
- 7.5 Punkte
- Aida Cruises
- 6 Punkte
- Hapag-Lloyd Cruises
- 4.75 Punkte
Schweröl bleibt dominant
Laut NABU fährt die Hälfte aller großen Kreuzfahrtschiffe immer noch mit Schweröl, ein höherer Anteil als in der Containerschifffahrt. Zwei Drittel der befragten Reedereien verwenden es weiterhin. Nur vier der zwölf antwortenden Reedereien (Havila, Hurtigruten, Ponant und HX Expeditions) schließen seine Verwendung vollständig aus. Kein Kreuzfahrtschiff ist mit Rußpartikelfiltern ausgestattet, sagte NABU-Schifffahrtsberaterin Raija Koch. Schadstoffe aus Schweröl können nur durch Wäscher (Scrubber) entfernt werden, die Schadstoffe aus den Abgasen waschen und dann ins Meer einleiten oder an Land entsorgen.
Es fehlt nicht an technischen Lösungen, sondern am Willen zur Umsetzung.
NABU-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener sagte, die Branche bleibe trotz kleiner Verbesserungen auf fossilen Kurs. Er wies darauf hin, dass die erste vollständig klimaneutrale Kreuzfahrt vor 2030 möglich sein könnte, durch Hybridantrieb mit Windunterstützung oder Batterien sowie durch E-Methanol. Die TUI-„Mein Schiff 7“, seit zwei Jahren in Dienst, könnte kurzfristig auf E-Methanol umgestellt werden.
Landstrom und Hafenemissionen
Fortschritte sind bei der Reduzierung der Emissionen während der Liegezeiten in den Häfen sichtbar. Hamburg plant, ab 2027 eine Landstrompflicht für technisch ausgerüstete Kreuzfahrtschiffe einzuführen, noch vor der für 2030 vorgesehenen EU-Verpflichtung. NABU-Hamburg-Vorsitzender Malte Siegert lobte den Ansatz Hamburgs, kritisierte jedoch, dass Schiffe ohne Landstromanschluss weiterhin Hilfsmotoren am Kai laufen lassen können. Er forderte, dass solche Schiffe nicht mehr in Häfen anlegen dürfen.
Die Kreuzfahrtbranche erwirtschaftet hohe Gewinne und trägt damit eine besondere Verantwortung, beim Klima- und Umweltschutz voranzugehen.
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Reaktionen der Branche
Aida Cruises baut den Einsatz biobasierter Kraftstoffe aus und bereitet sich auf E-Fuels vor, so Dirk Inger, Leiter der politischen Vertretung, Kommunikation und Nachhaltigkeit bei Aida Cruises. Er räumte Herausforderungen ein, darunter die Verfügbarkeit in den Häfen, die Produktionskapazität im industriellen Maßstab, international einheitliche Rahmenbedingungen und das Fehlen marktfähiger Preise in Deutschland und Europa. TUI-Cruises-CEO Wybcke Meier sagte, das Unternehmen strebe eine schrittweise Reduzierung der Umweltauswirkungen an und erwarte in diesem Jahr CO2-Einsparungen von rund 50.000 Tonnen. MSC Cruises verwies auf messbare Fortschritte auf dem Weg zu Netto-Null-Treibhausgasemissionen im Schiffsbetrieb. Die Meyer Werft in Papenburg hat Pläne für ein vollelektrisches Kreuzfahrtschiff, das allerdings noch gekauft werden müsse, so Koch. Der NABU untersucht die Umwelt- und Klimaauswirkungen von Kreuzfahrten seit 2011, als er Aida und TUI Cruises mit dem Preis „Dinosaurier des Jahres“ auszeichnete und ihre Flotten als „schmutzige Rußschleudern“ bezeichnete.


