NABU fordert ökologische Renaturierung des Rheins bei historischem Niedrigwasser
NABU NRW und WWF warnen nach historischem Niedrigwasser vor einer Vertiefung der Rheinfahrrinne und fordern stattdessen ökologische Renaturierung, flachgehende Schiffe und digitales Verkehrsmanagement.
Historisches Niedrigwasser ruft nach Renaturierung
Angesichts eines historischen Niedrigwassers am Rhein fordert die Umweltorganisation NABU NRW eine „ökologische Renaturierung“ des Flusses. Der Verband erklärt, der Rhein brauche dringend mehr Raum für natürliche Flussprozesse und Lebensräume, mit Rückzugsgebieten für Tiere und Pflanzen sowie einer größeren Strukturvielfalt. Heide Naderer, die NABU-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, sagte, das zentrale Ziel sei es, mehr Wasser in der Aue zurückzuhalten und Niedrigwasserphasen abzumildern.
Klaus Markgraf-Maué, der beim NABU NRW für die Rheinpolitik zuständig ist, ergänzte, dass die natürliche Stabilisierung des Flusses durch den Abfluss der Alpengletscher innerhalb weniger Jahrzehnte weitgehend verschwinden werde. Dieser Verlust des gletschergespeisten Abflusses beseitigt einen natürlichen Puffer, der zur Regulierung der Wasserstände beigetragen hat.
Widerstand gegen Fahrrinnenvertiefung
NABU und WWF warnen beide vor einer Vertiefung der Fahrrinnen in Elbe, Oder, Weser und Rhein. Der WWF erklärte, solche Projekte „richten mehr Schaden an, als sie nützen“, weil eine Vertiefung des Flusses nicht mehr Wasser schaffe, sondern es konzentriere und das Umland weiter entwässere.
Wer jetzt Millionen in weitere Vertiefungen investiert, riskiert ein Fass ohne Boden: Die Bauprojekte dauern viele Jahre, während extremes Wetter und sinkende Wasserstände die technischen Lösungen längst überholt haben.
Naderer betonte, dass nur eine Kombination aus ökologischer Renaturierung, Flottenanpassung und flexibler Nutzung die Rolle des Rheins als zentrale Lebensader und Wirtschaftsachse langfristig sichern könne.
Digitale und Flottenalternativen
NABU NRW befürwortet eine stärkere digitale Vernetzung und Echtzeit-Sensortechnik, um Fahrrinnen flexibel und sicher nutzen zu können. In Problemabschnitten könnte der Einbahnstraßenverkehr den Betrieb aufrechterhalten. Der Verband argumentiert auch, dass sich die Schiffe an den Rhein anpassen müssten, nicht umgekehrt, und flachgangig werden sollten. „Übergroße Schiffe“ mit tiefem Tiefgang könnten bei Niedrigwasser die industrielle Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten, so der Verband.
Kabinettsminister uneins
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erklärte, die Binnenschifffahrt solle krisenfester werden. Gegenüber RTL/ntv sagte er, das Vertrauen in die Binnenschifffahrt sei nötig, wenn Güter von der Straße auf die Wasserstraße verlagert werden sollen. Bilger räumte ein, dass die Klimaanpassung an manchen Stellen einen Wasserstraßenausbau erfordere, und fügte hinzu, dass der ökologische Ausgleich sorgfältig abgewogen werde.
Wenn wir Güter von der Straße auf die Wasserstraße verlagern wollen, dann muss das Vertrauen in die Binnenschifffahrt da sein.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) forderte weiterreichende Maßnahmen und argumentierte, dass eine bloße Vertiefung der Flüsse nicht die Antwort sein könne. Er sagte, eine stärkere Transformation der Flüsse sei nötig, einschließlich einer Renaturierung weg von Kanälen hin zu natürlichen Flüssen mit mäandrierenden Armen und Auenlandschaften, die Wasser an der Oberfläche zurückhalten.


