
Gericht in Barcelona eröffnet Verfahren gegen drei Mossos-Beamte wegen Beihilfe zur Flucht Puigdemonts im Jahr 2024 wieder
Das Provinzgericht Barcelona hat die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen drei Beamte der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra angeordnet. Ihnen wird vorgeworfen, dem früheren Regionalpräsidenten Carles Puigdemont nach einem kurzen öffentlichen Auftritt im August 2024 zur Flucht verholfen zu haben. Damit hob das Gericht die Einstellung des Verfahrens durch eine Vorinstanz auf.
Gericht hebt Einstellung auf
Das Provinzgericht Barcelona gab Beschwerden der Staatsanwaltschaft, von Vox und Hazte Oír statt und hob die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen drei Mossos-Beamte auf. Die Ermittlungsrichterin María Antonia Coscollola hatte das Verfahren Ende April 2026 eingestellt, da sie kein strafbares Verhalten erkannte – die Beamten hätten sich im Dienst freigestellt befunden. Das höhere Gericht ordnet nun an, das Verfahren fortzusetzen und, falls die Ermittlungen abgeschlossen sind, Anklage zu erheben.
Es liegen hinreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Anwesenheit der drei Beschuldigten am Tatort und zur Tatzeit nicht rein zufällig war.
Das Gericht beruft sich auf die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, wonach Polizeibeamte „stets zur Verteidigung des Rechts und der Sicherheit der Bürger“ einzuschreiten haben – auch außerhalb des Dienstes. Der mögliche Straftatbestand fällt unter Artikel 408 des Strafgesetzbuchs und sieht eine Amtsunfähigkeitsstrafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vor.
Beweise aus internen Ermittlungen
Das Urteil stützt sich maßgeblich auf Berichte, Fotos und Videos der Internen Abteilung der Mossos. Die Aufnahmen zeigen die drei Beamten in unmittelbarer Nähe Puigdemonts; teilweise fassen sie ihn am Arm, um ihm durch die Menge zu helfen. Das Gericht bezeichnet diese Positionierung als „Einkapselung“, typisch für ein Personenschutzteam.
Die relevanten Indizien der Bilder werden am Rande durch Details wie das Tragen blauer Baseballkappen durch die drei Beschuldigten untermauert, ähnlich denen, die in den Videos von anderen Personen getragen werden, die offenbar Teil eines Sicherheits- oder Schutzteams sind.
Die Beamten befanden sich an jenem Tag im Urlaub, in persönlicher Freistellung oder krankgeschrieben. Das Gericht hält das Fehlen telefonischer oder textlicher Kontakte zwischen ihnen für unbeachtlich, da es sich um eine grundlegende Sicherheitsmaßnahme handeln könne.
Das Fluchtfahrzeug
Das Auto, mit dem Puigdemont nach seiner Rede am Arc de Triomf floh, gehörte einem der beschuldigten Beamten, Jordi Rodrigo Niñerola. Es war am Vortag in einem nahe gelegenen Parkhaus abgestellt worden. Am Morgen des 8. August 2024 fuhr das Fahrzeug, gesteuert von der Partnerin des Beamten, in den Sicherheitsperimeter ein, um Puigdemont und eine weitere Person aufzunehmen und anschließend das Gebiet zu verlassen.
- Das Auto des Beamten Jordi Rodrigo Niñerola wird in einem nahe gelegenen Parkhaus abgestellt.
- Puigdemont taucht in der Nähe des Arc de Triomf auf; drei dienstfreie Mossos umringen ihn.
- Puigdemont flieht im Auto des Beamten, gesteuert von dessen Partnerin, und überquert die Grenze nach Frankreich.
- Ermittlungsrichterin María Antonia Coscollola stellt das Verfahren vorläufig ein.
- Staatsanwaltschaft, Vox und Hazte Oír legen Beschwerde gegen die Einstellung ein.
- Das Provinzgericht Barcelona nimmt das Verfahren wieder auf und ordnet die Fortsetzung bis zur Anklageerhebung an.
Rechtlicher und politischer Kontext
Gegen Puigdemont lag ein Haftbefehl des Obersten Gerichtshofs Spaniens wegen seiner Rolle beim Unabhängigkeitsreferendum 2017 und der einseitigen Unabhängigkeitserklärung vor. Sein kurzer Auftritt in Barcelona am 8. August 2024 während der Amtseinführung von Salvador Illa als katalanischem Regierungschef endete mit seiner erneuten Flucht über die französische Grenze. Den drei Beamten – Jordi Rodrigo Niñerola, Xavier Manso und David Goicoechea – droht nun ein Verfahren wegen Unterlassung der Verfolgung eines Flüchtigen.


