
Israelische Siedler legen Brand in Moschee nahe Ramallah und sprühen ‚Rache‘-Graffiti
Anwohner stellten sich den Angreifern entgegen, bevor israelische Kräfte Tränengas und Blendgranaten einsetzten.
Der Brandanschlag
In den frühen Morgenstunden des Mittwochs legte eine Gruppe israelischer Siedler Feuer an einer Moschee im palästinensischen Dorf Jiljilya, rund zehn Kilometer nördlich von Ramallah. Ein von Aktivisten gegen 2:30 Uhr Ortszeit verbreitetes Video zeigte Flammen, die den Eingang und den Waschraum im Untergeschoss verschlangen, kurz darauf traf ein Feuerwehrauto ein. Laut Ossama Abdoullah, dem Vorsitzenden des Dorfrats, fanden die Siedler die Haupttür verschlossen vor und zündeten stattdessen den Waschbereich unterhalb des Gebetssaals an. Der palästinensische Zivilschutz, unterstützt von jungen Männern aus dem Dorf, konnte den Brand löschen.
Siedler setzten den Waschraum in Brand, beschädigten die Hauptmoschee des Dorfes und schrieben feindselige Parolen an die Außenwände.
Graffiti und Parolen
AFP-TV-Aufnahmen zeigten versengte Wände mit hebräischen Inschriften: „Vorwärts!“, „Rache“, „Nacht der Moscheen“ und einen Verweis auf die radikale Hügellandjugend-Siedlerbewegung. Die Parolen folgten einem Muster von hasserfülltem Vandalismus, der nach Angaben palästinensischer Bewohner und Menschenrechtsorganisationen immer häufiger vorkommt.
Reaktion der Bewohner und israelische Streitkräfte
Wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, eilten Anwohner zur Moschee und stellten sich den Siedlern entgegen, während diese versuchten, das Feuer auszuweiten. Kurz darauf drangen israelische Kräfte in das Dorf ein und feuerten Tränengas und Blendgranaten in die Menge ab. Die israelische Armee reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der AFP um Stellungnahme.
- Siedler erreichen die Moschee, setzen den Waschraum in Brand und sprühen Graffiti
- Videos des Brandes werden von Aktivisten verbreitet; ein Feuerwehrauto trifft ein
- Palästinensischer Zivilschutz, unterstützt von Dorfbewohnern, löscht das Feuer
- Israelische Kräfte dringen in Jiljilya ein, setzen Tränengas und Blendgranaten ein, nachdem Anwohner sich den Siedlern entgegenstellen
Eskalation im weiteren Kontext
Der Brandanschlag ist der jüngste in einer Welle von Siedlergewalt, die im besetzten Westjordanland in den letzten drei Jahren stark zugenommen hat. Am 13. Mai wurde ein 16-jähriger Palästinenser bei einem koordinierten Angriff von Siedlermilizen und israelischen Soldaten nahe Jiljilya getötet; dabei wurden hunderte Tiere und Traktoren gestohlen. Am frühen Mittwochmorgen warfen Siedler aus dem illegalen Außenposten Jitzhar zudem Steine auf ein palästinensisches Haus in Burin, südlich von Nablus. In einem weiteren Vorfall wurde der Journalist Motassem Saqf al-Hayt des Quds News Network beim Berichten über eine Armee-Razzia in Deir Abu Mashaal von einer Tränengaspatrone am Fuß getroffen; der Vorfall löste Kritik von Reporter ohne Grenzen aus.


