Kurz gefasst
Moody's unternahm am Freitag, 23. Oktober, keinen Rating-Schritt und beließ Frankreich bei Aa3 mit negativem Ausblick, während Fitch und S&P das Land beide mit A+ bewerten.
Moody's erklärte, das Rating setze voraus, dass ein Haushalt für 2027 verabschiedet wird, der das Defizit senkt, und dass sich Finanzierungskosten und soziale Spannungen in den kommenden Monaten entspannen.
Die Rendite zehnjähriger Anleihen überschritt am Mittwoch, 21. Oktober, erstmals seit 2002 die Marke von 5 Prozent, und der Spread gegenüber Deutschland blieb am Freitag über 170 Basispunkten.
Moody's erwartet, dass die Schuldenquote 2027 mehr als 120 Prozent des BIP erreicht, während eine separate Schätzung die Verschuldung mit 119 Prozent beziffert; das Defizit wird bei mehr als 5,4 Prozent des BIP erwartet.
- September 2026Scope senkt Frankreich auf A+ und ändert den Ausblick auf stabil
- 21.10.Rendite zehnjähriger Anleihen überschreitet erstmals seit 2002 die Marke von 5 Prozent
- 23.10.Moody's belässt Aa3 mit negativem Ausblick und vermeidet eine Herabstufung
Eine Herabstufung, die ausblieb
Moody's beließ Frankreichs Staatsanleihen am Freitag, 23. Oktober, bei Aa3 und ließ den Ausblick negativ. Die Agentur unternahm keinen Rating-Schritt, die Note blieb also unverändert, obwohl Fachleute eine Herabstufung für wahrscheinlich gehalten hatten. Die Bestätigung kam allgemein überraschend. Das Rating liegt sieben Stufen über Ramsch-Niveau und auf einer Stufe mit dem Vereinigten Königreich; es lässt Frankreich bei dem, was als sein letztes Doppel-A bezeichnet wird, während Fitch und S&P das Land beide mit A+ bewerten.
Was Moody's sagt
Moody's erklärte, das Aa3-Rating setze voraus, dass ein Haushalt für 2027 verabschiedet wird, der das Defizit senkt, und dass sich Finanzierungskosten und soziale Spannungen in den kommenden Monaten etwas entspannen. Die Agentur bezeichnete Frankreichs Wirtschaft als wohlhabend und diversifiziert und von kompetenten Institutionen gestützt, hob aber die hohe Staatsverschuldung als zentrale Herausforderung hervor. Ein gespaltenes Parlament und weitverbreitete Proteste erschwerten wirksame fiskalische Maßnahmen, so Moody's. Die Agentur erwartet, dass die Schuldenquote 2027 mehr als 120 Prozent des BIP erreicht, während eine separate Schätzung die aktuelle Verschuldung mit 119 Prozent beziffert. Auch über die Präsidentschaftswahlen im April und Mai 2027 hinaus seien anhaltende fiskalische Anstrengungen nötig, um die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren.
Märkte und konkurrierende Ratings
Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen überschritt am Mittwoch, 21. Oktober, erstmals seit 2002 die Marke von 5 Prozent. Der Spread gegenüber Deutschland blieb am Freitag über 170 Basispunkten, verglichen mit rund 70 Punkten zu Jahresbeginn – der höchste Stand seit 2011. Fitch beließ Frankreich Ende August bei A+ mit stabilem Ausblick, kurz bevor die Proteste ausbrachen. Im September senkte Scope sein langfristiges Rating auf A+ und änderte den Ausblick von negativ auf stabil, mit Verweis auf steigende Schulden, hohe Defizite und begrenzte Fortschritte bei den Strukturreformen. Die Anleger haben das Vertrauen verloren, dass die Regierung einen Haushalt verabschieden kann, der die öffentlichen Finanzen wiederherstellt, und ein erwartetes Defizit von mehr als 5,4 Prozent des BIP erhöht den Druck zusätzlich.
Defizit, Inflation und die Entscheidung im April
Im April hielt Moody's am Rating fest, obwohl die Bedingungen, auf die die Agentur hingewiesen hatte, offenbar erfüllt waren, darunter die Aussetzung der Rentenreform. Damals stellte die Agentur fest, dass das Defizit von 5,1 Prozent des BIP im Jahr 2025 unter ihrer Prognose lag, was ein Ziel von 5 Prozent für 2026 erreichbarer machte. Sie hatte damals für 2026 ein Wachstum von 1 Prozent und eine Inflation von 1,4 Prozent erwartet. Seither hat sich das Defizit verschlechtert, und die Inflation stieg im September auf 3,1 Prozent im Jahresvergleich. Auch das INSEE hat seine Wachstumsprognose deutlich gesenkt. Moody's hatte zuvor eine Schwächung der Fähigkeit des Parlaments, den Kreditherausforderungen des Landes zu begegnen, anhaltende Schwierigkeiten bei der Senkung des Defizits sowie eine dauerhafte Aussetzung oder Rücknahme der Rentenreform als Faktoren genannt, die zu einer Herabstufung führen könnten.
Reaktion der Regierung
Premierminister Sébastien Lecornu schrieb auf X, die Entscheidung widerspreche den pessimistischen Vorhersagen vieler Experten und derjenigen, die über die französische Verschuldung spekulierten. Seit Ende August haben Proteste das Land in Unruhe versetzt, und der von der Regierung vorgelegte Haushaltsplan für 2027 ist noch nicht beschlossen. Die Rating-Entscheidung lässt der Regierung nur ein enges Zeitfenster, um den Plan vor Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs zu verabschieden.