
Österreichische Schriftstellerin Monika Helfer, Autorin der Familientrilogie ‚Die Bagage‘, stirbt nach Sturz mit 78 Jahren
Die in Vorarlberg geborene Schriftstellerin, bekannt für ihre klare, unsentimentale Prosa und die millionenfach verkaufte autofiktionale Familientrilogie, die mit ‚Die Bagage‘ begann, starb am 2. August 2026, wie ihr Verlag Hanser bestätigte.
Monika Helfer, die österreichische Schriftstellerin, deren knappe, präzise Romane ihre eigene zerrüttete Familiengeschichte zu einem literarischen Phänomen machten, starb am Sonntag nach einem Sturz. Sie wurde 78 Jahre alt. Ihr Verlag Hanser gab den Tod am Sonntagnachmittag bekannt und bezeichnete ihn als plötzlich.
Eine Stimme der Klarheit und des Mitgefühls
Helfer veröffentlichte seit den 1970er Jahren Romane, Erzählungen und Kinderbücher und erhielt zahlreiche Auszeichnungen in ihrem Heimatland. Ihr Verleger Jo Lendle sagte, sie habe mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht, und ihr Tod bedeute einen Verlust an Schönheit. Im Januar 2026 erhielt sie die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz für ihre Verdienste um die deutsche Sprache; die Laudatio würdigte einen Stil, der von Klarheit, Mitgefühl und einer oft leisen, aber durchdringenden Sprache geprägt sei. Weitere Ehrungen waren das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, I. Klasse, und der Angelus-Literaturpreis für ‚Die Bagage‘.
Monika Helfer hat mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht. Mit ihrem Tod verlieren wir Schönheit.
Die Familientrilogie
Ein breites Lesepublikum entdeckte Helfer mit dem 2020 erschienenen Roman ‚Die Bagage‘, der die Geschichte ihrer Großeltern und deren Kinder, insbesondere ihrer Mutter Grete, erzählt. Das Buch wurde zum Bestseller und wurde von zwei weiteren autofiktionalen Werken ergänzt, die eine Familientrilogie vollendeten. ‚Vati‘ (2021), das für den Deutschen Buchpreis nominiert war, stellt ihren Vater als Büchermenschen in den Mittelpunkt und untersucht ihre Kindheit sowie ihre Beziehungen zu ihren beiden Schwestern und ihrem Bruder. ‚Löwenherz‘ (2022) verarbeitet das Leben und den frühen Tod ihres Bruders Richard, der sich mit dreißig Jahren das Leben nahm.
Verlust als Teil des Werks
Der Tod kam früh und oft in Helfers Familie. Ihre Mutter starb, als Helfer elf Jahre alt war. Der Selbstmord ihres Bruders Richard folgte. Im Jahr 2003 starb ihre Tochter Paula Köhlmeier, eines von zwei Kindern, die Helfer mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, hatte, im Alter von 21 Jahren bei einem Wanderunfall. Helfer verarbeitete diesen Verlust in ihrem 2010 erschienenen Roman ‚Bevor ich schlafen kann‘, in dem ein alternder Psychiater sich mit einem zwölfjährigen Mädchen anfreundet, das eindeutig Paula nachempfunden ist. Das Buch ist ein zartes, ergreifendes Porträt ihrer Tochter und deutet den tödlichen Sturz an: ‚Des Waldes Dunkel zieht mich an, doch muss zu meinem Wort ich stehen und Meilen gehen, bevor ich schlafen kann.‘
Fokus auf den Blick des Kindes
Schwierige Familienbeziehungen aus der Perspektive von Kindern waren ein wiederkehrendes Thema. In ‚Oskar & Lili‘, 2020 verfilmt, folgt Helfer zwei tschetschenischen Flüchtlingskindern und ihrer Mutter, die in Österreich schnell auseinandergerissen werden. Ihr Debüt ‚Eigentlich bin ich im Schnee geboren‘ (1977) enthielt Illustrationen ihres Bruders, und ihr erster Roman ‚Die wilden Kinder‘ gab einen Ton vor, der in ihrem späteren Werk nachhallen sollte. Zu den späteren Büchern gehören ‚Die Jungfrau‘ (2023) über eine lebenslange Freundschaft mit einer Schulfreundin namens Gloria, ‚Der Bücherfreund‘ mit Illustrationen von Kat Menschik, der Gedichtband ‚Bitte schick mir eine Droge‘ und die Erzählung ‚Wer bist du‘.
Geboren 1947 in Au im Vorarlberg, hatte Helfer vier Kinder und war seit 1981 mit Michael Köhlmeier verheiratet.

