
Bombenanschlag in Monaco auf ukrainischen Oligarchen Wadim Ermolajew – drei Verletzte bei erstem derartigen Anschlag
Vor einem Wohnhaus in Monaco detonierte ein Sprengsatz. Der ukrainische Geschäftsmann Wadim Ermolajew und seine Partnerin wurden lebensgefährlich verletzt, ein 13-jähriger Junge schwer. Es ist der erste derartige Anschlag in der Geschichte des Fürstentums.
Kurz nach 21:00 Uhr Ortszeit am Montag, dem 29. Juni, explodierte ein in einem Rucksack oder einer Tasche versteckter Sprengsatz am Eingang des Apartmentgebäudes „Sun's Palace“ nahe der Rue Révérend-Père-Louis-Frolla, unweit der Mittelmeerküste Monacos. Die Explosion schleuderte Schrapnelle – darunter Muttern, Bolzen und Schrauben –, die nach Angaben der Behörden maximale Verletzungen verursachen sollten. Überwachungsaufnahmen zeigen einen Mann, der die Tasche wenige Minuten zuvor in der Eingangshalle ablegte und dann zu Fuß floh.
Opfer
Bei der Explosion wurden ein Paar lebensgefährlich und ein 13-jähriger Junge schwer verletzt. Die Erwachsenen, beide zwischen 50 und 60 Jahre alt, wurden ins Pasteur-Krankenhaus in Nizza, Frankreich, gebracht; der Teenager erhielt vor Ort Erste Hilfe. Obwohl die monegassischen Behörden offiziell keine Namen nannten, bestätigte eine AFP-Quelle frühere Berichte von BFMTV, wonach es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadim Ermolajew und seine Partnerin handelt. Innenminister Christophe Mirmand erklärte, der Junge habe „sehr wahrscheinlich eine familiäre Beziehung zu dem Paar“.
Zielprofil
Wadim Ermolajew, laut Rangliste der 23. reichste Ukrainer, ist Gründer der Alef-Gruppe, eines Handels- und Industriekonzerns mit Schwerpunkt auf Immobilien, Alkoholproduktion und Landwirtschaft. Er lebt in Monaco und besitzt angeblich auch die zypriotische Staatsbürgerschaft. Im Dezember 2023 verhängte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine zehnjährige Sanktionen gegen ihn, bestätigt von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Grund waren Vorwürfe, seine Unternehmen hätten nach 2014 weiterhin auf der von Russland annektierten Krim operiert, insbesondere durch Alkoholverkäufe. Ermolajew hat die Anschuldigungen öffentlich bestritten. Im Dezember 2025 wurde sein Sohn Artur von Interpol auf Zypern festgenommen, später jedoch gegen Kaution aus einem estnischen Gefängnis entlassen.
Ermittlungen und Fahndung
Monacos Generalstaatsanwalt Stéphane Trimbo erklärte, der Sprengsatz sei in einer Tasche oder Verpackung im Eingang des Gebäudes platziert gewesen; der Verdächtige sei sofort geflohen. Die Polizei leitete eine groß angelegte Fahndung ein und veröffentlichte eine Beschreibung: ein Mann mit schwarzer Mütze, Sportjacke, weißen Jeans und Turnschuhen. Die Ermittler prüfen Aufnahmen, die darauf hindeuten, dass der Täter in Richtung der französischen Stadt Beausoleil entkommen sein könnte, die nur 2–5 Kilometer entfernt liegt. Regierungssprecher Lionel Beffre sagte, man prüfe mögliche weitere Verletzte. Mirmand bezeichnete den Anschlag als „höchstwahrscheinlich vorsätzlich“ und verwies auf das Schrapnell im Inneren des Geräts.
Reaktionen
Fürst Albert II. verurteilte die „abscheuliche Tat“ in einer Erklärung und sprach von einem „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Er gelobte, das Fürstentum werde „vereint und entschlossen gegen Gewalt und Kriminalität“ bleiben.
Nach meinem Kenntnisstand ist es das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum stattgefunden hat.
Monaco, ein Steuerparadies an der französischen Riviera mit extrem niedrigen Kriminalitätsraten, steht nun vor einem Vorfall, der seinen Ruf als sicherer Ort erschüttert.


