
Ex-Model sagt vor Hamburger Gericht, er habe 10.000 Euro für die Entführung der Block-Kinder erhalten – inspiriert von James Bond
Jonathan C., ein ehemaliges Model und Fitnesstrainer, sagte am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht aus, er sei angeworben worden, um zwei Kinder in Dänemark von ihrem Vater zu entführen. Er habe geglaubt, der Einsatz sei legal und von dem Wunsch getrieben, Gutes zu tun.
Die Aussage
Jonathan C., der heute Jonathan G. heißt, erschien am 62. Verhandlungstag des Block-Prozesses in Hamburg als Zeuge. Der 35-Jährige, der zuvor als Model und Fitnesstrainer gearbeitet und elf Jahre in Hamburg gelebt hatte, schilderte, wie er im Dezember 2023 in ein Team aufgenommen wurde, das von einer israelischen Sicherheitsfirma zusammengestellt worden war. Man habe ihm gesagt, die Mission sei legal und ziele darauf ab, zwei Kinder der Familie Block vor einem schrecklichen Vater zu retten.
Wir waren aufgeregt und ein bisschen ängstlich.
Er sagte, er habe für seine Rolle 10.000 Euro erhalten. Seine Aufgabe sei es gewesen, mit den Kindern zu kommunizieren, da er Deutsch sprach. Die Gruppe verwendete Decknamen: Er war „Nils Holgersson“, während Mitglieder mit Kampfsport-Erfahrung „Ninjas“ genannt wurden. Er räumte ein, nicht alle seine Fragen beantwortet bekommen zu haben, fühlte sich aber geehrt, von jemandem angesprochen zu werden, den er für einen Mossad-Agenten hielt.
Man sieht James-Bond-Filme und will dann Teil von so etwas sein.
Die Entführung
In der Silvesternacht 2023 sahen die beiden Kinder in Gråsten, Dänemark, Feuerwerk, als sie in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht wurden. Die Aktion soll von ihrer Mutter Christina Block in Auftrag gegeben worden sein, im Zuge eines langwierigen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel. Die Kinder hatten zuvor bei ihrem Vater in Dänemark gelebt.
- Jonathan C. vom Chef der israelischen Sicherheitsfirma David B. angeworben
- Kinder aus Gråsten, Dänemark, entführt und nach Deutschland gebracht
- Jonathan C. gibt Medieninterviews aus Israel
- Jonathan G. sagt unter sicherem Geleit vor dem Hamburger Gericht aus
Die Angeklagten
Christina Block, Tochter des Block-House-Steakhausketten-Gründers Eugen Block, wird beschuldigt, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe und behauptet, die israelische Sicherheitsfirma habe eigenmächtig gehandelt. Sechs weitere Angeklagte müssen sich ebenfalls vor Gericht verantworten. Alle gelten als unschuldig. Ein Verteidiger hatte das Team zuvor als „bunte Truppe“ bezeichnet.
Sicheres Geleit und juristisches Gezerre
Jonathan G. wurde sicheres Geleit für seine Aussage gewährt, ebenso wie drei weiteren Männern und einer Frau aus Israel. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, seine Rolle sei nicht bedeutend genug für diesen Schutz, doch das Ermittlungsgericht sah dies anders. Das sichere Geleit bewahrt ihn vor Untersuchungshaft, obwohl er und die anderen später noch angeklagt werden könnten.


