
Rentenkommission schlägt Abschaffung der Minijobs vor – betrifft 6,8 Millionen Beschäftigte
Ein Vorschlag der Rentenkommission zur Abschaffung des Minijob-Systems in Deutschland würde rund 6,8 Millionen Menschen betreffen, überwiegend Frauen sowie Beschäftigte in Gastgewerbe und Einzelhandel, und entfacht eine hitzige Debatte.
Seit 2003 erlaubt Deutschland geringfügige Beschäftigungen (Minijobs) mit einer monatlichen Verdienstgrenze von 603 Euro und ohne Sozialversicherungsbeiträge für den Arbeitnehmer. Nun empfiehlt die Rentenkommission, diese Jobs abzuschaffen und in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren. Der Vorschlag hat eine scharfe Kluft zwischen Arbeitgeberverbänden, die vor Betriebsstörungen warnen, und Gewerkschaften, die die Änderung befürworten, ausgelöst.
Wie viele Menschen sind betroffen
Laut Minijob-Zentrale gab es zuletzt 6.554.876 gewerbliche Minijobs sowie 252.372 in Privathaushalten, insgesamt rund 6,8 Millionen. Fast zwei Drittel der gewerblichen Minijobber sind zwischen 24 und 64 Jahren alt. Die größten Branchen sind Handel und Gastgewerbe.
- Gewerblich
- 6554876
- Privathaushalte
- 252372
Frauen stellen 55,9 % der Minijobber, Ausländer 18,3 %. Insgesamt erwirtschafteten Minijobs im ersten Quartal 1,3 Milliarden Euro an Rentenbeiträgen und 1,02 Milliarden Euro an Krankenversicherungsbeiträgen.
- Frauen
- 55.9 %
- Männer
- 44.1 %
- Rentenversicherung
- 1.3 Mrd. €
- Krankenversicherung
- 1.02 Mrd. €
Was Arbeitgeber und Gewerkschaften sagen
Die Gastronomie ist besonders alarmiert.
Arbeitgeberverbände lehnen die Abschaffung weitgehend ab, während die Gewerkschaften sie unterstützen. CSU-Chef Markus Söder schlug einen vorsichtigen Ton an:Die Vorschläge der Rentenkommission ignorieren die betriebliche Realität und wären eine Katastrophe für das Gastgewerbe.
Minijobs sind ein sensibles Thema; wir dürfen kein Porzellan zerschlagen.
Expertenmeinungen zur Minijob-Falle
Arbeitsmarktexperten kritisieren Minijobs seit langem. Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, hebt das Paradoxon hervor:
Sie argumentiert, dass Minijobs, ähnlich wie das Ehegattensplitting, als staatlicher Anreiz für geringe Arbeitszeiten wirken. Der Forscher Ulrich Walwei vom IAB stellte in einer Stellungnahme für den Bundestag 2021 fest, dass Minijobs ein hohes Risiko für Niedriglöhne und Armut bergen, reguläre Beschäftigung verdrängen und nur selten als Brücke in sozialversicherungspflichtige Jobs dienen.Deutschland gehört zu den europäischen Ländern mit einer hohen Frauenerwerbsquote, aber die Zahl der von Frauen geleisteten Arbeitsstunden gehört zu den niedrigsten auf dem Kontinent.


