
IWU-Studie: Jeder dritte Mieterhaushalt in Deutschland durch Wohnkosten überlastet – Neumieten treiben Anstieg
Rund 6,6 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland geben mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für Miete und Heizung aus, so eine neue Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Deutschen Mieterbundes.
Das Ausmaß der Belastung
Eine Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Deutschen Mieterbundes zeigt, dass rund 6,6 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland durch Wohnkosten überlastet sind. Das entspricht etwa jedem dritten der knapp 20 Millionen Mieterhaushalte des Landes. Die Studie definiert Überlastung als Ausgaben von mehr als 30 Prozent des Nettohaushaltseinkommens für Kaltmiete und Heizkosten.
Innerhalb dieser Gruppe geben rund 3,2 Millionen Haushalte mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Wohnen aus, weitere 3,4 Millionen zwischen 30 und 40 Prozent. Die Studie basiert auf Daten des Mikrozensus 2022, aktualisiert auf das Niveau von 2024 mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Die Bundesregierung muss die Mieter jetzt vor weiteren Belastungen schützen.
Geringverdienende am stärksten betroffen
Die Studie hebt den akuten Druck auf einkommensschwache Haushalte hervor. 42 Prozent aller Mieterhaushalte, also 8,3 Millionen, gehören zum unteren Drittel der Einkommensverteilung mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltseinkommen von 1.417 Euro pro Monat. Für die unteren 10 Prozent der Einkommensverteilung erreicht die durchschnittliche Wohnkostenbelastung 60 Prozent.
Das Statistische Bundesamt meldet mit einem strengeren Schwellenwert eine niedrigere Zahl. Seine Daten zeigen, dass 2025 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland durch Wohnkosten überlastet waren, wobei Überlastung erst dann definiert wird, wenn ein Haushalt mehr als 40 Prozent seines Einkommens für Wohnen ausgibt.
Neumieten treiben Kosten stark in die Höhe
Ein Haupttreiber der gestiegenen Belastung sind die Kosten für kürzlich abgeschlossene Mietverträge. Die Studie zeigt, dass die Mieten in Verträgen, die ab 2020 abgeschlossen wurden, im Durchschnitt gut ein Fünftel höher sind als in älteren Verträgen. Die Wohnkostenbelastung dieser Haushalte beträgt 33 Prozent, verglichen mit einem niedrigeren Satz für diejenigen, die vor 2020 eingezogen sind.
Der Effekt ist in Großstädten am stärksten ausgeprägt. In Berlin liegen die Mieten für Verträge nach 2020 um 29 Prozent über dem Durchschnitt aller Mietverträge. In München beträgt der Wert 26 Prozent, in Frankfurt 25 Prozent. In Ballungsräumen übersteigt die gesamte Wohnkostenbelastung 30 Prozent und steigt bei Neuverträgen auf über 35 Prozent.
- Berlin
- 29 %
- München
- 26 %
- Frankfurt
- 25 %
Forderungen nach politischen Maßnahmen
Melanie Weber-Moritz, Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, bezeichnete die Zahlen als alarmierend und forderte einen stärkeren Mieterschutz. Sie forderte die Bundesregierung auf, die geplanten strengeren Strafen für Mietwucher durchzusetzen und die Mietpreisbremse zu verschärfen.
Die Spirale immer weiter steigender Mieten muss gestoppt werden. Dazu muss die Bundesregierung die geplante strengere Bestrafung von Mietwucher durchsetzen, die Mietpreisbremse verschärfen und Verstöße mit empfindlichen Geldbußen ahnden, damit Mieter endlich vor illegalen Mieterhöhungen geschützt werden.
Der Verband fordert, die Mietpreisbremse, die derzeit auf angespannte Wohnungsmärkte beschränkt ist und 2029 ausläuft, dauerhaft und bundesweit zu machen. Er fordert zudem, den Bestand an Sozialwohnungen von derzeit 1,1 Millionen Einheiten bis 2030 auf mindestens 2 Millionen zu erhöhen und mehr öffentlichen Wohnungsbau zu schaffen, um ein dauerhaft preisreguliertes und bezahlbares Segment auf dem Mietmarkt zu etablieren.


