
50Hertz vergibt 2,5‑Milliarden‑Auftrag für Nordsee‑Konverterplattform an Rostocker Werft
Der deutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat einem Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders den Auftrag für eine 2‑GW‑Offshore‑Konverterplattform erteilt. Ein zweiter identischer Auftrag wird noch verhandelt und könnte das Gesamtvolumen auf 2,5 Milliarden Euro steigen lassen.
Auftrag und Konsortium
Der deutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat den Auftrag für die Netzanbindung North Sea Connector 2 an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe) vergeben. Er umfasst eine Offshore‑Konverterplattform und eine landseitige Station, beide nach dem neuen 2‑Gigawatt‑Standard gebaut. Ein zweites identisches System wird mit demselben Konsortium verhandelt. Sollte es zustande kommen, würden die beiden Projekte für NSORe ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Euro erreichen, wobei der Großteil der Wertschöpfung in Deutschland bleibt.
Es beweist, dass heimische Werften jetzt wettbewerbsfähige Angebote für den Bau von Offshore‑Plattformen einreichen können.
Wo gebaut wird
Die Hauptkonstruktion und Montage erfolgt auf der Neptun Werft in Rostock‑Warnemünde, die zur Meyer‑Werft‑Gruppe gehört. NSORe ist ein 2023 gegründetes Joint Venture zwischen der Rostocker Werft und dem belgischen Stahlbauunternehmen Smulders. Siemens Energy stattet die Plattform mit Übertragungstechnik (Transformatoren, Schaltanlagen, Umrichter) aus, die größtenteils in deutschen Werken gefertigt wird. Die Offshore‑Plattform soll rund 200 Kilometer westlich der Insel Sylt installiert werden; die landseitige Konverterstation ist für eine neue Umspannanlage nahe Mühlenbeck bei Schwerin geplant.
Arbeitsplätze und wirtschaftliche Auswirkungen
Mecklenburg‑Vorpommern dürfte erheblich profitieren. Laut NDR könnten auf der Neptun Werft bis zu 500 tariflich gebundene Arbeitsplätze und weitere 500 Stellen bei Zulieferern entstehen. Anderen Berichten zufolge werden mindestens 500 neue Arbeitsplätze in den Unternehmen und ihren Lieferketten in der Region geschaffen. Der Auftrag gibt auch der angeschlagenen Meyer‑Werft‑Gruppe einen entscheidenden Schub, die seit 2024, nachdem Bund und Land Anteilseigner geworden sind, umstrukturiert wird.
Der Auftrag bestätigt unsere strategische Entscheidung, unser Geschäftsmodell gezielt in Richtung Offshore‑Energieinfrastruktur weiterzuentwickeln.
Politische Zustimmung
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete die Vergabe als ermutigendes Signal für die deutsche Industrie. Mecklenburg‑Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach von einem großen Tag für ihr Land. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, in dessen Bundesland die Meyer‑Werft ihren Hauptsitz hat, betonte, der Auftrag eröffne der Werft ein zusätzliches Geschäftsfeld und helfe, ihre Finanzen zu stabilisieren.
Vor dem Hintergrund eines veränderten geopolitischen Umfelds und wachsender Handelskonflikte ist deutlich geworden, wie wichtig resiliente Lieferketten und technologische Souveränität sind.
Technologie und Zeitplan
Konverterplattformen wandeln den von Offshore‑Windparks erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um, was eine verlustarme Übertragung über große Entfernungen ermöglicht. An Land wird der Strom wieder in Wechselstrom umgewandelt und ins Netz eingespeist. Die neue 2‑GW‑Plattform ist von der Größe mit einer Ölplattform vergleichbar und kann rechnerisch rund zwei Millionen Haushalte versorgen. Die Inbetriebnahme von North Sea Connector 2 ist für Ende 2034 geplant. Der Ausbau der Nordsee‑Windkraft wurde auf einem Gipfel in Hamburg im Januar 2026 bekräftigt, bei dem die nordeuropäischen Staaten zusagten, zusätzlich 100 GW Offshore‑Windkraft zu errichten, auch um die Abhängigkeit von ausländischen Energieversorgern angesichts der Spannungen mit Russland und der Unsicherheit über die transatlantischen Beziehungen zu verringern.


