Spanien entsendet Armee nach Ceuta, nachdem Tausende Migranten aus Marokko die Grenze überqueren – ein Toter
Mindestens ein Mensch starb, als am Donnerstag Tausende Migranten, überwiegend junge Männer, schwimmend und über Zäune aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangten. Madrid entsandte daraufhin 60 Soldaten, und der Regionalpräsident erklärte einen „absoluten humanitären Notstand“.
Massenübertritt und ein Todesfall
Am Donnerstag gelangten Hunderte Migranten, überwiegend junge Männer und Teenager, von Marokko nach Ceuta. Einige schwammen mit Flossen und Neoprenanzügen, andere überwanden den kurzzeitig unbewachten Grenzzaun. Marokkanische Hilfskräfte zogen sich zurück, als die Jugendlichen passierten. Aufnahmen zeigten Berge weggeworfener Flossen, Schwimmwesten und Neoprenanzüge an einem Strand. Mindestens eine Person starb beim Übertritt. Die Neuankömmlinge kamen zu den mehr als 1.500 Migranten hinzu, die in der Vorwoche die Exklave erreicht hatten – durchschnittlich etwa 200 pro Tag, so Ceutas Präsident. Der staatliche Sender TVE berichtete, dass allein am Donnerstag zwischen 2.000 und 3.000 Menschen die Grenze überquerten. Einige riefen beim Betreten „Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien“ oder „Es lebe Spanien“.
Überlastetes Aufnahmesystem
Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas erklärte, der Zustrom habe die Aufnahmekapazität der Stadt bei Weitem überschritten. Einrichtungen für unbegleitete Minderjährige seien zu 2.400 % ihrer vorgesehenen Kapazität ausgelastet, Hunderte schliefen im Freien. In Radiointerviews bezeichnete Vivas die Lage als „absoluten humanitären und sozialen Notstand“ und forderte Madrid auf, den Notstand auszurufen. Er verlangte eine „entschlossene, dynamische und koordinierte Reaktion unter einer einheitlichen Führungsstruktur“. Ein Anwohner, der versuchte, den Migranten zu helfen, sagte anonym: „Mein Herz bricht, wenn ich sehe, wie viele Menschen leiden und wie viele auf dem Weg ertrunken sind.“
Wir stehen vor einer Situation des absoluten humanitären und sozialen Notstands.
Reaktion der Regierung und Militäreinsatz
Das spanische Innenministerium kündigte die Entsendung von 60 Angehörigen der Streitkräfte zur Verstärkung der Guardia Civil in Ceuta an. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte, die Regierung mobilisiere „alle notwendigen Ressourcen“ und arbeite mit den marokkanischen Behörden zusammen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska wird am Freitag nach Ceuta reisen, um sich mit lokalen Vertretern zu treffen. Er lobte die „vorbildliche Zusammenarbeit“ Marokkos und sagte, beide Länder würden Maßnahmen ergreifen, um Migranten „so schnell wie möglich“ zurückzuführen. Das Ministerium betonte, es könne aus migrationspolitischen Gründen keinen nationalen Notstand ausrufen.
Die spanische Regierung ist voll und ganz entschlossen, eine sofortige Antwort auf die Situation zu geben, die sich in Ceuta entwickelt hat. Wir mobilisieren alle notwendigen Ressourcen, arbeiten mit den marokkanischen Behörden und unseren internationalen Partnern zusammen und bereiten die notwendigen Maßnahmen vor, um so schnell wie möglich wieder zur Normalität zurückzukehren.
Diplomatischer Kontext und der Präzedenzfall von 2021
Ceuta und Melilla sind Spaniens zwei autonome Städte an der nordafrikanischen Küste und bilden die einzigen Landgrenzen der EU mit Afrika. Ceuta mit etwa 85.000 Einwohnern steht seit 1580 unter spanischer Hoheit. Marokko beansprucht beide als „besetzte Gebiete“. Der aktuelle Zustrom ist der größte seit Mai 2021, als innerhalb von zwei Tagen mehr als 8.000 Menschen nach Ceuta gelangten, nachdem Rabat die Grenzkontrollen gelockert hatte. Dieser Schritt wurde weithin als Vergeltung für Spaniens Entscheidung gewertet, den Anführer der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung in einem Krankenhaus zu behandeln. Die Krise entspannte sich, nachdem Spanien seine Haltung zu dem Territorium änderte und Ministerpräsident Sánchez König Mohammed VI. traf.
Rechtlicher Hintergrund und Schleusernetzwerke
Der Zustrom folgt auf ein aktuelles Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs, wonach auf See abgefangene Migranten nicht summarisch im Rahmen einer Sonderregelung zurückgewiesen werden dürfen. Das Innenministerium beschuldigte Menschenhändlernetzwerke, Gerichtsentscheidungen auszunutzen, um irreguläre Migration zu fördern. Das marokkanische Innenministerium hat sich noch nicht geäußert.
Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs war es ein stetiger Fluss, aber heute war es eine Explosion.
- Hunderte Migranten gelangen schwimmend und über Zäune nach Ceuta; eine Person stirbt.
- Spanien kündigt die Entsendung von 60 Militärangehörigen zur Unterstützung der Polizei an.
- Innenminister Fernando Grande-Marlaska reist nach Ceuta.


