
Friedrich Merz bezeichnet Wartezeiten in der deutschen Krankenversicherung als Gerechtigkeitsproblem
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte Pläne an, Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung auch auf private Anbieter anzuwenden, nach Wahlniederlagen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Aussagen zu Ungleichheiten im Gesundheitswesen
Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender Friedrich Merz thematisierte die Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung während einer Pressekonferenz in Berlin am 21. September 2026. Nach Wahlniederlagen seiner Partei in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern räumte Merz ein, dass der Zugang zur medizinischen Versorgung die Wählerentscheidungen beeinflusst habe. Er erklärte, dass die Wahrnehmung, Privatversicherte erhielten sofortige Behandlung, während gesetzlich Versicherte Wochen oder Monate warten müssten, ein grundlegendes Gerechtigkeitsproblem darstelle. Merz verwies auf Gespräche mit dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der während einer CDU-Bundesvorstandssitzung anmerkte, dass das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung das Vertrauen der Bevölkerung schädige. In seinen Ausführungen wies der Kanzler darauf hin, dass die Koalition zuvor vereinbart hatte, Entscheidungen der gesetzlichen Krankenversicherung mit gleicher Wirkung auf die private Versicherung zu übertragen – eine Initiative, die noch nicht umgesetzt wurde.
Es gibt gute Gründe für beide Systeme, aber wenn die Bevölkerung dies als ein derart massives Problem ansieht – und ich teile diese Einschätzung – dann müssen wir etwas daran ändern. Und genau darüber werden wir sprechen.
Klarstellungen aus dem Kanzleramt
Nach den ersten Äußerungen bemühte sich das Bundeskanzleramt, den Umfang der Aussagen des Kanzlers zum dualen Krankenversicherungssystem zu präzisieren. Ein Regierungssprecher erklärte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe, der Kanzler habe das übergeordnete System der Krankenversicherung an sich nicht infrage gestellt. Der Sprecher merkte an, dass Merz auf ein wachsendes öffentliches Ungerechtigkeitsgefühl hingewiesen habe, das aus unterschiedlichen medizinischen Leistungen für gesetzlich und privat Versicherte resultiere. Die aktuellen gesetzgeberischen Bemühungen im Rahmen des GKV-Beitragsentlastungsgesetzes zielen darauf ab, die Finanzen durch milliardenschwere Ausgabenkürzungen auszugleichen – Maßnahmen, von denen privat Versicherte bisher ausgenommen blieben. Die für den Herbst geplanten Gespräche der schwarz-roten Koalition konzentrieren sich darauf, ob Anpassungen bei den gesetzlichen und privaten Renten- und Pflegesystemen erforderlich sind, um die Beitragssätze für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu stabilisieren.
- Karl-Josef Laumann thematisiert die Unterschiede in der Krankenversicherung auf der CDU-Bundesvorstandssitzung.
- Friedrich Merz bezeichnet die Wartezeitunterschiede bei Ärzten als Gerechtigkeitsproblem während einer Pressekonferenz in Berlin.
- Das Bundeskanzleramt stellt klar, dass der Kanzler nicht plant, das duale Krankenversicherungssystem abzuschaffen.
Reaktionen aus Koalition und Opposition
Die Äußerungen des Kanzlers lösten sofortige Reaktionen von politischen Verbündeten, Oppositionsvertretern und Patientenvertretern aus. Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, begrüßte die Aussagen des Kanzlers und forderte, die Diskussion über Gerechtigkeit auf die Pflegeversicherung auszuweiten. Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion im Bayerischen Landtag, warnte während einer CSU-Klausur in Kloster Banz davor, notwendige Grenzen zu überschreiten, und argumentierte, dass Terminprobleme durch eine bessere Patientensteuerung gelöst werden sollten, anstatt das duale System abzuschaffen. Der grüne Gesundheitsexperte Janosch Dahmen argumentierte, dass die Wahlniederlagen den plötzlichen Fokus des Kanzlers auf medizinische Wartezeiten vorangetrieben hätten, und präsentierte konkrete Reformforderungen.
Termine nach medizinischer Dringlichkeit statt nach Versicherungsstatus, ein fairer Lasten- und Risikoausgleich zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung sowie eine solidarische Finanzierung, zu der jeder nach seinen Möglichkeiten beiträgt.
Eugen Brysch, Vorstandsmitglied der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Kanzler habe erkannt, dass das Nebeneinander beider Systeme die soziale Spaltung vertiefe, und fügte hinzu, dass die Patienten nun konkrete politische Vorschläge erwarteten.
Ankündigung von Wohnungsbaugesetzen
Neben den Äußerungen zum Gesundheitswesen ging Merz auf breitere politische Entwicklungen nach dem Wahlsieg der Linken in der Hauptstadt ein. Der Kanzler kündigte Pläne für eine schnelle Bundesgesetzgebung an, um die Enteignung oder Verstaatlichung privater Wohnungsbauunternehmen zu verbieten. Merz erklärte, dass erste Entwurfstexte zwischen dem Bundesministerium der Justiz und dem Bundesministerium des Innern abgestimmt worden seien, um den Gesetzgebungsprozess voranzutreiben. Er betonte, dass die Initiative darauf abziele, Rechtssicherheit zu schaffen und internationale Investoren zu beruhigen, dass Privateigentum in Deutschland nicht enteignet werde.


