
Angela Merkel enthüllt offizielles Porträt mit überraschender Abwesenheit: ihre charakteristische Handgeste
Fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt hat Angela Merkel endlich ihr offizielles Kanzlerporträt enthüllt – gemalt von einem bisher unbekannten 28-jährigen Künstler und auffällig ohne die ‚Merkel-Raute‘-Handgeste, für die sie berühmt war.
Ein Porträt, fünf Jahre in der Entstehung
Nach fast fünf Jahren außerhalb der Regierung enthüllte Angela Merkel am Dienstag im Berliner Bode-Museum ihr offizielles Staatsporträt. Die frühere Bundeskanzlerin wählte Jérémie Queyras, einen 28-jährigen französisch-deutschen Maler mit kaum öffentlichem Profil, um ihr Abbild zu schaffen. Merkel selbst kommentierte die ungewöhnliche Verzögerung mit einem Hauch von Selbstironie.
Es ist schon ein bisschen komisch, wenn man langsam Geschichte wird. Und so bin ich jetzt gelandet – aufgehängt.
Symbolik in Königsblau und Gold
In einem königsblauen Blazer stehend, vor einem honigfarbenen Hintergrund, eine Hand auf einer Fläche ruhend, die andere locker hängend, bricht Merkels Haltung mit der Tradition – alle ihre Vorgänger wurden sitzend dargestellt. Kleine Accessoires, eine Bernstein-Kette, ein Aktenordner und ein Briefbeschwerer, ersetzen traditionelle Machtinsignien. Der Kunsthistoriker Nikolaus Bernau bemerkte die bewusst konservative Komposition.
Es ist ein eher konservatives Bild. Die Person schaut einem direkt ins Gesicht. Frau Merkel stützt sich leicht ab, strahlt aber Autorität und Selbstbewusstsein aus.
Das am meisten diskutierte Detail des Porträts ist das, was es auslässt: die rautenförmige ‚Merkel-Raute‘-Handgeste, die zu einer visuellen Abkürzung für ihre 16-jährige Kanzlerschaft wurde. Stattdessen sind ihre Hände entspannt und laden zu einer anderen Lesart ein.
Ein 28-jähriger Unbekannter tritt gegen einen Giganten an
Jérémie Queyras, geboren in Paris mit deutschen und kanadischen Wurzeln, stieß auf Merkels Aufmerksamkeit, nachdem ein Mitarbeiter einige seiner Werke in Braunschweig gekauft hatte. Er schrieb der ehemaligen Kanzlerin, bekam ein Vorstellungsgespräch und wurde nach mehr als zwanzig Sitzungen beauftragt, zunächst in Merkels Wochenendhaus in Templin. Der Künstler beschrieb die Herausforderung, ein Gesicht zu malen, das jeder kennt.
Wie malt man einen Menschen, dessen Gesicht jeder schon gut kennt, der tausendfach fotografiert wurde? Ich glaube, wir waren uns beide einig, dass dieses Bild anders sein und sich langsam entwickeln sollte.
Merkel bezahlte das Porträt aus eigener Tasche und behielt das Privateigentum – was bedeutet, dass sie es aus der Kanzlergalerie zurückziehen könnte, wenn eine zukünftige Regierung ihr missfällt.
Generationen-Nostalgie und kritische Rezeption
Die Politikwissenschaftlerin Eva Hausteiner sah das Porträt als sehr ‚on brand‘ für Merkel: eine Mischung aus Schlichtheit, Klarheit und stiller Zuversicht. Die Wahl eines Gen-Z-Künstlers greife auch eine Welle der Nostalgie unter jungen Deutschen auf, die mit Merkel als einziger Kanzlerin aufgewachsen sind und ihre Ära nun als eine Zeit der Stabilität und Sicherheit romantisieren.
Es ist eine zurückhaltende, aber selbstbewusste Inszenierung. Sehr passend für ihren früheren politischen Stil.
Nicht alle Reaktionen waren begeistert. Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunstmagazins Monopol, gab zu, dass ihr erster Eindruck ‚ein bisschen enttäuschend‘ war, lobte aber die Augen.
Vom Museum in die Kanzlergalerie
Das Porträt wird drei Monate im Bode-Museum hängen, bevor es im Oktober ins Bundeskanzleramt umzieht, wo es sich an einer grauen Betonwand zu sieben anderen Kanzlerporträts gesellt. Jedes Gemälde spiegelt seine Ära wider – von Jörg Immendorffs ironischem, von Affen umgebenen Schröder bis zu Bernhard Heisigs grenzüberschreitendem Helmut Schmidt. Nun fügt Merkels Bild, größer als Schröders und aufrecht stehend, ein neues Kapitel hinzu.


