
Mercedes-Gewinn steigt um 13,5 %, aber China-Autoverkäufe brechen um 30 % ein – drückt auf den Ausblick für 2026
Der Konzernnettogewinn stieg im zweiten Quartal auf 1,09 Milliarden Euro – der erste Anstieg im Jahresvergleich seit dem zweiten Quartal 2023 – doch ein Einbruch der Pkw-Auslieferungen in China um 30 % zwang Stuttgart, seine Prognose für Gesamtjahresumsatz und -absatz zu senken.
Konzerngewinn beendet dreijährige Durststrecke
Mercedes-Benz erzielte im Zeitraum April bis Juni einen Nettogewinn von 1,09 Milliarden Euro, ein Plus von 13,5 % gegenüber 957 Millionen Euro im Vorjahr (Focus, Tagesspiegel, tagesschau.de). Es war das erste Mal seit dem zweiten Quartal 2023, dass der Dax-Konzern einen Anstieg des Quartalsergebnisses im Jahresvergleich verbuchte. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 21,5 % auf rund 1,55 Milliarden Euro, während der Umsatz um 3,3 % auf knapp über 32 Milliarden Euro sank.
Die Erholung auf Konzernebene wurde fast vollständig außerhalb der Pkw-Kernsparte erzielt. Die Transporter-Sparte steigerte ihr operatives Ergebnis um 83 %, der Finanzdienstleistungsarm legte um 92 % zu, berichtete das Handelsblatt. Auch ein vor mehr als einem Jahr gestartetes Kostensenkungsprogramm zeigte Wirkung: Die allgemeinen Verwaltungskosten lagen im ersten Halbjahr 14 % unter dem Vorjahreswert, und schätzungsweise 5.500 Mitarbeiter haben das Unternehmen im Rahmen eines im Frühjahr ausgelaufenen freiwilligen Programms verlassen (Handelsblatt).
Zusammenbruch im Pkw-Geschäft
Diese Gewinne wurden fast vollständig durch das dominierende Segment Mercedes-Benz Cars zunichtegemacht. Dessen unbereinigtes operatives Ergebnis brach von 783 Millionen Euro auf nur noch 49 Millionen Euro ein (DIE WELT). Die Zahl enthielt eine Wertberichtigung von mehr als 700 Millionen Euro auf chinesische Beteiligungen. Auch bereinigt fiel der Segment-Ebit um 26 % auf 909 Millionen Euro.
- H1 2024
- 9.6 %
- Q2 2025
- 6.2 %
- Q2 2026
- 4 %
Die bereinigte operative Marge vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten schrumpfte auf 4,0 %, nach 6,2 % im Vorjahr und 9,6 % im ersten Halbjahr 2024 (Handelsblatt). Mit 4,0 % liegt man am unteren Ende der unternehmenseigenen Zielspanne von 3 % bis 5 % für das Gesamtjahr.
China: Ein Rückgang um 30 %, den das Unternehmen nicht ausgleichen konnte
Mercedes verkaufte im zweiten Quartal 417.865 Pkw, knapp 7 % weniger als ein Jahr zuvor (tagesschau.de). In China brachen die Auslieferungen um 30 % ein, ein Rückgang, den das Management auf den verschärften Wettbewerbsdruck, einen ungünstigeren Modellmix und anlaufbedingte Kosten zurückführte (DIE WELT, Tagesspiegel). Steigende Volumina in Europa (plus 4 %) und den USA (plus 10 %) waren bei weitem zu gering, um dies auszugleichen.
Die gesamten Konzernauslieferungen inklusive Transporter erreichten rund 512.000 Fahrzeuge, ein Minus von 6 %. Die Schwäche in China zwang das Unternehmen zu einer Überarbeitung seiner Prognose für 2026. Mercedes erwartet nun für das Gesamtjahr Pkw-Verkäufe und Konzernumsatz leicht unter Vorjahresniveau, anstatt auf diesem Niveau zu bleiben (DIE WELT, N-tv).
Im zweiten Halbjahr konzentrieren wir uns darauf, unseren Kunden mehr neue Modelle zu bringen und unsere Kostenposition und Produktivität weiter zu verbessern.
Auslieferungen von Elektrofahrzeugen als Lichtblick
Die Verkäufe von batterieelektrischen Fahrzeugen gehörten zu den wenigen eindeutig positiven Aspekten. Das Unternehmen lieferte im Quartal 52.852 Elektroautos aus, 51 % mehr als ein Jahr zuvor, getrieben durch einen Anstieg von 87 % auf dem europäischen Markt (tagesschau.de). Die Einführung neuer Elektromodelle beschleunigt sich, auch wenn das Gesamtvolumen weiterhin nur einen Bruchteil der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausmacht.
Sparbemühungen und Arbeitskonflikte
Ein breites Effizienzprogramm beginnt, die Kostenbasis umzugestalten, führt aber auch zu Spannungen. Ende Juni verschärfte Mercedes seine Sparmaßnahmen, indem es eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung auf 2027 verschob und eine Debatte über die Arbeitskosten in Deutschland eröffnete, mit dem Vorschlag, dass die Mitarbeiter bei gleichem Lohn mehr arbeiten sollten. Der Schritt löste Proteste der Belegschaft aus (Focus).
Nach sechs Monaten liegt das Konzernergebnis bei rund 2,52 Milliarden Euro, ein Minus von 6,3 % im Jahresvergleich, während der Sechsmonatsumsatz um 4,1 % und das Ebit um 3,1 % zurückgingen (Focus, DIE WELT). Der längerfristige Trend ist deutlich: Der Jahresgewinn halbierte sich von 10,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2025 (DIE WELT), und die Aktie hat seit Jahresbeginn 2026 mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt (Süddeutsche Zeitung).
