
Meloni verurteilt belgischen Gewerkschaftsprotest bei Gedenkfeier für Grubenunglück in Marcinelle
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat belgische Gewerkschaftsmitglieder verurteilt, die sich während der 70. Gedenkfeier des Grubenunglücks von Bois du Cazier in Marcinelle am 8. August 2026 schweigend von Ignazio La Russa, Präsident des italienischen Senats, abgewandt hatten.
Die Zeremonie
Am Samstag, den 8. August 2026, versammelten sich mehrere hundert Menschen an der ehemaligen Steinkohlenzeche Bois du Cazier in Marcinelle bei Charleroi, um den 70. Jahrestag der schwersten Industriekatastrophe Belgiens zu begehen. Die Zeremonie begann mit der traditionellen Verlesung der Namen der 262 Bergleute, die am 8. August 1956 ums Leben kamen. Zwischen jedem verlesenen Namen läutete eine Glocke namens Maria Mater Opharnorum. Die Opfer stammten aus Italien, Belgien und zehn weiteren Ländern, was die Katastrophe zu einer Tragödie von europäischer Dimension machte. Das Gelände, einst eine aktive Kohlenzeche, ist heute ein Museum und ein Ort des Gedenkens. Nach diesem emotionalen Moment betraten nacheinander verschiedene Amtsträger die auf dem Gelände errichtete Bühne.
- Polizei von Charleroi beschlagnahmt antifaschistisches Banner und Plakate von Aktivisten
- Verlesung der Namen der 262 Opfer eröffnet die 70. Gedenkfeier
- De Wever, Van Cauwenberghe, Prévot und Dolimont halten Reden
- Gewerkschaftsmitglieder wenden während der Rede des italienischen Senatspräsidenten schweigend den Rücken zu
- Italienische Ministerpräsidentin verurteilt die Geste in den sozialen Medien als 'schwerwiegend und beschämend'
Offizielle Ehrungen
Der belgische Premierminister Bart De Wever (N-VA) würdigte die Opfer in einem auf dem sozialen Netzwerk X veröffentlichten Video und erklärte, Marcinelle habe Belgien und Europa in ihren Grundfesten erschüttert und nach dem Unglück seien Sicherheitsvorschriften und Arbeitsstandards verschärft worden.
Es ist ein Erbe, das wir jeden Tag bewahren müssen.
Er fügte hinzu, dass jüngste tödliche Brände auf Baustellen in Antwerpen und Brüssel, die mehrere Menschenleben forderten, daran erinnerten, dass Arbeitssicherheit niemals eine Selbstverständlichkeit sei. Jean-Claude Van Cauwenberghe, Präsident des Bois du Cazier, bezeichnete die Katastrophe vom 8. August 1956 als beispiellos und betonte die daraus erwachsende Pflicht zur Erinnerung, insbesondere da die Witwen der Opfer allmählich verstürben und eine unersetzliche Form lebendiger Zeugenschaft mit sich nähmen. Außenminister Maxime Prévot hob den europäischen Charakter des mit der Katastrophe verbundenen Gedenkens hervor, und der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont bezeichnete sie als eine Tragödie, die nie aufhören werde, gewürdigt zu werden.
Der Protest
Ignazio La Russa, Präsident des italienischen Senats und Mitglied der rechtsextremen Partei Fratelli d'Italia, betrat die Bühne, um eine Botschaft des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella zu verlesen. Wie einige Gewerkschaftsaktivisten befürchtet und erwartet hatten, handelten die Gewerkschaftsmitglieder im Einvernehmen: Sie wandten sich während seiner Rede schweigend ab und richteten ihren Protest persönlich gegen La Russa. Bereits früher am Tag hatte die Polizei von Charleroi gewaltsam ein Banner und Plakate einer kleinen Gruppe antifaschistischer Aktivisten beschlagnahmt, die gegen die Anwesenheit italienischer rechtsextremer Politiker bei der Gedenkfeier protestiert hatten. Das polizeiliche Einschreiten wurde als gewaltsam beschrieben. Der Bürgermeister von Charleroi, Thomas Dermine, sagte in seiner eigenen Rede, Charleroi sei eine antifaschistische Stadt, die in der Lage sei, Haltung zu zeigen, wenn Werte auf dem Spiel stünden.
Melonis Reaktion
Giorgia Meloni, Italiens Ministerpräsidentin und ebenfalls Mitglied der Fratelli d'Italia, verurteilte die Geste der Gewerkschaftsmitglieder auf ihren Social-Media-Kanälen und nannte sie einen 'schwerwiegenden und beschämenden Akt'. Sie charakterisierte den Protest als eine politische Auseinandersetzung, die in eine Geste der Verachtung gegenüber den Institutionen des italienischen Staates umgeschlagen sei.
Marcinelle ist nicht der Ort für politische Spaltungen. Es ist ein Ort der Erinnerung, des Respekts und der Würde der Arbeit. Diejenigen, die sich heute abgewandt haben, haben dies alles missachtet.


