
Giorgia Meloni räumt abgekühlte Beziehungen zu den USA ein nach Wochen des Schweigens mit Donald Trump
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat eingeräumt, dass die Beziehungen zu Donald Trump schwierig geworden sind, und bestätigt, dass die beiden Führungspersönlichkeiten seit mehreren Wochen nicht mehr miteinander gesprochen haben – Streitigkeiten über Handel, Iran und militärische Verpflichtungen.
Diplomatische Distanz nach anfänglicher Annäherung
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bestätigte in einem Interview mit Roger Cohen von der New York Times, dass der direkte Draht zum US-Präsidenten Donald Trump seit mehreren Wochen unterbrochen ist. Meloni, die als einzige europäische Regierungschefin zur Amtseinführung Trumps nach Washington gereist war, erklärte, dass sich die anfänglichen Erwartungen an eine reibungslose Zusammenarbeit trotz ideologischer Übereinstimmung in der Einwanderungskontrolle und der Anti-Woke-Politik nicht erfüllt hätten. Das Gespräch – von der amerikanischen Zeitung als seltenes Interview mit der Auslandspresse beschrieben – befasste sich mit dem Abbruch der Kommunikation zwischen Rom und Washington. Auf die Frage, ob die beiden Staatschefs nach der Sommerpause wieder miteinander sprechen würden, zögerte Meloni und antwortete dann: Man werde sehen.
Es liegt auf der Hand, dass ich mit Donald Trump dachte, die Dinge wären einfacher, angesichts unserer Übereinstimmung in der Einwanderungs- und Woke-Kultur. Die Dinge sind anders gelaufen.
Anhäufung bilateraler Streitigkeiten
Der diplomatischen Reibung gingen eine Reihe öffentlicher Auseinandersetzungen über Wirtschaftszölle, Verteidigungspolitik und den anhaltenden Iran-Krieg voraus. Die Spannungen eskalierten im Januar, nachdem Trump alliierte Streitkräfte in Afghanistan herabgewürdigt hatte, indem er behauptete, sie hätten sich hinter den Frontlinien aufgehalten. Der Kommentar rief scharfe Kritik in Rom hervor, wo politische Führer das Andenken der 53 im Konflikt getöteten italienischen Soldaten verteidigten. Die Entfremdung verschlimmerte sich im Juni nach dem G7-Gipfel in Évian, als Trump behauptete, Meloni habe ihn um ein gemeinsames Foto angefleht, woraufhin Meloni öffentlich erwiderte, dass weder sie noch Italien jemals betteln. Während des anschließenden NATO-Gipfels in Ankara vermieden beide Führungspersönlichkeiten bilaterale Gespräche und hielten Distanz.
- Donald Trump kritisiert die Kampfkraft alliierter Truppen in Afghanistan, was in Italien Empörung über die 53 gefallenen Soldaten auslöst.
- Trump behauptet, Meloni habe nach dem G7-Gipfel in Evian um ein gemeinsames Foto gebeten; Meloni widerspricht öffentlich.
- Meloni und Trump vermeiden bilaterale Gespräche und halten während der Bündnistreffen Distanz.
- Meloni bestätigt in einem Interview, dass die Kommunikation mit Trump seit mehreren Wochen ruht.
Strategische Autonomie und nationaler Stolz
Meloni betonte, dass persönliche Reibungen mit dem Weißen Haus den außenpolitischen Rahmen Italiens nicht diktieren oder seine breiteren transatlantischen Verpflichtungen gefährden würden. Sie unterstrich, dass Rom eine unabhängige Haltung bewahren werde, statt sich dem Druck aus Washington zu beugen, und merkte an, dass ihre oberste politische Regel sei, mit direkter Überzeugung zu sprechen. In dem Interview äußerte sich Meloni zudem zur italienischen Geschichte und bezeichnete den Faschismus als eine besonders komplexe Periode für das Land, während sie wiederholte, dass persönliche Beziehungen zwischen Regierungschefs nicht die italienische Geostrategie bestimmen.
Ich glaube weiterhin, dass die Einheit des Westens sehr wichtig ist. Ich entscheide nicht über die italienische Strategie auf der Grundlage meiner persönlichen Beziehungen.
Innerstaatlicher Migrationsstreit und europäische Politik
Neben der transatlantischen Diplomatie sprach Meloni auch innenpolitische Spannungen in der europäischen Asylpolitik an, nachdem die Niederlande als sechster EU-Mitgliedstaat angekündigt hatten, Asylsuchende im Rahmen des Dublin-Systems nach Italien zu überstellen. Der Sekretär der Demokratischen Partei, Elly Schlein, kritisierte die Regierung für einen politischen Bumerang; Meloni erwiderte darauf in den sozialen Medien, die Opposition verwechsle die Aussetzung der Schengen-Regeln mit dem EU-Migrationspakt. Meloni erklärte, Italien habe seit 2023 rund 80.000 Übernahmeersuchen anderer EU-Staaten abgelehnt, gestützt auf beschleunigte Rückführungsverfahren und das Prinzip des sicheren Drittstaats. Beim Rimini-Treffen schloss sich Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida dem Koalitionspartner Forza Italia an und wies die Warnungen der Opposition vor bevorstehenden Asylüberstellungen zurück.


