
Unabhängige türkische Journalisten von NATO-Gipfel in Ankara ausgeschlossen – Pressefreiheitsorganisationen verurteilen Ausschluss
Mehreren unabhängigen und oppositionellen türkischen Nachrichtenmedien wurde die Akkreditierung für den NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara verweigert. Das Bündnis erklärte, es stütze sich auf die Bewertungen des Gastgeberlandes, während Pressefreiheitsorganisationen den Schritt als Affront gegen demokratische Werte bezeichneten.
Ablehnungen der Akkreditierung
Mehrere unabhängige türkische Medien gaben am Mittwoch und Donnerstag bekannt, dass ihre Akkreditierungsanträge für den bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara abgelehnt worden seien. Zu den Ausgeschlossenen gehören Halk TV, Sözcü TV, die Zeitung Cumhuriyet, die Nachrichtenseite T24, die Nachrichtenagentur ANKA und Medyascope – Medien, die als oppositionell oder unabhängig gelten. Journalisten erhielten Ablehnungs-E-Mails, die keinen Grund für die Entscheidung nannten und keine Berufungsmöglichkeit boten.
Reaktion der NATO
Die NATO-Sprecherin Allison Hart äußerte sich in einem Beitrag auf X zu der Kontroverse und erklärte, dass sich die NATO bei Gipfeltreffen außerhalb ihres Brüsseler Hauptquartiers auf das Gastgeberland verlasse, um Journalisten aus diesem Land zu bewerten und zu akkreditieren, damit sie Zugang zum Tagungsort erhalten.
Wir stehen in Kontakt mit den türkischen Behörden bezüglich der Akkreditierung für den NATO-Gipfel in Ankara. Es ist sehr wichtig für die NATO, dass die Medien an großen Veranstaltungen persönlich teilnehmen können.
Kritik an der Pressefreiheit
Der Türkische Journalistenverband verurteilte die Ablehnungen und erklärte, der Ausschluss untergrabe die Informations- und Berichterstattungsfreiheit. Die Gruppe argumentierte zudem, dass die NATO selbst die in ihrem Gründungsvertrag betonten Grundsätze der Demokratie, der individuellen Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit verletzt habe. Erol Önderoğlu, der Türkei-Vertreter von Reporter ohne Grenzen, bezeichnete das Akkreditierungsverfahren als undurchsichtig und inakzeptabel.
Wir können nur schwer verstehen, warum der NATO-Gipfel einem bedeutenden Teil der türkischen Medien durch dieses Akkreditierungsverfahren unzugänglich gemacht wird.
Breitere Repressionswelle vor dem Gipfel
Die Türkei ergreift im Vorfeld des Treffens umfassende Sicherheitsmaßnahmen. Die Staatsanwaltschaft von Ankara erklärte, die Sicherheitskräfte hätten Anfang der Woche mehr als 200 Personen wegen des Verdachts auf Verbindungen zu extremistischen Gruppen festgenommen. Oppositionsparteien und Medienberichten zufolge befanden sich ein Politiker, ein Akademiker, ein Journalist und ein prominenter LGBTQ-Aktivist unter den Festgenommenen. Der Gouverneur von Ankara verhängte zudem ein Verbot aller öffentlichen Versammlungen und Demonstrationen vom 28. Juni bis zum 10. Juli.
Der Missbrauch von Terrorgesetzen, um Massenverhaftungen durchzuführen und Menschen im Vorfeld eines NATO-Gipfels zum Schweigen zu bringen, widerspricht den Gründungswerten des Bündnisses.
Kontext des Gipfels
Der Gipfel am 7. und 8. Juli wird die Staats- und Regierungschefs aller 32 NATO-Mitgliedstaaten zusammenbringen, wobei die Teilnahme des US-Präsidenten Donald Trump erwartet wird. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied des Bündnisses. Die Türkei belegt Platz 163 von 180 auf dem Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen.


