
Paul McCartneys ‚The Boys of Dungeon Lane‘: Eine nostalgische Reise ins Liverpool vor dem Ruhm und vielleicht ein Abschied
Mit 83 Jahren veröffentlicht Paul McCartney sein 18. Soloalbum – eine zutiefst persönliche und nostalgische Reflexion über seine Kindheit in Liverpool vor den Beatles, die Diskussionen darüber auslöst, ob dies seine letzte musikalische Aussage ist.
Eine Reise in die Vergangenheit
Paul McCartneys 18. Soloalbum, „The Boys of Dungeon Lane“, ist eine tiefgreifende musikalische Reise zurück zu seinen frühesten Tagen. Der Titel bezieht sich auf eine Straße im Speker Stadtteil Liverpools, in der der junge McCartney mit seinem Bruder Fahrrad fuhr, lange bevor die Welt die Beatles kannte. Das Album ist ein bewusster und sentimentaler Blick auf seine proletarische Erziehung im Nachkriegs-Nordengland, mit Fokus auf die Ära der „rauchigen Bars und billigen Gitarren“, die ihn prägte. Es ist ein Werk, das es laut ZEIT ONLINE schafft, die Vorgeschichte der Beatles zu bewahren und zu rekonstruieren und gleichzeitig Abschied zu nehmen – und das auf eine Weise, die „hochgradig vital und überhaupt nicht larmoyant“ sei.
Der Sound eines Lebens vor dem Ruhm
Anders als frühere Werke konfrontiert dieses Album McCartneys Vergangenheit direkt. Songs wie „Home To Us“, ein Duett mit Ringo Starr, dienen als Erinnerung an ihre gemeinsame Heimatstadt. Der Titel „Down South“ erzählt von Tramper-Abenteuern mit dem verstorbenen George Harrison. Das Album ist voll von diesen spezifischen, persönlichen Anekdoten – von einem Lied über eine Jugendschwärmerei für den Rocker „As You Lie There“ bis hin zu zutiefst bewegenden Hommagen an seine Eltern. „Salesman Saint“ thematisiert die Sorgen und Träume der Kriegsgeneration, während die Piano-Ballade „Momma Gets By“ seiner Mutter gewidmet ist, einer Hebamme, die starb, als Paul noch zur Schule ging.
Eine moderne Produktion mit einem klassischen Rocker
Um dieses Spätwerk zu gestalten, engagierte McCartney den 35-jährigen Produzenten Andrew Watt, der für seine Arbeit mit klassischen Rockgrößen wie den Rolling Stones und Ozzy Osbourne bekannt ist. Ihre Zusammenarbeit begann beiläufig bei einer Tasse Tee, bei der eine Drei-Akkord-Sequenz zum Ursprung des Eröffnungsstücks wurde. Watts popmusikalisches Gespür zeigt sich in eingängigen Titeln wie „Ripples On A Pond“, das McCartney als „im Grunde nur ein Liebeslied“ beschrieb. Das Album demonstriert McCartneys Vielseitigkeit, vom psychedelischen Rock von „Mountain Top“, inspiriert von einem Besuch des Glastonbury Festivals, bis zum Power Pop, der an seine Wings-Ära erinnert.
- Kindheit in Speke, Liverpool; Fahrradfahren auf der Dungeon Lane; Leben in der Nähe des Flughafens Speke (heute Liverpool John Lennon Airport).
- Trifft George Harrison im Schulbus; sie freunden sich über Rock ‚n‘ Roll und Gitarren an. Später trampt er mit Harrison in den Süden Englands.
- McCartneys Mutter Mary, eine Hebamme, stirbt, als er 14 ist. Dieser Verlust wird später in dem Song ‚Momma Gets By‘ thematisiert.
- Die Vor-Beatles-Ära der ‚rauchigen Bars und billigen Gitarren‘ in Liverpool, eine Zeit, auf die die Single ‚Days We Left Behind‘ direkt Bezug nimmt.
Kritikerstimmen: Meisterwerk oder vertane Chance?
Die ersten Kritiken sind eine Mischung aus großem Lob und deutlicher Kritik. Die ZEIT ONLINE feiert es als „das beste Beatles-Album seit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Die SZ beschreibt es als „lebendige Hommage an die Vergangenheit, wenn auch ein bisschen zu faltenfrei“. Die Neue Zürcher Zeitung hingegen bemängelt, dem Album fehle „biografische Tiefe“, es schwebe über seiner Lebensgeschichte, ohne konkrete Details zu liefern – im Gegensatz zu einem Liedermacher wie Tom Waits. Die FAZ gibt ein geteiltes Urteil ab, nennt Teile der Produktion „furchtbar“, räumt aber ein, dass das Album echte „Beatles-Qualitäten“ und sogar eine Hymne besitze.
Abschied einer lebenden Legende
Da McCartney sich seinem 84. Geburtstag nähert, wird das Album weithin als möglicher Schwanengesang interpretiert. Der NDR merkt an, dass es sich als „würdiger Abschluss einer beispiellosen Karriere“ präsentiere. Dieses Gefühl der Endgültigkeit wurde durch einen kürzlichen, symbolträchtigen Auftritt in der letzten Folge von Stephen Colberts Late-Night-Show verstärkt. McCartney, der letzte Gast der Sendung, spielte „Hello Goodbye“, bevor Colbert symbolisch den Strom abschaltete – ein Ereignis, das die FAZ als einen Moment der amerikanischen Zeitgeschichte beschrieb, der durch McCartneys vereinende Präsenz optimistisch gestimmt worden sei.
Man könnte sagen, der Ort, an dem wir wohnten, war nicht so toll. Aber es war unser Zuhause!
Die Ringo-Verbindung
Ein Höhepunkt für Beatles-Fans ist die direkte Beteiligung von Ringo Starr. Das Album enthält ein Duett mit dem Schlagzeuger auf dem nostalgischen Titel „Home To Us“. Diese Zusammenarbeit verstärkt das zentrale Thema des Albums: den Rückblick auf ein unzerbrechliches Band, das in Liverpool geschmiedet wurde. Wie der Bayerische Rundfunk anmerkt, tritt zwar ein Beatle persönlich in Erscheinung, aber auch der Geist des verstorbenen George Harrison ist spürbar gegenwärtig – McCartney singt über ihr erstes Treffen im Schulbus, bei dem sie sich über Rock ’n‘ Roll und Gitarren austauschten.
- ZEIT ONLINE
- 10 review score
- NDR
- 8 review score
- RP Online
- 8 review score
- Süddeutsche Zeitung
- 7 review score
- Bayerischer Rundfunk
- 8 review score
- Frankfurter Allgemeine
- 6 review score
- Neue Zürcher Zeitung
- 5 review score


