
Niederlande verlagern 66 Mio. € MBO-Finanzierung von Randstad in schrumpfende Regionen, um Berufsschulen offen zu halten
Bildungsministerin Rianne Letschert hat einen Plan vorgestellt, die Finanzierung von Berufskollegs grundlegend zu reformieren und Gelder aus städtischen Zentren in Gebiete mit stark sinkenden Schülerzahlen zu verlagern.
Ein System unter Druck
Die niederländische Sekundarstufe II-Berufsbildung (MBO) wurde bisher weitgehend pro Schüler finanziert – ein Modell, das angesichts demografischer Verschiebungen bröckelt. Die Zahl der MBO-Studenten wird voraussichtlich von 508.000 im Jahr 2020 auf 449.000 im Jahr 2038 sinken, ein Rückgang von rund 13 Prozent landesweit. In Regionen wie Drenthe, dem Achterhoek und Teilen Zeelands beträgt der Rückgang 25 Prozent oder mehr. Ohne Eingreifen würden ganze Kurse verschwinden, was Studenten zu langen Anfahrtswegen zwingen oder sie ganz von der Weiterbildung abhalten würde.
Eine gute MBO-Ausbildung muss für alle zugänglich sein, unabhängig davon, wo Sie wohnen oder wie Ihre finanzielle Situation ist.
Was sich ändert
Ab 2029 erhält jede MBO-Einrichtung einen festen Sockelbetrag, den sogenannten ‚vaste voet‘, der die Budgets weniger abhängig von schwankenden Einschreibungen macht. Schulen in ausgewiesenen Schrumpfregionen (Friesland, Groningen, Drenthe, Twente, der Achterhoek, Noord-Holland Noord, Zeeland und Limburg) erhalten einen Erreichbarkeitszuschlag in Höhe von 81 Mio. € pro Jahr, sofern mindestens die Hälfte ihrer Studenten aus diesen Gebieten stammt. Ein weiterer Kooperationsetat von 200 Mio. € ersetzt den bisherigen qualitätsabhängigen Topf und belohnt Kooperationen mit lokalen Arbeitgebern.
Gewinner und Verlierer
Die Umverteilung ist innerhalb des jährlichen Budgets von 5 Mrd. € des Sektors budgetneutral. Rund 66 Mio. € werden von anderen MBO-Kollegs umgeschichtet, wobei 41 der 53 Einrichtungen durchschnittlich 1,5 Prozent ihrer Mittel verlieren. Drei Schulen erreichen die Verlustobergrenze von 4 Prozent: Grafisch Lyceum Utrecht, Nimeto (Utrecht) und Hoornbeeck College (Rotterdam und Gouda). Der MBO-Rat unterstützt den Plan, obwohl Sprecherin Jessy Burgers anmerkte: „Wir hätten natürlich lieber zusätzliches Geld von der Zentralregierung gehabt.“
Wenn wir aufhören, den Fliesenlegerkurs in Zeeland anzubieten, wird es in ein paar Jahren in der gesamten Provinz keine Fliesenleger mehr geben.
Maßnahmen für Studenten
Minderjährige erhalten ab 2029 kostenlose Pflichtlernmittel – eine Reaktion auf Umfragen, die zeigen, dass jeder fünfte minderjährige MBO-Student Schwierigkeiten hat, über die Runden zu kommen. Laptops sind nicht enthalten. Die Ministerin wies auch auf eine bevorstehende Talentstrategie hin, die Studenten in Branchen mit Arbeitskräftemangel lenken soll.
Weg zur Umsetzung
Der Vorschlag baut auf Vorarbeiten der früheren Minister Moes (BBB) und Bruins (NSC) auf. Letschert, die ihr Amt antrat, als die Pläne bereits finalisiert wurden, sagte, sie sei „am Ende im perfekten Moment angekommen.“ Eine öffentliche Konsultation beginnt noch in diesem Monat, eine parlamentarische Debatte ist für Ende September angesetzt, und die Regierung strebt an, das Gesetz bis 2028 durch beide Kammern zu bringen.
- Ministerin Letschert stellt das neue Finanzierungsmodell vor und sendet ein Schreiben an das Parlament.
- Öffentliche Konsultation zum Vorschlag beginnt.
- Parlamentarische Debatte für Ende September angesetzt.
- Regierung strebt Verabschiedung des Gesetzes durch beide Kammern an.
- Neues Finanzierungssystem tritt in Kraft; kostenlose Lernmittel für Minderjährige beginnen.


