
Marinechef Portugals zu 816 € Geldstrafe verurteilt wegen Behinderung der Justiz im NRP-Mondego-Geheimnisprozess
Das Lissabonner Gericht verurteilte Admiral Jorge Nobre de Sousa zu einer Geldstrafe von 816 Euro, weil er es versäumt hatte, Zeugen zu laden, und damit den Prozess gegen drei Matrosen verzögerte, denen die Preisgabe vertraulicher Schiffsdaten vorgeworfen wird.
Die Geldstrafe und der richterliche Verweis
Am 16. Juni 2026 belegte das Zentralstrafgericht Lissabon Admiral Jorge Nobre de Sousa, den Chef des Marinestabs, mit einer Geldstrafe von 816 Euro (acht Verrechnungseinheiten zu je 102 Euro). Das Gericht stellte fest, dass der Admiral einer Anordnung vom 4. Mai nicht nachgekommen war, das Erscheinen zweier Marinezeugen vor Gericht sicherzustellen. Der Richter bezeichnete das Verhalten der Marine als „eine zu beanstandende und ungerechtfertigte Unterlassung der Pflicht zur Zusammenarbeit mit dem Gericht“ und als „eine ebenso unerträgliche Behinderung der Rechtspflege“.
Das prozessuale Verhalten der portugiesischen Marine beeinträchtigt die ordnungsgemäße Arbeitsweise dieses Gerichts erheblich, beeinträchtigt das Bild von Effektivität, Einsatzbereitschaft und Sorgfalt, das der Bürger von beiden Institutionen (Gericht und Streitkräfte) erwartet, und stellt einen Versuch dar, die Pflicht zur Befolgung gerichtlicher Anordnungen und die Autorität der Gerichte zu untergraben.
Vertagte Anhörungen
Da die Zeugen Vasco Pires und Filipa Pinto nicht rechtzeitig geladen worden waren, konnten weder die Anhörung vom 17. Juni noch die vom 24. Juni stattfinden. Das Gericht hatte bereits eine für den 6. Mai angesetzte Sitzung verschoben, nachdem gemeldet worden war, dass ein Zeuge im Einsatz sei, und hatte damals bereits auf eine unzureichende Kooperation der Marine hingewiesen.
Es steht fest, dass diese Zeugen erneut nicht geladen wurden und vor diesem Gericht nicht erscheinen werden.
Die Absetzung hinterlässt keinen neuen Termin. Der am 22. April begonnene Prozess hat nun seine zweite geplante Anhörung ohne Fortschritt verloren.
Reaktion der Verteidigung und mögliche Festnahmen
Die Anwälte der drei Matrosen, Paulo Graça und António Garcia Pereira, begrüßten die Geldstrafe, bestanden jedoch darauf, dass der Admiral sie aus eigener Tasche und nicht aus Marine-Mitteln zahlen müsse. Sie kündigten außerdem an, zu beantragen, dass die beiden fehlenden Offiziere festgenommen und unter Arrest vor Gericht gebracht werden, falls das Fernbleiben anhalte.
Die Verteidigung wird beantragen, dass diese beiden Offiziere festgenommen werden, um unter Arrest auszusagen, da dies offenbar der einzige Weg ist, sie vor den Richter zu bringen.
Hintergrund des Falles
Die juristische Saga begann im März 2023, als 13 Besatzungsmitglieder (vier Unteroffiziere und neun Mannschaftsdienstgrade) des Patrouillenschiffs NRP Mondego sich weigerten, ein russisches Schiff nördlich von Madeira zu begleiten. Sie argumentierten, das Schiff habe schwerwiegende strukturelle Mängel und sei unsicher. Der damalige Chef des Marinestabs, Admiral Gouveia e Melo, verurteilte den Akt als Insubordination. Dreizehn Besatzungsmitglieder erhielten Disziplinarstrafen und wurden formell angeklagt; drei von ihnen stehen nun vor Gericht, weil sie angeblich geheime Informationen über den schlechten technischen Zustand des Schiffs preisgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft sagt, die Dokumente hätten eingeschränkte, vertrauliche und geheime Daten enthalten, deren Weitergabe „unvorsichtig, fahrlässig und nachlässig“ gewesen sei.
Ein Muster der Behinderung
Die Verteidiger argumentieren, die Marine habe ihr Verhalten aus einem früheren Fall übernommen. In jenem ersten Verfahren habe die Marine den Zugang eines Sachverständigen zum Schiff angeblich über ein Jahr lang verzögert. Als der Sachverständigenbericht schließlich vorgelegt wurde, habe er schwerwiegende Mängel der Mondego offengelegt – Tatsachen, die die Marine nicht veröffentlicht sehen wollte. Die derzeitige Behinderung folge dem gleichen Muster.
- 13 Besatzungsmitglieder weigern sich, die NRP Mondego zu besteigen, und verweisen auf schwerwiegende strukturelle Mängel.
- Erste Prozesssitzung beginnt; Gericht lehnt Antrag der Verteidigung auf Ausschluss des Militärrichters aus der Kammer ab.
- Gericht ordnet Ladung der Zeugen Vasco Pires und Filipa Pinto zur Aussage an.
- Zweite Sitzung verschoben, weil ein Zeuge im Einsatz ist; Gericht kritisiert bereits die mangelnde Kooperation der Marine.
- Gericht verhängt Geldstrafe von 816 Euro gegen den Chef des Marinestabs und sagt die Anhörungen vom 17. und 24. Juni ab.


