
Staatsanwaltschaft fordert bis zu zwölf Jahre für Maradonas medizinisches Team in Schlussplädoyers
Die argentinische Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag, dem 8. Oktober, ihr Plädoyer abgeschlossen und argumentiert, sieben Beschäftigte des Gesundheitswesens hätten Maradona seinem Schicksal überlassen. Das Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden, nach etwa zwei weiteren Wochen Verhandlung.
Staatsanwaltschaft schließt ihr Plädoyer
Die Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag, dem 8. Oktober, im Prozess um den Tod von Diego Maradona mit ihren Schlussplädoyers begonnen. Sieben Mediziner – darunter sein Chefarzt, ein Psychiater, eine Psychologin und Pflegekräfte – sind beschuldigt, in den Wochen vor seinem Tod am 25. November 2020 grob unzureichend für ihn gesorgt zu haben. Sie bestreiten die Vorwürfe. Staatsanwalt Patricio Ferrari sagte, die "chaotische Organisation" der Angeklagten habe den erkrankten Patienten "in einer hilflosen Lage zurückgelassen und seinem Schicksal überantwortet". Sie hätten "ihre Pflichten verletzt" und "alle Handlungen unterlassen, zu denen sie verpflichtet gewesen wären". Franceinfo berichtet, Ferrari habe die Gruppe zudem als Laien beschrieben, die zu keinem Zeitpunkt bedacht hätten, dass sie es mit einem verletzlichen und komplexen Patienten zu tun hätten.
Geforderte Strafen
Die Staatsanwaltschaft forderte zwölf Jahre Haft für Leopoldo Luque, den Neurochirurgen und persönlichen Arzt Maradonas, wegen einfachen Totschlags mit dolo eventual sowie zehn Jahre Berufsverbot. Für Nancy Forlini, die Koordinatorin der häuslichen Pflege beim privaten Medizinunternehmen Swiss Medical, wurden zehn Jahre gefordert, für die Psychiaterin Agustina Cosachov acht Jahre. Dem Psychologen Carlos Díaz drohen fünf Jahre, dem leitenden Pfleger Mariano Perroni und dem Pfleger Ricardo Almirón jeweils vier Jahre. El Periódico berichtet, die Staatsanwaltschaft habe für den Klinikarzt Pedro Di Spagna, der Maradona nur einmal besucht habe, einen Freispruch beantragt. Die Staatsanwaltschaft beschrieb die Behandlung als "anárquico" (anarchisch), mit zwei Führungsebenen und zwei voneinander unabhängigen Informationskanälen.
- Leopoldo Luque
- 12 Jahre Haft
- Nancy Forlini
- 10 Jahre Haft
- Agustina Cosachov
- 8 Jahre Haft
- Carlos Díaz
- 5 Jahre Haft
- Mariano Perroni
- 4 Jahre Haft
- Ricardo Almirón
- 4 Jahre Haft
Warum die häusliche Genesung zur zentralen Frage wurde
Der Fall dreht sich um die Frage, ob die Ärzte fahrlässig handelten, als sie Maradona zu Hause statt im Krankenhaus genesen ließen. Die Staatsanwaltschaft verwies auf das nahezu vollständige Fehlen medizinischer Ausrüstung, darunter ein Krankenhausbett, ein Defibrillator und ein schnell verfügbarer Krankenwagen. Mehrere medizinische Sachverständige sagten aus, die Betreuer hätten nicht auf Warnzeichen wie Ödeme, Tachykardie und Atembeschwerden reagiert. Jana Maradona warf Luque laut SudOuest vor, auf die häusliche Genesung gedrängt und versprochen zu haben, ihr Vater werde rund um die Uhr versorgt. Verteidigungsexperten argumentierten, eine Krankenhauseinweisung nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz müsse das letzte Mittel sein, während eine größere Gruppe von Sachverständigen erklärte, Maradona habe sich im Alkoholentzug und in psychomotorischer Unruhe befunden und habe ein Pflege- oder Rehabilitationszentrum gebraucht. Der stellvertretende Staatsanwalt Cosme Iribarren fasste den Fall am Donnerstag zusammen.
Der Tod von Diego Armando Maradona kam ganz offensichtlich nicht aus dem Nichts: Die Anzeichen für diesen tödlichen Ausgang zeigten sich lange im Voraus.
Der Vorwurf des dolo eventual bedeutet, dass eine Person weiß, dass ihr Handeln Schaden verursachen könnte, und dennoch daran festhält. Jeder Angeklagte hat seine eigene Verantwortung für die Betreuung heruntergespielt, und die Beschäftigten des Gesundheitswesens argumentieren, der Tod sei nicht vorhersehbar gewesen.
- Maradona stirbt in einem gemieteten Haus in Tigre, zwei Wochen nach einer Operation wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn
- Prozess gegen sieben Mediziner beginnt in San Isidro
- Staatsanwaltschaft beginnt mit den Schlussplädoyers und fordert bis zu zwölf Jahre für Luque
Der Prozess und wie es weitergeht
Der Prozess begann am 14. April vor dem Tribunal Oral en lo Criminal Nr. 7 in San Isidro, mit 45 Verhandlungstagen, 75 Zeugenaussagen und rund hundert dem Gericht vorgelegten Nachrichten. Der erste Prozess war im vergangenen Jahr nach zweieinhalb Monaten Verhandlung plötzlich für ungültig erklärt worden, als bekannt wurde, dass ein Richter an einem geheimen Dokumentarfilm über den Fall mitgewirkt hatte. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu 25 Jahre Haft. Die Schlussplädoyers dürften etwa zwei Wochen dauern, das Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Maradonas Töchter nahmen an der Sitzung am Donnerstag teil. Maradona starb mit 60 Jahren an Herzversagen und akutem Lungenödem in einem gemieteten Haus in Tigre, zwei Wochen nach einer Operation wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn.

