
Magdeburger Migrantenläden streiken, IWH warnt vor Wachstumseinbußen durch AfD-Politik
Inhaber von Migrantenbetrieben in Magdeburg schlossen am Mittwoch für fünf Stunden ihre Türen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vor der Landtagswahl zu protestieren, während Wirtschaftsforscher warnten, ein AfD-Sieg könne das regionale Wachstum verringern.
Streikaktion in ganz Magdeburg
Inhaber von Migrantenbetrieben in ganz Magdeburg schlossen am Mittwoch, den 26. August 2026, zwischen 10:00 und 15:00 Uhr ihre Geschäfte, um gegen Fremdenfeindlichkeit und politische Ausgrenzung zu protestieren. Organisatoren berichteten, dass zwischen 120 und 150 Unternehmen an der Aktion teilnahmen, die sich auf Bereiche wie den Hasselbachplatz konzentrierte. Die Schließung umfasste Restaurants, Lebensmittelkioske, Friseurläden und andere Einzelhandelsgeschäfte, wobei sich auch mehrere deutsch geführte Läden solidarisch anschlossen. In den Schaufenstern angebrachte Plakate kündigten die halbtägige Schließung an, die mit einer Mittagsdemonstration vor dem Landtag koordiniert wurde.
Die Demonstration wurde vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt unterstützt, dessen Vertreter eine wachsende Besorgnis unter ausländischen Bewohnern über öffentliche Feindseligkeit und Diskriminierung beschrieben.
Menschenwürde und soziale Zugehörigkeit gelten für alle.
Politische Atmosphäre vor der Landtagswahl
Der Protest findet zehn Tage vor der für den 6. September 2026 angesetzten Landtagswahl statt. Organisatoren stellten fest, dass die öffentliche Debatte in der Region seit dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 angespannter geworden ist und Forderungen nach Massenabschiebungen immer häufiger werden. Das Parteiprogramm der Alternative für Deutschland (AfD) fordert strenge Migrationskontrollen, einschließlich der Einstellung staatlich geförderter Anwerbeprogramme für ausländische Pflegekräfte und der allgemeinen Arbeitsmigration in der Pflege.
Organisatoren betonten, dass ausländische Einwohner ihre Anwesenheit nicht allein durch wirtschaftliche Leistung rechtfertigen müssten. Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat forderte die breite Öffentlichkeit auf, die Parteiprogramme direkt zu prüfen, bevor sie ihre Stimme abgeben.
Lassen Sie sich nicht in Ausländer und Deutsche spalten, die Gesellschaft muss zusammenhalten.
Wirtschaftliche Auswirkungen von Migrationsbeschränkungen
Forscher des Halleschen Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) veröffentlichten Ergebnisse, die die potenziellen wirtschaftlichen Folgen einer von der AfD geführten Landesregierung bewerten. Reint Gropp, Präsident des IWH und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, sagte der Süddeutschen Zeitung, dass eine migrationsfeindliche Politik das jährliche Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt um 0,5 % bis 1,0 % senken könnte. Gropp erklärte, dass die derzeitige wirtschaftliche Expansion des Landes von Zuwanderung abhänge, da die einheimische deutsche Erwerbsbevölkerung schrumpfe, weil die Renteneintritte die Zugänge übersteigen.
Ausländische Beschäftigte machen zwischen 33 % und 40 % der Belegschaft in der regionalen Lebensmittelproduktion, im Baugewerbe, im Gastgewerbe und in der Logistik aus. Darüber hinaus haben rund 20 % aller praktizierenden Ärzte im Land ihre Qualifikation im Ausland erworben, obwohl der Ausländeranteil in der lokalen Altenpflege unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Gropp erklärte, dass die Rhetorik der AfD qualifizierte Fachkräfte in den Bereichen Medizin, Bau und Dienstleistungen abzuschrecken droht.
Fremdenfeindliche Politik ist schlecht für die Wirtschaft.
- AfD
- 42 %
- CDU
- 22 %
- Die Linke
- 13 %
Umfragepositionen und regionale Vergleiche
Insa-Umfragen für die Wahl am 6. September 2026 sehen die AfD mit 42 % der Wählerstimmen auf dem ersten Platz. Die Christlich Demokratische Union (CDU) erreicht 22 %, gefolgt von der Linken mit 13 %. Die Sozialdemokratische Partei (SPD), die Grünen, die Freie Demokratische Partei (FDP) und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) liegen jeweils bei etwa 5 % und damit nahe der Fünfprozenthürde für den Einzug in den Landtag. Die AfD strebt eine Alleinregierung an, was die derzeitige Koalition aus CDU, SPD und FDP ablösen würde.
Um die Folgen politischer Veränderungen für die Arbeitskräfteströme zu prognostizieren, analysierte das IWH Regionen, in denen populistische rechte Regierungen an die Macht kamen, darunter Sonneberg in Thüringen unter einem AfD-Landrat, norditalienische Gemeinden unter Führung der Lega Nord und das Vereinigte Königreich nach dem Brexit. In allen vom Institut untersuchten Fällen ging die Gesamtzuwanderung nach dem politischen Wechsel zurück, ein Muster, das sich laut Gropp in Sachsen-Anhalt wiederholen würde.
- Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt verändert das lokale politische Klima
- Inhaber von Migrantenbetrieben halten halbtägigen Streik und Kundgebung in Magdeburg ab
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angesetzt


