- 19.10.Macron landet in Kuwait und beginnt die Golfreise
- Ausgangssperren am MontagabendLecornu bittet die Präfekten um teilweise und örtlich begrenzte Ausgangssperren
- 21.10.Geplantes Ende der Golfreise nach Stopps in Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Katar
Proteste in ganz Frankreich schlagen in Gewalt um
Mehr als eine halbe Million Menschen protestierten am Wochenende gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und den Abbau öffentlicher Dienstleistungen. Der nationale Aktionstag am Samstag, 17. Oktober, verlief an vielen Orten friedlich, doch in Paris, Marseille und Lyon übernahmen Randalierer Teile der Züge. Hunderte Gebäude wurden in der Hauptstadt verwüstet, in mehreren Städten wurden öffentliche Gebäude geplündert und in Brand gesteckt. Bis Montag, 19. Oktober, waren nach Zusammenstößen mit der Polizei mehr als 2.400 Menschen festgenommen worden. El Mundo beschrieb die Unruhen als den schlimmsten Gewaltausbruch in Frankreich seit zwei Jahrzehnten.
Macrons Ansprache und die Reaktion der Regierung
Am Sonntagabend, 18. Oktober, wandte sich Macron an die Nation, drückte Wut und Scham über die Gewalt aus und versprach Härte gegen die Verantwortlichen sowie Transparenz über das Vorgehen der Polizei. Dieses Vorgehen ist von Oppositionsparteien und von Bürgermeistern betroffener Städte von Paris bis Marseille scharf kritisiert worden. Macron lehnte den Rücktritt von Innenminister Laurent Nuñez ab und bat ihn, so schnell wie möglich neue Formen des Vorgehens gegen die Randalierer vor Ort einzuführen.
Am Montag sagte Lecornu nach einer Sitzung der interministeriellen Kriseneinheit, er habe die Präfekten gebeten, am Abend teilweise und örtlich begrenzte Ausgangssperren zu verhängen, vor allem um Geschäfte zu schützen. Ein Ausnahmezustand könne eingeführt werden, falls er nützlich sei, doch Ausgangssperren erschienen der Lage angemessener. Lecornu machte eine ultralinke Bewegung dafür verantwortlich, bis zur Präsidentschaftswahl tiefe Unordnung im Land schaffen zu wollen. Nuñez schloss aus, die Austragung der kommenden Fußballspiele infrage zu stellen.
Die Golfreise
Macron wurde in Kuwait von Emir Mechaal al-Ahmad Al-Sabah empfangen, und am selben Tag nahm er mit Mohammed Ben Zayed am Flughafen von Abu Dhabi die Nationalgarde der Emirate ab. Die Reise soll bis Mittwoch, 21. Oktober, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Katar umfassen. Der Élysée-Palast hatte die Reise in der Woche zuvor angekündigt und erklärt, Ziel seien Zusagen zu Diesel- und Ölmengen in einer Zeit starker Spannungen auf den Weltmärkten. Macron begründete die Beibehaltung der Reise mit der Notwendigkeit, die Versorgung zu sichern, während Demonstranten ihre Sorge über die Kraftstoffpreise äußerten. El Mundo beziffert die Entfernung von Paris nach Kuwait-Stadt mit 5.500 Kilometern. Die Region ist seit der israelisch-amerikanischen Offensive gegen den Iran im Februar in Aufruhr, und die Straße von Hormus steht im Zentrum der Energiekrise.
Kritik und Reaktionen
Benjamin Morel, Verfassungsrechtsexperte an der Universität Paris-Panthéon-Assas, sagte, die Reise könne den Eindruck von Normalität vermitteln, aber auch distanziert wirken und ein Machtvakuum nahelegen. David Lees, Dozent für Frankreichstudien an der Universität Warwick, verglich die Reise mit Charles de Gaulles geheimem Flug nach Westdeutschland im Jahr 1968 auf dem Höhepunkt der Unruhen und Streiks. Im schlimmsten Fall wirke der Besuch wie eine herablassende Geste eines Präsidenten, der oft weltfremd erscheine, sagte Lees. El Mundo erinnert an die vorgezogene Parlamentswahl, die Macron im Sommer 2024 ansetzte und die ein Parlament ohne Mehrheit hinterließ, die eine Regierung hätte bilden können.
Am Montag rief die Europäische Union Frankreich auf, das Recht auf friedlichen Protest zu schützen, und bezeichnete die Plünderungen und Brandstiftungen als inakzeptabel. Ein Sprecher der Kommission, Markus Lammert, sagte:
„Wer friedlich protestiert, darf nicht mit denen gleichgesetzt werden, die Gewalt verüben.“
Rund 100 Menschen versammelten sich am Montag auf Aufruf des Verbands der Bürgermeister Frankreichs vor dem Pariser Rathaus, in Anwesenheit des sozialistischen Bürgermeisters Emmanuel Grégoire. Grégoire sagte:
„Solange keine politische Antwort auf die Krise gegeben wird, wird sie nicht gelöst.“
Der Verband der Bürgermeister Frankreichs hatte die Versammlung nach den Gewalttaten, Plünderungen und Brandanschlägen auf Gebäude am Samstag einberufen.