
Luzerner Stimmbürger befürworten städtisches Vorkaufsrecht und 1100-Wohnungs-Plan
Am Sonntag sprachen sich die Stimmberechtigten der Stadt Luzern überwältigend für zwei kommunale Gegenvorschläge zur Förderung von bezahlbarem Wohnraum aus: Sie räumen der Stadt ein Vorkaufsrecht an größeren Liegenschaften ein und verpflichten sie zum Bau von 1100 neuen Mietwohnungen bis 2048.
Zwei Gegenvorschläge mit deutlichen Mehrheiten angenommen
Bei einer stadtweiten Abstimmung vom 14. Juni 2026 haben die Luzerner Stimmberechtigten zwei kommunale Gegenvorschläge zur Erhöhung des Angebots an bezahlbarem Wohnraum gebilligt. Das Vorkaufsrecht wurde von 67,5 % der Abstimmenden angenommen, das Paket zur aktiven Bodenpolitik und die Gründung einer Wohnbaustiftung erhielten 69,3 % Zustimmung. Die Stimmbeteiligung erreichte 64,2 %, eine vergleichsweise hohe Beteiligung bei einer kommunalen Abstimmung.
- Vorkaufsrecht
- 67.5 %
- Aktive Bodenpolitik / Stiftung
- 69.3 %
1100 Wohnungen bis 2048 angestrebt
Das verabschiedete bodenpolitische Paket setzt sich das Ziel von 1100 zusätzlichen bezahlbaren Mietwohnungen bis 2048. Es umfasst drei Hebel: Eine Stiftung wird 500 Wohnungen bauen; die Stadt selbst wird Grundstücke kaufen und darauf 300 Wohnungen errichten; und die Gemeinde wird gemeinnützigen Wohnbauträgern Darlehen für weitere 300 Wohnungen gewähren. Die Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf eine Volksinitiative der Grünen und Jungen Grünen aus dem Jahr 2024, die zurückgezogen wurde, nachdem der Stadtrat einen eigenen Gegenvorschlag erarbeitet hatte.
Vorkaufsrecht ab 2027 vorgesehen
Gemäß dem neuen Vorkaufsrecht muss Luzern über jeden Verkauf größerer Mehrfamilienhäuser oder Baulandgrundstücke informiert werden, so dass die Stadt die Möglichkeit hat, als Käuferin einzusteigen. Für die Umsetzung ist ein Kredit von 2,712 Millionen Franken zur Finanzierung von 160 zusätzlichen Stellenprozenten in der Stadtverwaltung erforderlich. Dieses Instrument, das bereits in den Kantonen Genf und Waadt angewendet wird, wird von diesen Behörden laut offiziellem Abstimmungsbüchlein „zurückhaltend“ eingesetzt. Es soll 2027 in Kraft treten.
- SP und Grüne reichen Volksinitiativen für mehr bezahlbaren Wohnraum ein.
- Der Stadtrat kontert mit Vorschlägen, Initiativen zurückgezogen.
- Die Stimmberechtigten stimmen beiden Gegenvorschlägen in einer stadtweiten Abstimmung zu.
- Das Vorkaufsrecht tritt in Kraft.
- Zieldatum für 1100 neue bezahlbare Wohneinheiten.
Politischer Hintergrund
Beide Abstimmungen gehen auf Volksinitiativen zurück, die 2024 von der SP und den Grünen lanciert wurden. Nachdem der Luzerner Stadtrat alternative Gegenvorschläge ausgearbeitet hatte, die im Stadtparlament eine Mehrheit fanden, zogen die ursprünglichen Initiativkomitees ihre Texte zurück. Die Ergebnisse vom Sonntag bestätigen die Fähigkeit der Stadt, aktiver in den lokalen Wohnungsmarkt einzugreifen, und spiegeln eine breitere schweizerische Debatte über steigende Mieten und ein begrenztes Angebot wider.


