
Longlist zum Deutschen Buchpreis 2026: 20 Romane im Rennen, 17 Erstnominierte
Eine siebenköpfige Jury hat aus 205 Titeln 20 Romane für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026 ausgewählt, darunter 17 Erstnominierte und sechs Debüts. Der Preisträger wird am 5. Oktober in Frankfurt bekannt gegeben.
Die Longlist
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gab die Longlist am 11. August 2026 bekannt und setzte 20 Romane ins Rennen um einen der bedeutendsten Preise des deutschsprachigen Literaturbetriebs. Eine siebenköpfige Jury sichtete 205 Titel, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Laut ORF hatten 106 deutschsprachige Verlage 180 Titel offiziell eingereicht. Von den 20 ausgewählten Autorinnen und Autoren sind 17 zum ersten Mal nominiert, sechs der Romane sind Debüts.
Die Liste vereint etablierte Namen und Neulinge. Heinz Strunk, nominiert für „Erinnerungen an Heidelberg“ (Rowohlt), und Ingo Schulze, nominiert für „Das Wasser im August“ (S. Fischer), bringen die größte Bekanntheit mit. Shida Bazyar, auf der Liste mit „Die Lücken“ (Kiepenheuer & Witsch), war bereits für den International Booker Prize nominiert – für ihr Debüt „Nachts ist es leise in Teheran“. Helene Bukowski, nominiert für „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ (Claassen), über den Selbstmord einer jungen Pianistin, die in der DDR aufwuchs, stand zuvor auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse. Valeria Gordeev, deren Debüt „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ auf der Liste steht (S. Fischer), gewann 2023 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Der österreichische Autor Elias Hirschl, der in Wien lebt, wurde für „Schleifen“ (Paul Zsolnay Verlag) nominiert.
Die Begründung der Jury
Jury-Sprecherin Cornelia Geißler von der Berliner Zeitung beschrieb die Auswahl als geprägt von historischer Recherche und gegenwärtiger Orientierungslosigkeit.
Die Vergangenheit zu erkunden, um die Gegenwart zu verstehen – das findet sich in unserer Auswahl der Romane des Jahres 2026 auf ganz unterschiedliche Weise. Stilbewusst, innovativ, durchaus auch mit Witz zeigen die Autorinnen und Autoren die Verletzlichkeit ihrer Figuren, begleiten Aufbrüche in eine andere Zukunft. Wie soll man sich zurechtfinden in einer Welt, in der die Verunsicherung um sich greift? Wir sind überzeugt: Lesen hilft. Das sind die Bücher dafür.
Der Tagesspiegel merkte an, dass Geißler auch die biografische Mehrsprachigkeit als Merkmal der diesjährigen Auswahl hervorhob und dabei auf Romane wie Tomer Gardis „Liefern“ über Lieferfahrer, Muri Daridas „King Cobra“ über eine ungarische Familiengeschichte, Alisha Gamischs „Parasiti“ über drei russlanddeutsche Frauen und Karosh Tahas „Gulistan“ über die Verfolgung von Kurdinnen und Kurden unter Saddam Hussein im Irak verwies.
Bemerkenswerte Absenzen
Mehrere prominente Titel schafften es nicht auf die Liste. Der Tagesspiegel nannte Caroline Wahls „1999 Meter über dem Meer“, Sven Regeners „Frankie und Freddie“, Maxim Billers „Schwarzer September“ und Eva Menasses „Alleinruhelage“ als auffällige Fehlstellen. Lutz Seilers „Das tickende Herz“ und Daniel Kehlmanns „Afrika“ erschienen zu spät im Jahr, um noch berücksichtigt zu werden. Ein Taschenbuch mit Leseproben aller 20 nominierten Titel wird kostenlos in Buchhandlungen erhältlich sein; weitere Informationen gibt es auf www.deutscher-buchpreis.de.
Wie es weitergeht
Die Longlist wird am 8. September auf eine Shortlist mit sechs Titeln verkürzt. Der Preisträger wird am 5. Oktober 2026 im Kaisersaal des Frankfurter Römers am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben; die Zeremonie wird live übertragen. Der Preis, der 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Marketinginstrument für deutschsprachige Literatur ins Leben gerufen wurde, ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Gewinner erhält 25.000 Euro, jeder der fünf weiteren Shortlist-Autoren 2.500 Euro. Im Vorjahr ging die Auszeichnung an die Schweizer Autorin Dorothee Elmiger für „Die Holländerinnen“.
- Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt Longlist mit 20 Romanen bekannt
- Longlist auf Shortlist mit sechs Titeln verkürzt
- Preisträgerverkündung im Kaisersaal, Frankfurter Römer, am Vorabend der Frankfurter Buchmesse
- Preisträger
- 25000 €
- Jeder Shortlist-Autor
- 2500 €


