
Schweizer Gericht verhängt 3 Millionen Franken Buße gegen Lombard Odier wegen unterlassener Verhinderung von Geldwäsche aus Usbekistan
Das Schweizer Bundesstrafgericht verhängte am Montag eine Geldstrafe von 3 Millionen Franken gegen die Genfer Privatbank und ordnete die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von über 400 Millionen Franken an, die mit der Tochter des verstorbenen usbekischen Präsidenten in Verbindung stehen.
Urteil in Bellinzona
Das Schweizer Bundesstrafgericht fällte sein Urteil am Montag, den 27. Juli 2026, und verurteilte die Genfer Privatbank Lombard Odier zu einer Geldstrafe von 3 Millionen Schweizer Franken (3,7 Millionen US-Dollar) wegen organisatorischer Mängel, die es einem mit usbekischen Eliten verbundenen Geldwäschenetzwerk ermöglichten, Hunderte Millionen Dollar über ihre Konten zu schleusen. Ein ehemaliger Kundenbetreuer, im Verfahren nur als C. bezeichnet, erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe wegen qualifizierter Geldwäsche. Das Gericht ordnete zudem die Einziehung von über 400 Millionen Franken an in der Schweiz gehaltenen Vermögenswerten an.
- Gulnara Karimovas „Das Büro" leitet angeblich Telekom-Schmiergelder auf Schweizer Konten
- Prozessauftakt am Bundesstrafgericht in Bellinzona
- Dreiwöchige Hauptverhandlung
- Gericht verurteilt Lombard Odier, verurteilt Ex-Manager, stellt Verfahren gegen Karimova ein und ordnet Einziehung von 400 Mio. CHF an
Karimovas „Büro"
Gulnara Karimova, Tochter des verstorbenen usbekischen Präsidenten Islam Karimov, wurde beschuldigt, eine kriminelle Organisation namens „Das Büro" angeführt zu haben, die zwischen 2005 und 2013 Schmiergelder ausländischer Telekommunikationsunternehmen auf Schweizer Konten geleitet haben soll. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe ihren Einfluss auf Regierungsentscheidungen ausgenutzt, um Schmiergelder als Gegenleistung für Marktzugang zu fordern. Die Gelder in Höhe von Hunderten Millionen Euro und Dollar wurden durch undurchsichtige Transaktionen bei mehreren Banken, darunter Lombard Odier, verschoben.
Der ehemalige Manager habe trotz Anzeichen von Korruption Gutschriften von über 120 Millionen Dollar und Belastungen von über 20 Millionen Dollar akzeptiert. Das Gericht stellte fest, dass er sich mit oberflächlichen Prüfungen zufriedengegeben habe, obwohl Warnsignale im usbekischen Telekomsektor offensichtlich gewesen seien.
Verfahren gegen Karimova eingestellt
Das Verfahren gegen Karimova wurde aufgrund eines dauerhaften Verfahrenshindernisses eingestellt. Sie sitzt seit zwölf Jahren in Usbekistan im Gefängnis und verbüßt eine Haftstrafe, die bis Dezember 2028 läuft. Die usbekischen Behörden verweigern ihr die Ausreise, und die Verjährungsfristen für die mutmaßlichen Straftaten würden vor einem erstinstanzlichen Urteil ablaufen. Karimova hat alle Vorwürfe bestritten. Auch das Verfahren gegen ihren rechten Mann, der im Exil in Russland lebt und international per Haftbefehl gesucht wird, wurde eingestellt.
Organisatorische Mängel der Bank
Das Gericht befand Lombard Odier für verantwortlich, nicht alle notwendigen und zumutbaren Maßnahmen ergriffen zu haben, um die von ihrem Mitarbeiter begangene Geldwäsche zu verhindern. Die Geldstrafe von 3 Millionen Franken lag unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten 4 Millionen. Lombard Odier kündigte an, Berufung einzulegen, und betonte, dass die internen Kontrollen und Anti-Geldwäsche-Verfahren zu jener Zeit robust gewesen seien.
Vermögenseinziehung
Die Schweizer Behörden beschlagnahmten Vermögenswerte in Höhe von über 400 Millionen Franken, darunter ein Mirabaud-Bankkonto von Karimova und eine Luxusvilla in Cologny. Rund 340 Millionen Franken waren bereits Gegenstand von Rückführungsvereinbarungen, während etwa 400 Millionen weiterhin unter Beschlag stehen.


