
Carlos Moedas weist Bruch mit portugiesischer Regierung zurück und fordert 300 Polizisten für Lissabon
Lissabonns Bürgermeister Carlos Moedas forderte die Zentralregierung auf, ihre Mai-Zusage über 300 zusätzliche Polizisten einzulösen, und verwies auf das Bevölkerungswachstum und einen Nettoverlust von 2.000 Polizisten seit 2010.
Bürgermeister fordert zugesagte Polizeieinsätze
Lissabonns Bürgermeister Carlos Moedas erneuerte die Forderung an die nationalen Behörden, 200 Beamte der Polícia de Segurança Pública (PSP) und 100 Gemeindepolizisten in die Hauptstadt zu entsenden. Bei der Sommeruniversität der PSD in Castelo de Vide am 28. August 2026 äußerte Moedas wachsende Sicherheitsbedenken, wies jedoch die Vermutung eines politischen Bruchs mit der Zentralregierung zurück. Premierminister Luís Montenegro hatte am 12. Mai 2026 nach einem Treffen mit Moedas und dem Bürgermeister von Porto, Pedro Duarte, jeweils 200 neue PSP-Beamte für Lissabon und Porto zugesagt. Mehr als drei Monate nach dieser Ankündigung erklären die Lissabonner Behörden, dass keiner der ständigen Beamten eingetroffen sei. Moedas wich während einer Podiumsdiskussion zum Thema Wohnungsbau gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Sebastião Bugalho von seiner vorbereiteten Rede ab, um direkt auf den Streit einzugehen.
Ich befinde mich weder mit der Regierung noch mit einem Minister im Krieg. Mein einziger Krieg ist einer. Es ist die Sicherheit in Lissabon.
Meinungsverschiedenheit über Präsenz auf der Straße und Taktik
Der Streit dreht sich um die Frage, ob rotierende Einheiten Sicherheitsbedürfnisse decken oder lediglich Personalknappheit kaschieren. Das Ministerium für innere Verwaltung unter Leitung von Luís Neves erklärte, dass seit Juni 2026 verstärkte Polizeieinsätze in der Hauptstadt laufen. Laut Ministeriumserklärungen wurden Beamte des Interventionskorps (Corpo de Intervenção) für Patrouillen in stark frequentierten und belasteten Zonen mobilisiert, um die Sichtbarkeit auf der Straße zu erhöhen. Moedas kritisierte diese taktische Vorgehensweise bereits Anfang der Woche bei einer Zeremonie zum Tag der Gemeindefeuerwehr in Chiado. Er betonte, dass eine wirksame öffentliche Sicherheit eine dauerhafte Besetzung der Stadtteile erfordere und nicht temporäre Sondereinheiten.
Nicht mit vorübergehender Verstärkung werden wir die Situation lösen, die Sicherheitslage wird mit mehr Polizei dauerhaft auf der Straße gelöst.
- Premierminister Luís Montenegro sagt Lissabon und Porto jeweils 200 PSP-Beamte zu.
- Das Ministerium für innere Verwaltung setzt Einheiten des Interventionskorps zur Patrouille in Lissabon ein.
- Carlos Moedas fordert die Regierung auf, zugesagte dauerhafte Polizisten zu stellen.
- Treffen zwischen Moedas, Minister Luís Neves und der PSP-Führung endet ohne Einigung.
- Moedas erklärt an der PSD-Sommeruniversität, dass Lissabon 2.000 Polizisten fehlen.
Demografische Veränderungen und Personaldefizite
Moedas argumentierte, dass das Polizeidefizit in Lissabon weit über die nicht erfüllte Mai-Vereinbarung hinausgehe. Nach den vom Bürgermeister in Castelo de Vide vorgelegten Zahlen gewann Lissabon seit 2010 100.000 Einwohner hinzu, während im gleichen Zeitraum 2.000 Polizisten verloren gingen. Die Gesamtzahl der Polizisten in der Hauptstadt sank von 8.000 Beamten im Jahr 2010 auf unter 6.000 heute. Moedas erinnerte daran, dass Kritiker ihm 2022, als er erstmals Sicherheitsbedenken äußerte, vorgeworfen hatten, rechtsextreme Positionen zu übernehmen. Er hielt fest, dass Kriminalitätsprävention eine nationale Verantwortung und keine parteipolitische Frage sei.
Uns fehlen nicht 200 Polizisten, uns fehlen 2.000 Polizisten. Das ist die Realität. Und die Zahlen müssen genannt werden.
Patt in Gesprächen nach jüngsten Straftaten
Der Streit verschärfte sich nach einer Reihe krimineller Vorfälle in der Lissabonner Innenstadt, darunter eine Schießerei im Stadtteil Baixa, bei der der Verdächtige auf freiem Fuß blieb. Moedas verwies auch auf einen versuchten Uhrenraub, bei dem das Opfer Selbstjustiz übte, sowie den offenen Verkauf von gefälschten Drogen in Touristengebieten. Ein formelles Treffen am 27. August 2026 zwischen Moedas, Minister Luís Neves und dem nationalen PSP-Direktor endete ohne Einigung über neue Einsätze. Das Ministerium hielt daran fest, dass die Bekämpfung der Unsicherheit von umfassenderen strukturellen Maßnahmen abhänge und nicht von einer einzelnen Personalmaßnahme – Lissabon bleibt ohne Zeitplan für dauerhafte Verstärkung.


