
Zentralrat der Juden drängt Berliner Grüne und SPD, Koalition mit der Linken zu blockieren
Nach Berliner Wahlprognosen, die Die Linke mit 24,5 % bis 26,0 % der Stimmen vorn sehen, forderte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Grünen und die SPD auf, Koalitionsgespräche wegen Antisemitismus im Wahlkampf abzulehnen.
Wahlprognosen und Koalitionsoptionen
Prognosen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF vom 20. September 2026 sahen Die Linke bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 24,5 % bis 26,0 % der Stimmen auf Platz eins. Die Christlich Demokratische Union (CDU) unter Spitzenkandidat Stefan Evers belegte mit 20,0 % den zweiten Platz. Der prognostizierte Ausgang ermöglicht es der Spitzenkandidatin der Linken, Eralp, das Amt der Regierenden Bürgermeisterin im Berliner Roten Rathaus anzustreben. Da keine Partei im Berliner Abgeordnetenhaus eine absolute Mehrheit hat, erfordert die Bildung einer Regierungsmehrheit Mehrparteienverhandlungen unter Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und Bündnis 90/Die Grünen. Die Grünen haben eine Schlüsselposition inne, da ihre Beteiligung erforderlich ist, um eine parlamentarische Mehrheit für einen linken Senat zu sichern.
- Die Linke (niedrige Prognose)
- 24.5 %
- Die Linke (hohe Prognose)
- 26 %
- CDU
- 20 %
Reaktion des Zentralrats auf das Wahlkampfverhalten
Nach der Veröffentlichung der Wahlprognosen am Sonntag gab Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, eine offizielle Erklärung ab, in der er sich gegen den Einzug der Linken in die Berliner Landesregierung aussprach. Schuster verwies auf wiederholte Vorfälle im Wahlkampf, bei denen auf Parteibühnen antisemitische Äußerungen gefallen seien. Er erklärte, dass Wahlkampfauftritte Aufrufe zu einer Intifada und zum Tod israelischer Soldaten enthielten, während Teile der Menge mitsangen und tanzten. Schuster kritisierte die Parteiführung dafür, nach diesen Vorfällen keinerlei politische oder personelle Konsequenzen gezogen zu haben.
Die Tatsache, dass eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne offen der Tod von Menschen gefordert wurde, als Siegerin der Wahl hervorgeht, beunruhigt mich zutiefst.
Schuster appellierte direkt an die Führung von SPD und Grünen, die Linke am Einzug ins Rathaus zu hindern. Er erklärte, dass der Linken die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Judenhass fehle, weil sie solche Positionen in ihren Reihen toleriere. Schuster warnte, dass das Überschreiten vor der Wahl gezogener roter Linien einen schweren Fehler darstelle, der die Normalisierung des Antisemitismus im deutschen öffentlichen Diskurs beschleunige.
Strategische Spaltungen innerhalb der Grünen
Das Wahlergebnis rückt die Grünen ins Visier, was ihre mögliche Beteiligung an einer von Eralp geführten Regierung betrifft. Umfragezahlen zeigen, dass 55 % der Grünen-Wähler der Meinung sind, dass antisemitische Tendenzen in der Linken einen viel zu großen Raum einnehmen. Der Chefredakteur von Focus Online, Florian Festl, merkte an, dass Forderungen der Grünen-Führung nach einer bloßen Distanzierungserklärung der Linken wirkungslos wären, da Erklärungen von Parteivorständen die interne Kultur der Partei weder widerspiegelten noch veränderten.
Der Focus-Kommentator Ulrich Reitz wies darauf hin, dass Eralp Antisemitismus unter Parteimitgliedern heruntergespielt und es versäumt habe, eine durchsetzbare Grenze dagegen zu ziehen. Die Kontroverse berührt auch die moralische Positionierung der Grünen, insbesondere den Gegensatz zwischen Verhandlungen mit der Linken und der Aufrechterhaltung einer unnachgiebigen Brandmauer gegen die rechte Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei steht vor ausgedehnten internen Debatten, ob sie Regierungsmacht priorisieren oder ihre erklärten liberal-humanistischen Grundlagen und zentristischen wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen aufrechterhalten soll, während die Koalitionsgespräche beginnen.


