Thüringens Linken-Vorsitzende drängt CDU zur Aufgabe des Kooperationsverbots und stellt Koalitionsgespräche in Aussicht
Katja Maurer, Co-Vorsitzende der Thüringer Linken, sagte, sie werde offen für eine mögliche Koalition mit der CDU werben und nannte den Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei von 2018 'unaufrichtig'.
Maurers Vorschlag
Die Thüringer Linke-Co-Vorsitzende Katja Maurer sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie zögere nicht, eine mögliche Koalition mit der CDU im Landtagswahlkampf offen zu präsentieren. Die 35-Jährige argumentierte, die Parteien sollten vor der Wahl ehrlich miteinander reden und öffentlich machen, wie sie verhandeln könnten. Sie schlug vor, drei gemeinsame Ziele und drei rote Linien zu benennen, und sagte, sie werde das Thema „sehr offensiv" angehen.
Ich finde, die Parteien sollten vor der Wahl sehr ehrlich miteinander reden. Und auch vor der Wahl öffentlich machen, wie sie Dinge miteinander verhandeln können.
Maurer griff zudem den CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss von 2018 an, der jede Zusammenarbeit mit der Linken oder der AfD untersagt. Sie nannte das Verbot „unaufrichtig" angesichts der regelmäßigen Gespräche zwischen CDU- und Linken-Fraktionen im Thüringer Landtag. „Wenn ich mich mit Mario Voigt treffe, frage ich immer: Wann stellen Sie den Antrag, die Unvereinbarkeit mit der Linken zu beenden?", sagte sie.
CDU-Reaktion
Thüringens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Mario Voigt gab eine zurückhaltende Antwort. Er verwies auf die aktuelle Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD, die mindestens drei weitere Jahre regieren werde und bereits drei Haushalte verabschiedet habe. „Es gibt immer das ein oder andere Gespräch im Landtag. Fangen wir damit an", sagte Voigt. Den Aufruf zur Abschaffung des Unvereinbarkeitsbeschlusses ließ er offen.
Wir haben eine gut funktionierende Koalition mit SPD und BSW für mindestens drei weitere Jahre. Wir haben bereits drei Haushalte verabschiedet. Es gibt immer das ein oder andere Gespräch im Landtag. Fangen wir damit an.
Der Beschluss von 2018 wurde auf einem CDU-Bundesparteitag in Hamburg gefasst. Der Druck, ihn zu revidieren, ist gestiegen, da mehrere ostdeutsche Länder mit schwierigen parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen zu kämpfen haben, doch das Verbot bleibt formal in Kraft.
Thüringens Erfahrung mit Minderheitsregierungen
Sowohl die derzeitige Regierung Voigt als auch die vorherige von der Linken geführte Regierung haben ohne eigene Mehrheit regiert. Die Linke regierte Thüringen zehn Jahre lang unter Bodo Ramelow, zunächst mit einer rot-rot-grünen Mehrheit und nach der Landtagswahl 2019 als Minderheitskoalition aus Linken, SPD und Grünen, die gelegentlich von der Opposition überstimmt wurde. Auch Voigts Brombeer-Koalition hat keine eigene Mehrheit, was zu einer Pattsituation führt, die die Regierung zwingt, auf Oppositionsstimmen, insbesondere der Linken-Fraktion, angewiesen zu sein. Diese praktische Zusammenarbeit ist es, die Maurer dazu veranlasst, das formelle CDU-Verbot als unaufrichtig zu bezeichnen.
Sachsen-Anhalt-Wahl steht bevor
Die Debatte über die Zusammenarbeit von CDU und Linken geht über Thüringen hinaus. In Sachsen-Anhalt, wo am 6. September 2026 ein neuer Landtag gewählt wird, hat CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen, könnte aber auf deren Tolerierung angewiesen sein. Der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky sagte der „Freien Presse", Tolerierungsmodelle ließen die Linken ohne Verantwortung, machten die Regierung aber von ihr abhängig. „Vielleicht wäre es daher klüger, mit einem ungewöhnlichen Partner zu koalieren, als von ihm toleriert zu werden", sagte er.
Ich gehe von einer Tolerierung aus, weil die Vorbehalte gegen eine Koalition zu groß wären, auch wenn sie in mancher Hinsicht sinnvoller sein könnte. Gleichzeitig ist die Regierung darauf angewiesen. Vielleicht wäre es daher klüger, mit einem ungewöhnlichen Partner zu koalieren, als von ihm toleriert zu werden.
- CDU-Bundesparteitag verabschiedet Unvereinbarkeitsbeschluss – Zusammenarbeit mit Linken und AfD ausgeschlossen
- Landtagswahl in Thüringen; Bodo Ramelow bildet Minderheitsregierung aus Linken, SPD und Grünen
- Linke-Landeschefin Katja Maurer fordert CDU zur Aufgabe des Verbots und zu offenen Koalitionsgesprächen auf
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt; CDU benötigt möglicherweise Tolerierung durch die Linke


